Die Sucht nach der Vergangenheit

Die Sucht nach der Vergangenheit
„Das Ich existiert nicht, nur das Dasein im Kollektiv zählt.“ Das gilt nicht nur für Afghanistan. Ähnliches habe ich erlebt in Iran und früher auch schon in der Türkei. Bzgl. Iran ist es diese Mischung aus dem traditionellen Nihilismus und modernen Nationalismus, welches das Volk zu Sklaven seiner selbst macht. Das Mullahregime ist diesbezüglich Rechtfertigung und Verstärkung zugleich. Das Gefühl von der Welt missachtet/verachtet zu werden (ob dieses Regimes, aber eigentlich schon seit Alexander dem Großen) lässt gerade den modernen – gebildeten – Iraner im Exil verzweifeln. Zugleich fühlen sie sich „beschützt“ in ihrer „kulturellen Identität“, welche sie aber von den Mullahs kaum unterscheiden lässt. So sind sie die idealen Gefangenen des Regimes, denn so halten sie das Regime gefangen. Eine Zukunft kann ein solches Volk nicht haben, es sei denn, es trennt sich radikal von seiner Sucht nach Vergangenheit.

faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/im-gespraech-exilautor-atiq-rahimi-afghanistan-ist-wie-star-wars-30-05-2012

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In Arbeit und Kapital veröffentlicht | 3 Antworten