Schmaler Grat

Schmaler Grat
Nun ja, auch ich bin hin und wieder der Meinung gewesen, dass Sie mich zensieren. Irgendwann habe ich das dann aber auch nicht mehr überprüft, weil es sowieso witzlos ist, länger als 2 oder 3 Tage auf die Freischaltung zu warten. Dann ist die Karawane nicht selten schon weitergezogen. Manchmal haben Sie auch schon einen neuen Beitrag eröffnet. Ob das jetzt eine Form der Zensur ist, oder eine Nachlässigkeit, die Sie vertreten wollen und können, müssen Sie entscheiden. Unterm Strich bin ich allerdings froh, dass es Sie hier in der FAZ noch gibt. Sie sind tatsächlich die inzwischen fast einzige Möglichkeit, in einem immer noch bedeutenden Medium zur Geschichte und Weltgeschichte seinen persönlichen Senf abzugeben. Und diese Geschichte ist nicht unwichtig, ja bedauerlicherweise gar fürchterlich wichtig. Zum Fürchten wichtig. Und das gilt auch für nicht wenige Beiträge Ihrerseits – in letzter Zeit. Manche sind zum Fürchten. Ich verstehe was Sie wollen, aber ich habe immer mehr Schwierigkeiten Ihnen auf den schmalen Grat zu folgen. Den Grat zwischen satirisch konnotierter und vermutlich anarchistisch geprägter Provokation und pseudolinkem Boheme-Kulturalismus. Für mich kommt es nicht von ungefähr, dass Sie da manchmal ins Straucheln geraten. Und es kann schon sein, bzw., es wird wohl so sein, dass Ihnen diese meine Kritik nicht gefällt.

Doch die Zeit ist so knapp wie wichtig, die wir vielleicht noch haben. Noch haben, um Geschichte zu machen, anstatt diese, wie oft, nur zu erleiden. Und das bedeutet: Streiten. Streiten um die richtigen Antworten auf manchmal unmögliche Fragen und noch unmöglichere Zumutungen. Und apropos Zumutungen: Sie scheinen die Zumutung nicht zu bemerken, nämlich, dass Ihren Blogs in letzter Zeit merkwürdige Kommentare folgen, Kommentare, die deutlich machen, dass sich was geändert hat, auch bei Ihnen, dann muss man Ihnen das sagen: Die Leute glauben, was Sie schreiben, und erkennen offenbar immer weniger die Satire dahinter. Oder ist da gar keine Satire mehr? Vielleicht daher der Vorwurf mancher an Sie als „AfDler“.

Auch ich kenne das, weniger hier als auf meiner Facebook-Seite. Manche meiner Freunde, richtige Freunde, nicht nur virtuelle Facebook-Freunde, verübeln mir meine Quellen. Ich fische in allen Gewässern, auch in trüben. Zumal ich der Meinung bin, dass längst alle Wasser verschmutzt sind. Ich kenne den Grat also. Und man muss manchmal, ja gar immer öfters, auf die andere, die „dunkle“ Seite schauen, um der Blendung durch die eigene „Wahrheit“ zu entgehen. Die Wahrheit befindet sich eh in einem ideologischen Nebel. Und den gilts zu lüften, bevor wir da was erkennen.
In diesem Sinne hoffe ich noch auf einen langen fruchtbaren Diskurs.

blogs.faz.net/deus/2015/10/31/zensur-als-kleine-schwester-der-luegenpresse

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