Völlig hilflos sind wir nicht

Völlig hilflos sind wir nicht
Die eigentliche Horrorvision entsteht womöglich erst beim Betrachter. Es ist dies Gefühl der Ohnmacht. Dieses Ohnmachtsgefühl entsteht im isolierten Individuum. Und darin liegt die Gefahr, nämlich, dass das Individuum sich nicht mehr als Teil des gesellschaftlich konnotierten Widerstandspotentials erkennt. Physikalisch gesprochen, entsteht Widerstand durch Druck. Daher halten ja die Herren der modernen Welt immer wenigstens ein Ventil in Bereitschaft. Und Ventile scheinen in Dystopien nicht mehr vorhanden. Doch dann stiegen der Druck und damit die Bereitschaft zum Widerstand. Im wirklichen Leben sollten wir uns mehr Gedanken machen, über diese Ventile als über völlig geschlossene Herrschaftssysteme. Wenn wir diese Ventile entlarven, also kritisieren, zwingen wir die Herrschenden, immer wenigsten einen Ausweg offen zu lassen, der dann auch, ob des damit verbundenen gestiegenen kritischen Bewusstseins, für den Widerstand genutzt werden kann. Völlig hilflos sind wir nicht.

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