Die Prototypen eines künftigen Nicht-mehr-Subjekts

Die Prototypen eines künftigen Nicht-mehr-Subjekts
Das Problem ist nicht die Sucht alleine und für sich alleine. Dem Einstieg in eine Parallelwelt, welche sich so anbietet als wäre sie eine perfekte Kopie von der realen (analogen) Welt, folgt dann oft nicht mehr der „Ausstieg“. Denn dieser scheint überflüssig. Doch der Problemdruck aus der realen Welt bleibt bestehen – Schule, Arbeit, Beziehung… –, und diesem ist man dann nicht mehr gewachsen. Was dann dort folgt, wäre so eine Art Burnout-Syndrom.

Die andere Seite wäre dann – und das verdoppelt den Problemdruck -, dass man die „Probleme“ aus der virtuellen Welt für reale hält. So hörte ich, dass es Leute geben soll, die eifersüchtig über ihre „Beziehungen“ in der virtuellen Welt wachen. Regelrechte Eifersuchtsdramen sollen sich da abspielen, z.B. wenn ein Chatteilnehmer den „Partner“ wechselt.

Wir wechseln somit nicht nur aus einem Objekt-Sein zum Subjekt-Sein, sondern beim Letzteren in ein gewissermaßen gedoppeltes Subjekt-Sein. Das wäre im Übrigen der Unterschied zu den anderen Süchten. Dort sind wir im schlimmsten Fall ein Fall (für unsere Sucht), also Objekt für eine Suchtberatung zum Beispiel, wie Subjekt bei den Anonymen Alkoholikern z.B. Doch wo hätten wir je von einem virtuell Saufenden gehört? Vielleicht nur beim sog. „trockenen Alkoholiker“, welcher gewissermaßen, also im „virtuellen“ Sinne, immer ein Alkoholiker bleibt, also dem Subjekt des Alkoholikers so verbunden, wie als Objekt einer gewissen gesellschaftlichen „Fürsorge“ immer übereignet. So bietet man – aus eben dieser Fürsorge heraus – einem trockenen Alkoholiker nicht mal alkoholhaltige Medikamente an!

Doch was tun wir mit denen der virtuellen Welt Verfallenen? Müssen wir ihnen den Computer/das Handy… wegnehmen. Verbietet sich ganz generell für diesen Personenkreis ein Computerarbeitsplatz? Gewähren wir ihnen den besonderen Status eines „Behinderten“? Oder lassen wir sie das tun, was sie tun müssen. Ahnend, dass sie eh die Prototypen eines künftigen „Nicht-mehr-Subjekts“ sind.

faz.net/blogs/deus/archive/2012/10/09/die-sucht-geht-nicht-vom-bildschirm-aus

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