Wo der Altruismus nicht mehr zureicht

Wo der Altruismus nicht mehr zureicht
@ThorHa: Die meisten sind nicht gierig, sondern dumm, ob einer gewissen Gier. Und daher gibt es die Gierigen – die Schlauen hieraus -, die diese Dummheit (bei ihren Gesinnungsgenossen) auszunutzen wissen. Nicht Wenige (unter diesen Dummen) ahnen das und sind daher bemüht aus Ihrer Dummheit „wenigstens“ (mangels größerer Intelligenz) ein wenig Kapital (denn das große Kapital trauen sie sich nicht zu) zu schlagen und laufen daher eben in dieselbe Falle. In die der klugen Gierigen. Die bisher Genannten – außer den klugen Gierigen (die ich jetzt mal Kapitalisten nenne) – sind in etwa identisch mit denen, die glauben, was das Kapital ihnen verspricht: mäßigen Wohlstand.

Der Altruismus aus diesen Kreisen speist sich somit aus einem (solchermaßen begründeten, wenig auch mäßig verstandenen) Argwohn – nämlich gegenüber diesen klugen Gierigen. Von denen man ja weiß, dass es sie gibt, von denen man aber (nicht ganz fälschlicherweise) annimmt, dass sie einem nie begegnen. Dennoch, um das genau völlig auszuschließen, nämlich dass man ihnen je begegnet, solidarisiert man sich mit Seinesgleichen, quasi im Stile eines Rituals, welches die bösen Geister zu verschrecken hätte. (Jede Form von moderner Religion dürfte sich daraus speisen. Wogegen der kluge Gierige die „Teufelsanbetung“ zu setzen weiß. – Faust wie „Antifaust“/Mephisto in Szene setzend. Die Dialektik der Kapitalbewegung gebärend. Eine Bewegung, in der „gut“ und „böse“ – „altruistisch“ und „gierig“ – nur noch von rein allegorischem Wert sind, ähnlich darin jener kapitalistischen Selbstbezeichnung in „Geld stinkt nicht“)

Dennoch, also trotz jenes gerade festgestellten allegorischen Sachverhaltes bzgl. gleich welcher ethischen Adjektive in der Kapitalbewegung, erfassten wir gerade so etwas wie das „Kleinbürgertum“. Nämlich ein Bürgertum, das nicht viel mehr besitzt als die Illusion ob eines Besitzes. – Das „Gretchen“ (in festen/gierigen Händen – von Faust wie Mephisto gleichermaßen). Diese „Illusion“ wäre somit das Gegenstück zur „Allegorie“. Die notwendige Bedingung dafür, dass die Kapitalbewegung überhaupt sein darf/sein kann/sich und allen versprechen darf, was sie nämlich nicht ist. – Freiheit (von Ausbeutung, Selbstentfremdung wie selbstverschuldete Unmündigkeit, Befreiung von Dummheit).

Und da man die, die definitiv nichts besitzen (und auch nichts von all dem wissen), also nicht mal die Illusionen ob diesem oder jenem teilen, klugerweise nie danach fragt, ob sie denn das teilen würden, was sie (nicht) besitzen, haben wir bzgl. deren „Altruismus“ keine Daten. Es sei denn in Form von Streikstatistiken. Der Altruismus der Nichtbesitzenden und Nichtwissenden misst sich somit anhand von Streikstatistiken. Doch nennt man das jetzt nicht mehr Altruismus, sondern Solidarität. Und wo diese entsteht, beginnt das Reich des Bewusstseins – das Klassenbewusstsein. Des Wissens von der Notwendigkeit eines politischen Handelns. Um Ungerechtigkeit, Benachteiligung wie Gier zu bekämpfen, ist der Altruismus nicht zureichend.

Die eigene Betroffenheit ist kein zureichender Maßstab
@ThorHa: Wie kommen Sie eigentlich darauf, dass ich „allen Nichtmarxisten“ Einsicht und Intelligenz abspreche? Aber Spaß beiseite. Ganz Grundsätzlich! Mit Ihrem Pragmatismus mögen Sie sich ja selber vielleicht so etwas wie eine philosophische Einsicht, bzw. Intelligenz, einreden, dennoch mehr als ignoranten Zynismus mag ich darin nicht erblicken. Wenn Ihnen der Kapitalismus wirklich am „A“ vorbeiginge, wie Sie behaupten, wären Sie nicht so furchtbar überzeugt davon, dass er gewissermaßen alternativlos ist. Ich bin überzeugt davon, dass nicht wenige (freie) Römer zu ihrer Zeit, bzgl. ihres eigenen Systems, ähnlich gedacht haben. Und selbst wenn wir nicht wüssten, dass dieses System schließlich unterging, wissen wir, dass es eben nicht ausreichte, es nur an den Annehmlichkeiten zu messen, die es großen Teilen dieser Gesellschaft verschaffte. Und wo selbst Kaiser an einem System, das ihnen soviel an Annehmlichkeiten verschafft, gewisse Zweifel ansetzen – Marc Aurel dürfte nicht die Ausnahme gewesen sein – kann doch Intelligenz nicht mit einem weniger an Einsicht verbunden sein. Gleich ob diese Betroffenheit negativ oder positiv beleuchtet wäre. Die Bemessung der Intelligenz sowohl eines Kaisers wie auch eines Bettelmanns unterliegt somit den gleichen Maßstäben. Wenn der Bettelmann die Gesellschaft unter der er so furchtbar leidet, ausschließlich nach dem Kriterium eben des eigenen Leids beurteilte, käme er zu keinem besseren Urteil bzgl. des Wertes dieser Gesellschaft, als eben ein Kaiser, der nur den Maßstab der eigenen Privilegien anzulegen gedenkt. Einsicht wie Intelligenz gehen nicht ohne ein Minimum an Fähigkeit über die eigene unmittelbare Betroffenheit hinaus zu denken.

Die Farce der Revolution von 89
@Grand Guignol: Wenn man den Mehrwert der deutschen Einheit am Zuwachs der deutschen Militärexporte misst, dann kommt einem schon der Gedanke, dass der Strauss, als d e r Lobbyist der deutschen Waffenindustrie – neben Möllemann, versteht sich -, den Braten rechtzeitig gerochen haben wird. Ich persönlich gehe davon aus, dass die Wiedervereinigung (mit) ein Projekt deutsch-deutscher Geheimdienste (im Windschatten des „RAF-Phantoms“/Wisnewski und Kollegen) gewesen sein wird. Mit Schalk-Golodkowski als Mittelsmann. Mit Straussens Milliarde wurde die DDR-Bourgeoisie angefüttert. Sodass ihr dann 89 „die Eier“ zum Widerstand fehlten. Die 2. Rate dürfte dann in Form des Versprechens der weitestgehenden Straffreiheit für SED- und Stasibonzen übergeben worden sein. Und die 3. Rate zahlen wir immer noch, in Form des Soli, der dazu beigetragen hat, dass sich dort eine neue Bourgeoisie hat gründen können – eben aus denselben Bonzen. Eine gewisse Tragik sehe ich darin, dass niemand bemerkt haben will, dass dieser „reale Sozialismus“, im Moment seines offenkundigen Scheiterns, längst Teil eines kapitalistischen Projekts war. (Einem Projekt, das nunmehr auch scheitert; die Rede ist hier von der EU und dem Euro.)
Und die Farce hierzu lieferte ein Volk, welche sich für „das Volk“ hielt, also welches glaubte, nochmals Subjekt sein zu können – in diesem vereinten Deutschland der Geheimdienste, resp. in diesem Europa, dessen wahrer Souverän eine Bank namens Goldman-Sachs vermutlich ist.

Ich hoffe, dass ich mich irre
@Grand Guignol: Danke der Nachfrage. Wie sagen die Engländer? Not too bad! Zu Wienand: ich denke, dass Strauss von gefährlicherem Kaliber war. Die Wienands (Wehner, Rau, Oettinger, Möllemann…) sind doch irgendwie Durchschnitt. Geradezu anmaßend in ihren kleinen Intrigen. Das mag auch daran gelegen haben, dass die deutsche Geschichte vor der „Wiedervereinigung“ eben nicht von Bedeutung war. So um das Datum 1989 hingegen bekommen die Skandale eine andere Dimension. Die Morde an Herrhausen und Rohwedder ganz besonders inbegriffen! Ein offensichtlich wiedererstarktes Noch-Klein-Deutschland beginnt sich von seiner Nachkriegsgeschichte zu lösen (wenn auch mit starken Opfern verbunden, wie gesagt: Herrhausen und Rohwedder vertraten die großdeutsche Linie). Herrhausen und Strauss waren intime Freunde (obwohl Strauss, so viel wie ich weiß, nie Mitglied in der Atlantikbrücke war). Aus der Nähe Strauss‘ zu Pullach (dem BND/dem CIA) schließe ich allerdings, dass er den Herrhausen auch geopfert hätte. Und so wie mir der Mord auch und gerade an Rohwedder bedeuten will, dass die gerade kassierte DDR das eigentliche Lamm gewesen war, welches da zu schlachten war, so will mir eines Ackermanns merkwürdige Anspielung auf die Frage der Maybrit Illner nur eines bedeuten: Deutschlands Aufstieg zur Großmacht sollte wohl nur über die EG möglich gemacht werden, doch der Versuch (Englands und Frankreichs) Deutschland innerhalb dieser EG dann klein zu halten, scheitert gerade. Ackermanns Anspielung wäre somit nicht Leichtsinn gewesen, sondern von rein taktischem Kalkül. Das neue Großdeutschland scheint d a s Thema zu sein. Und Ackermann mimt auf gar merkwürdige Weise Kassandra.

Der politische Reflex auf all dies und jenes zeigt sich auch so: Der neue deutsche Nationalismus soll von Antisemitismus frei sein (denn letzterer würde einem die Sympathie der USA kosten). Und da Deutschland Frankreich nicht vom Pelz bekommt, zerstört es dessen Einflussgebiete: ein von den Franzosen favorisierter „Mittelmehrstaatenverbund“ wird entweder ökonomisch – Griechenland bis Spanien/Portugal – oder politisch unmöglich gemacht. ((Wer oder was setzt sich da gerade in der „Arabellion“ durch?- Die durch Frankreich angereicherte „Nato“ (im Verbunde mit England) oder Deutschland? Die zunehmend zögerliche Haltung der USA in dieser Region – ob deren globalen Interessen – scheint Deutschland zu nützen.))

Durchaus möglich, dass am Ende die Führungsmacht in einer um Deutschland ärmer gewordenen Eurozone dann Frankreich sein wird. Nur wäre Frankreich dann aus den „Elitebonds“ ausgeschieden. Ein solcher Mittelmeerverbund wäre Deutschland gegenüber machtlos. Ob Deutschland alleine oder mit den Niederlanden und Österreich im Bündnis gegenüber einem geschwächten Franzosen-Euro dann die neue Hartwährungszone vertritt (wenn alleine, dann als DM oder im Verbunde als Euro plus), dürfte wohl gerade ausgefochten werden. Der niederländischen neuen Rechte – auch im Bunde mit den flämischen Separatisten Belgiens – käme ein solches Bündnis wohl gelegen. Sollte sich Österreich dem anschließen, wäre aber nicht nur das Anti-Antisemitismus-Projekt gescheitert. – Wo sich Protestanten und Katholiken zusammentun, leidet immer ein Dritter: nämlich der „Jude“. Und wenn das passiert, werden die USA dieses Projekt zum Scheitern bringen. Sie werden England zum Bündnis mit Frankreich zwingen, und wir hätten die Farce einer „Wiederholung“ des 2. Weltkrieges. Daher ist es auch und gerade den Konservativen so wichtig, innerhalb der neuen Rechte den Antisemitismus klein zu halten. Und das zeigt auf die wahre Bedeutung der aktuellen Skandale um die sog. Nazimorde, welche sich nämlich zunehmend als Fehde zwischen Geheimdiensten erweisen.

Sollte die EG auf diese oder ähnliche Weise aufgespalten werden, wären Deutschland und Frankreich wieder „Erbfeinde“. England weiß das und spielt daher falsch – doppelt falsch. Ökonomisch – u.a. auch via USA, über die Spitzen des Finanzkapitals – aufs engste verbunden, intrigiert es gegen Deutschland wie Frankreich gleichermaßen und wechselseitig. Verlässt England die EG wäre Frankreich (gegenüber Deutschland) allein gelassen, doch wäre man Deutschland zuvor gekommen. Denn ob England die EG verlässt oder eben nicht, hängt ausschließlich davon ab, inwieweit es dadurch Deutschland zuvor kommt, und eben nicht aus der Liebe zu Frankreich.
Wie Sie sehen: Die alten europäischen Intrigen scheinen das einzig europäische zu sein – an dieser europäischen Politik. Daher hoffe ich auch, dass ich mich irre.

faz.net/blogs/stuetzen/archive/2011/11/29/der-kapitalismus-bringt-keine-spinatknoedel

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  • Von Die Nähe zur offenen Diktatur des Kapitals am 7. Juni 2013 um 23:09 Uhr veröffentlicht

    […] des Finanzkapitals. Die Rede ist zurzeit von den „200 Familien, die die USA regieren“ (vgl. Atlantikbrücke auf Wikipedia), bzw. von den „147“ Personen/Familien/Institutionen/Konzerne…welche die etwa […]

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