Es wird die Wissenschaft revolutionieren!

Wie sehr wohl das Patriarchat der blinde Fleck ist, zeigt, dass dieser Beitrag bisher keine weitere Kommentierung erfuhr. Es ist gerade so als wäre die Bloggemeinde vor Schreck erstart.

Es wird die Wissenschaft revolutionieren!
Kann man daraus schließen, dass Wissenschaft unattraktiv macht?“ Jeder kennt wahrscheinlich den Spruch: Dumm f…t gut. Dass sich das aber eigentlich nur auf die Frau bezieht, das wird nur implizit deutlich, nämlich, indem das als ein Spruch nur unter Männern geistert. Ich kenne keine Frau, die in etwa sagen würde: Der Kerl sieht so dumm aus, dass der bestimmt gut im Bett ist. Selbst wenn darin ein gewisses Körnchen Wahrheit steckte, zum Beispiel jenes da in Bezug auf die Fähigkeit beim Sex die Gehirnaktivitäten soweit runter zu fahren, dass die anderen Körperregionen genügend durchblutet wären…Nun ja. Die Wissenschaft scheint wohl nur die Frau unattraktiv zu machen. In der öffentlichen- wie in der Eigenwahrnehmung. Und diese Wahrnehmung scheint das Problem zu sein. Doch hinter dieser Wahrnehmung muss mehr stecken als eine gewisse und solchermaßen weiblich konnotierte Ignoranz, bzw. männliche Arroganz.

Wissenschaft, so wir sie kennen, wie wir sie betreiben, wie sie uns umtreibt, scheint beim weiblichen Geschlecht im schlechten Ruf zu stehen. Zumindest in Bezug auf das eigene Sexappeal. Denn einen Wissenschaftler an der Seite, vor allem einen erfolgreichen, damit schmückt sie sich gern. Und ein wenig neidisch kann ein solches Weibchen auf die intelligente Konkurrenz auch schon sein.

Was ist also das eigentliche Problem.
Wissenschaft wird als männlich angesehen. Und das ist es was Weibchen stört. Es wäre die falsche Feder am hübschen Kopf.

Und ist das nicht etwa begründet? Wissenschaft hängt dem männlichen Hirn vor, wie ein gewisses Körperteil weiter unter. Nicht umsonst gibt es nicht wenige Männer, die das eine mit dem anderen verwechseln. Manchmal sieht man das gar. Bei gewissen Charakterköpfen, wie man so schön sagt. Man ahnt/man möchte annehmen, dass da weiter unten nicht mehr viel sein kann. Die Idealnorm, nämlich die eines oval geformten Kopfes (und das kleinere Gegenstück da weiter unten), scheint das ästhetische Problem zu sein. Frau mag das beim Mann ignorieren, denn er kann mit anderen Attributen, wie Reichtum und Macht, protzen. Doch Frau sieht sich da in höchster Gefahr. Welcher Mann möchte eine Frau mit einer all zu großen Vagina? Wir wissen natürlich, dass das Blödsinn ist. Ist der Mund doch das Gegenstück zu jener. In Form und Größe. Doch weiß das der Volksmund in aller Regel nicht mehr.

Doch ganz sicherlich steckt mehr dahinter als solch Schlüpfriges. Nämlich der noch ungetrübte Instinkt der Frau. Frau weiß/ahnt dass diese Wissenschaft, als eine männliche nämlich, Frau alleine deswegen schon nicht zu schmücken vermag, nämlich weil sie in Lehre, Methode und in Erkenntnisformen als eine Art Geheimwissenschaft daher kommt. Als Herrschaftswissen – als männliches.
Lange haben Männer sich bemüht, Frauen da nicht so leicht hinein zu lassen – in diese Tempel der Durchgeistigten, in jene Orakelstätten männlich konnotierter Liebe (zur Weisheit, vgl.: „Was dem Manne sein Orakel“). Oft gelang den Frauen nur in Begleitung ihrer eigenen – toleranten – Männer – der Zugang. Manche mussten ihn mit Gewalt nehmen.

Eines will mir feststehen: Je mehr Frauen die Wissenschaften erobern, desto weiblicher werden sie – die Wissenschaften. Aber auch die Frauen. Nicht nur die Formen der Erkenntnis, die sprachlichen Symbole, resp. Metapher, werden da andere sein. Nicht nur die Inhalte der Wissenschaft selbst, wie auch die Didaktik werden völlig umgewälzt. Man vergleiche nur mal Lisa Randall mit Brian Greene. Vielleicht nur ein sprachlicher Treppenwitz: Da wo der eine von Vibration (der Strings nämlich) spricht, spricht die andere von (Oszillation). Oder war es umgekehrt? Habe die Bücher jetzt nicht zur Hand. Aber das war mir als erstes aufgefallen. Und so nebenbei natürlich auch die Art der Vermittlung. Wo die Lisa Randall Musiktexte bemüht, nämlich um den Leser an die Schwingungen ihres Denkens, resp. der vermuteten Strings, ranzuführen, malträtiert Greene den geplagten Leser ungerührt mit so abstrakten Gleichungen wie R = 1/R. Zugegeben: mein männliches Hirn hat daran einen Narren gefressen – an dieser paradox klingenden Gleichung -, doch Lisas Text ging mir leichter durchs Gemüt – und nicht zuletzt durch den Verstand. Wenn auch am Anfang noch mit etwas Widerwillen verknüpft. Die Texte aus der Rockszene schienen mir manchmal zu willkürlich gesetzt. Doch auch darin sehe ich mittlerweile den rein weiblichen Bezug. Bestand doch die eigentliche sexuelle Revolution in der der Revolution von Musik, Tanz und Bewegung, sprich: die Befreiung des Geschlechtsaktes hin zur öffentlichen Bühne. Nein, auch die weiblichen, resp. dann damit die männlichen Formen und deren Wahrnehmungsformen. Erst die Zusammenführung des Wissens in Mann und Frau, machen beide gleich. Und es mag schon sein, dass das die bis dato so verschiedenen Hormone in den Geschlechtern einander annähern lässt. Und damit die Geschlechter selber. Aber das merkt dann keiner mehr. Das Bewusstsein wäre längst darin eingeschrieben. Bornemann spricht im „Patriarchat“ gar von einer zukünftigen androgynen Geschlechtlichkeit. Die äußeren Geschlechtsmerkmale werden sich – so nach ihm – wieder annähern. Wie auch immer. Wir werden dann nichts mehr anderes kennen.

Mein Angebot an die (intelligenten) Weibchen – bis dahin – wäre daher: bitte lasst euren Sexappeal doch in der Sprache erkennen. Zeigt den Männern (und den Frauen), dass euer Hirn nicht eine Kopie irgendeines weiter unten hängenden Organs ist, dennoch aber durchaus von weiter unten gesteuert ist. Dass Wissenschaft und Gefühle einhergehen können. Dann wird das nicht nur die Männchen entzücken, sondern auch eure Eigenwahrnehmung verbessern helfen! Und es wird die Wissenschaft revolutionieren! Es wird das menschliche Geschlecht – beiderlei Geschlechts – revolutionieren!

Die Diktatur des Objekts
@Luetzenich: Ich neige dazu Ihnen bzgl. Ihrer letzten Erwiderung an mich im Großen und Ganzen zuzustimmen. Sie kommen da einem von mir oft zitierten Bornemann (Das Patriarchat) und mehr noch dem Genetiker Bryan Sykes („Die 7 Töchter Evas“, „Keine Zukunft für Adam“) sehr nahe. Sykes prognostiziert in „Keine Zukunft für Adam“ ein Ende des Y-Chromosoms in etwa 150000 Jahren.

Nur will es mir scheinen, dass Sie hier die Prozesse der Gesellschaft mit denen der Natur all zu identisch setzen. Nach Bornemann ist das ehe eine kulturelle Revolution – die androgyne Gesellschaft, die er da im Kommen sieht. Nach Sykes sicherlich eine Frage der biologischen Evolution, doch schließt er hierbei den gesellschaftlichen Einfluss nicht aus. Nur weiß er als Genetiker nur all zu gut, dass der Mensch oft nur das Gegenteil dessen erreicht, was er möchte. So wären seine Versuche altersschwache Spermien zu retten eher kontraproduktiv und verstärken womöglich den Alterungsprozess. Allerdings ist das nur sein Thema am Rande.

So schreiben Sie: „Aber das DaSein fordert diese Veränderung, denn es gibt wesentlich befriedigendere und nachhaltigere Methoden und Konzepte, um Lebewesen zum Erhalt und der Veränderung/Fortentwicklung der Spezies zusammenzuführen, als die „Schönheit“, die Attraktivität, Besitz, Einfluss, Stärke, das Anderssein … und als Belohnung dafür den Sex.“

Die Dimension des Klassenkampfes, so wie ich sie sehe, macht die Schönheit zu einem Faktor für die Verwertung des Werts. Und zu einer Eigenschaft eines besonderen Habitus. Nicht der schöne Geist macht Karriere, der schöne Körper macht das. Und Frauen begreifen diese „Wahrheit“ des Kapitals quasi intuitiv. Denn sie unterliegen nicht so sehr der bürgerlichen Selbsttäuschung (dem Phantasma des Subjekts). Insofern sie nämlich nicht im vollen Umfange als bürgerliches Subjekt zu betrachten wären (nach Roswitha Scholz gar überhaupt nicht: „Das Subjekt ist der Mann“). Dennoch gilt das auch für Männer. Nur trauen die Männer ihren Augen eben weniger zu als ihrem Verstand (das wahre Drama der bürgerlich-patriarchalen Klassengesellschaft, nämlich wo das Subjekt Opfer seiner eigenen Lügen wird). Auch bei ihnen ist Schönheit Teil der Statussymbolik in der Klassengesellschaft. Schönheit belegt die Grundidee der bürgerlichen Gesellschaft, nämlich dass das Wahre und Schöne beieinander liegen. Denn dass die Wahrheit der Klassengesellschaft eine hässliche ist, das wissen nur die Kritiker.

Es mag sein, dass vor der biologischen Wahrheit all das nicht besteht. Um es dennoch zu bewerkstelligen, arbeitet die Schönheits- mit der Gesundheitsindustrie wie fieberhaft zusammen; und beide wiederum mit der Sicherheitsindustrie. Denn die Sicherheitsindustrie weiß nur all zu gut, dass nur schöne Menschen sichere Menschen sind – für die bestehende Ordnung.

Ich nehme daher an, dass die biologische Evolution nicht mehr lange das Schicksal/das Aussehen einer Spezies bestimmt. Die letzte Klassengesellschaft ist dabei ihre Klassenstruktur in die menschliche Spezies einzuschreiben. Gelingt ihr das, dann wäre beinahe alles möglich. Das Schöne könnte vom Hässlichen insofern geteilt sein, wie heute die Achse des Bösen vom Rest der Welt. Dass dies dann nicht als Ausdruck von Freiheit zu werten wäre, liegt auf der Hand. Denn abgesehen davon, dass es dann eine Diktatur der Schönen wäre, wäre es auch und noch mehr eine Diktatur des Objekts (über das Subjekt).

faz.net/blogs/planckton/archive/2011/09/05/schlau-oder-sexy

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