Zur reinen Geste

Zur reinen Geste
In politischer Hinsicht mag der Begriff „strategische Partnerschaft“ noch eine Bedeutung haben. Noch! Denn in wirtschaftlicher Hinsicht eben nicht mehr. Die Herausforderung dieser Länder besteht eben genau darin, dass sie die wirtschaftliche Einheit des Westens auf eine höhere Stufe zwingen, zur globalen Einheit. Es ist noch nicht raus, ob dies gelingt. Was allerdings nicht bedeutet, dass westlich-konservative Konzepte da im Wege stünden, sondern wohl eher, dass das Kapital sich vielleicht gar überschätzt. Doch sollte es gelingen, wäre jeder politischer Block einer von gestern. So sehr die ökonomische Bewegung jeder politischen unterliegt, sowenig gibt es die Möglichkeit die Bewegungen beider zu überbrücken. Zwischen ihnen liegt eine unüberwindbare „Lücke“ (Zizek). Ihre Überwindung kann einzig darin bestehen die gemeinsamen Grundlagen beider – und somit den darin eingeschlossenen Antagonismus – aufzuheben. Die Politische Ökonomie des Kapitals aufzuheben. Dieses Aufheben findet als Klassenkampf statt. Also ebenfalls unter antagonistischen Formen. Und genau diese – die antagonistischen Formbewegungen – sind es, die jede strategische Partnerschaft zur Geste machen, zur reinen Geste. In diesem Kampf kennt das Kapital keine Solidarität, gerade nicht mit seinesgleichen.

Jeder ist jedermanns Feind, 1. Teil
@Bujtor: Was auch immer Sie glauben gelesen zu haben. Mein Beitrag ist z.B. nicht so zu verstehen, wie Sie das unterstellen (bzgl. „allen“ Kommentatoren). Die Tatsache, dass ich den Begriff „strategische Partnerschaft“ kritisiere, bedeutet eben genau nicht, dass eine solche mit den sog. BRIC-Staaten angemessen, oder gar möglich wäre. Es geht mir ausschließlich um die Darstellung der ökonomischen Bewegung, die eben ganz und gar nicht auf die politische herunter zu brechen ist und vice versa. Die „strategische Partnerschaft“ die da hinter uns liegt, dürfte eine historische Ausnahmesituation gewesen sein und sie nährte sich beinahe ausschließlich aus dem antikommunistischen Kalkül. Aber selbst dieses reichte nie aus um eine innerkapitalistische Solidarität zu begründen. So war das außenpolitische Interesse des wilhelminischen Deutschlands mit Bedingung für den Sieg der bolschewistischen Revolution. Und auch der ganze 2. Weltkrieg – einschließlich der Episode des Hitler-Stalinpaktes – dürfte bewiesen haben, dass das Kapital ganz grundsätzlich nicht zu einer solchen Solidarität fähig ist.

Jeder ist jedermanns Feind, 2. Teil
Ausschließlich in der Phase der Hegemonie des US-Kapitals, nach dem 2. Weltkrieg, in der die Trennung der Welt in eine kapitalistische und eine sozialistische eingeschrieben war, war eine solche strategische Partnerschaft möglich. Dennoch lag da keine Solidarität zugrunde, denn wohl eher die nackte Unterordnung. Und genau diese zeigt sich im Moment als obsolet. Das Wolfsrudel verweigert dem altgewordenen Alphatier bei erstbester Gelegenheit die Gefolgschaft. Aber das ist nicht das Wesen der Sache. Selbst wenn der Leitwolf noch zur Führung fähig wäre und die Meute noch folgen wollte, würde das Rudel sich auflösen. In der Phase des Finanzkapitals, in der wir uns jetzt befinden, verschwimmen sämtliche regionale wie nationale Grenzen – ja selbst Klassengrenzen. Ein solches Kapital ist so hochmobil, dass jede Politik, jede nationale Politik, überfordert ist. Strategisch kann ein solches Kapital gar nicht mehr handeln. Es handelt von Fall zu Fall. Es hat keine Zukunft (daher verschwendet es auch keine Sekunde eines Gedanken an eine solche). Es kennt nur noch den Tag, ja die Sekunden, die es schneller sein muss als jeder nur denkbare Konkurrent. Partnerschaft kennt man da nicht einmal mehr innerhalb des ein und desselben Konzerns. Jeder ist jedermanns Feind.

Trabanten des Spektakels
@Mueller: Im hochspekulativen Kapital liegt der Kern der Globalisierung, liegt der Grund für das Ende jeder Außenpolitik, wie auch die Tendenz des Kapitals zu seiner Selbstaufhebung. Eine solche Kapitalbewegung erscheint als virtuelle Bewegung, welche die realen Werte verzehrt. Da diese Entwicklung irreversibel ist, muss die „Gegenwehr“ über das Kapital hinausgehen, darf sich also nicht als Gegenwehr verstehen, sondern muss revolutionär agieren. Die Kapitalbewegung ist an den Gegensatz von Kapital und Arbeit gebunden, wie auch an die nationale Form (auch der Klassenkampf ist der Form nach national). Es sucht diesen Gegensatz, wie auch die nationale Form, zu erhalten. Dennoch macht seine Eigenbewegung das alles zur leeren Geste. Zum bedeutungslosen Ritual. Klassen und Nationen prekarisieren, die Massen werden, wenn sie das zu verhindern suchen, zu Zuschauern ihres eigenen Untergangs, machtlos wie die Politiker, welche längst die Trabanten des ganzen Spektakels sind. Doch wie ein Stern, der, bevor er kollabiert, sich aufblähend, sein ganzes Sternensystem in sich aufnimmt, und so die Energie potenziert, für etwas noch größeres, so beinhaltet auch dieser Kampf, wenn auch in der Form des verzweifelten Aufbäumens gegen das Unvermeidbare, eine revolutionäre Potenz.

Bis der Widerstand des Volkes bricht
@Mueller „Denn wer sich entwickeln will braucht Demokratie wie Luft zum atmen…“ Dennoch genau diese Demokratie werden wir innerhalb dieser Kapitalbewegung nicht bekommen. China, Kuba, Nordkorea…, das ist Schnee von gestern. Diese gehören zu den gescheiterten „Abwehrbewegungen“. Das Kapital übt seine Diktatur konsequent aus, wenn auch in unseren Breiten mit Samthandschuhen. Die Mehrheit der Weltbevölkerung leidet unter der brutalen und offenen Diktatur des Kapitals. Dennoch auch hier bei uns ist die Demokratie Makulatur. Nennen Sie mir eine einzige politische Entscheidung, z.B. in der Zeit seit dem Beginn der Finanzkrise, die eine demokratische gewesen wäre. Ist es nicht so, dass die Bourgeoisie längst auch bei uns Entscheidungen trifft, die im äußersten Fall nur mit den Spitzen der Regierungen abgesprochen sind. Und selbst das nicht mal. Auch diesen diktiert sie die Linie. Die Deutsche Bank, resp. Ackermann höchstpersönlich, diktiert dem Finanzminister, was er in Brüssel und anderswo zu sagen hat. Nicht nur in der Griechenlandgeschichte. Und war es nicht Juncker, der uns verraten hat, wie die Herrschenden ihre Interessen durchsetzen, nämlich indem das Volk diese Entscheidungen solange serviert bekommt, bis der Widerstand bricht?

faz.net/deutsche-aussenpolitik-bric-ohne-26-8-2011

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  • Von Auch ein Papst tut dieser Tage im Marxismus am 2. Januar 2014 um 23:11 Uhr veröffentlicht

    […] ein Papst tut dieser Tage im Marxismus Was auch immer die Philosophie dieses Regimes ist, sie ist weder marxistisch noch leninistisch. Mag sein, dass sie einem sog. […]

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