Im falschen Kosmos

Im falschen Kosmos
Was will uns die Geschichte wirklich sagen? Fionn bringt das auf den Punkt: Wozu sind Männer schließlich da? Doch zeigt sich hier nur die passive Seite in der Reflexion. Mir kam dieser Tage ein ganz andere Idee. Nämlich als ich das Interview in der ZEIT las, das mit der Charlotte Roche, zu ihrem neuem Buch – Schoßgebete. Und natürlich auch Zizek bringt mich immer wieder auf die richtigen Bahnen, die parallaktischen.

Ich (re)konstruiere mal: Frau lebt eigentlich in einem falschen Universum. Jedenfalls nicht in dem ihrigen. Ja, die Rede ist vom Patriarchat. Aber ich will das jetzt rein intersubjektiv andiskutieren, nicht wirklich theoretisch. Wenn dieses Universum ein für sie falsches ist, dann erklärt das eben nicht nur die vielen merkwürdigen Dinge, die ihr da dauernd passieren. Angeblich soll es ihr gar am richtigen Verhältnis zum Raum mangeln (das zur „Zeit“ will ich erst gar nicht ansprechen), was man täglich beim Einparken beobachten kann. „Hans guck in die Luft“ sollte eigentlich „Emma guck in Luft“ heißen. Nun ja, das Märchen soll Hänschen schließlich erziehen, nicht Kleinemma.

Nein, es erklärt vor allem ihr Verständnis von Mann. Also das, was man(n) als Verständnislosigkeit daherkommt. Nur was macht eine Person im falschen Universum? Wie kann sie sich orientieren, wo all diese Dinge und vor allem Nichtdinge (am Bezug zu den „Dingen“ soll es ihr nicht mangeln) – Werte nämlich – umherschwirren? „Handwerkliche“ Werte zum Beispiel, oder einfach der Wert an-sich (und dann wären wir dann doch im kapitalistischen Kosmos gelandet).

In Liebesdingen provoziert sie gerne. Nur so erfährt man, pardon: Frau, wie kongruent die männlichen Werte mit dessen Behauptung von Liebe daherkommen. Nur Letztere kommt ihr irgendwie bekannt vor, wenn auch nicht vertraut. Nicht hier, in diesem falschen Kosmos. Eine wirklich intelligente Frau – eine wahrhaft liebende, ergo: Liebe suchende, ist daher immer auch eine große Provokateurin. Frau Roche hat da gewisse Vorschläge zu entwickelt. Da geht die Gute mit dem Besten lieber ins Puff als in abstrakt ständig auf die Probe zu stellen. Es gibt wohl keine bessere Örtlichkeit, um diesem Kosmos mal ganz intim auf die Pelle zu rücken. Im sprichwörtlichen Sinne.

Wehe dem (Mann), der das missversteht. Gar seine Werte in Frage gestellt sieht, oder diese selber verrät. Oder Liebe heuchelt. Bzw. ganz andere (Vor-)Lieben offenbart. Distinktion war nie wichtiger! Am Ende verdient er all die Verachtung, die Frau für den Mann dann noch übrig hat. Wenn sie nämlich glaubt, ihn durchschaut, seinen Kosmos entmystifiziert, zu haben. So was wie Orientierung also gefunden hat. Entlang der schmalen Lücke zwischen Wahrheit und (männlicher) Deutung. Nicht dass er sie im Stich gelassen hat, wirft sie ihm nun vor. Nicht dass er sie belogen hat. Nein, dass seine Werte so hohl sind wie seine Liebe schal ist.

Doch in Ihrem Beispiel scheint Mann den Härtetest bestanden zu haben. Fionn bezeugt es. Denn wofür ist Mann denn schließlich da?
Und was ist die Moral von der Geschicht: Betreibe niemals (nicht) die Liebe der Liebe wegen! (frei nach Zizek)

faz.net/blogs/formfrei/archive/2011/08/20/man-nehme-ein-iphone-eine-fliegenklatsche-einen-drahtkleiderbuegel

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Ein Trackback

  • Von „Intellektuelle“ also platonische „Ehe“ am 11. Januar 2012 um 16:53 Uhr veröffentlicht

    […] zu reden. Doch sollte man sich wohl hüten solchermaßen dann das Thema auch zu verfehlen. Wie bei Charlotte Roches Romanfortsetzungen. Die Krise der Ehe ist längst eine Krise der „Liebe“ und darin längst […]

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