Reines Ritual

Dass dieser Beitrag in der FAZ eine so gute Bewertung erhielt – von den Lesern (wenn auch offensichtlich leicht umstritten) -, kann eigentlich nur eines bedeuten: nämlich dass auch die Konservativen über einen gewissen Humor verfügen (oder ihn nicht verstanden haben, was ich eigentlich nicht hoffe).

Reines Ritual
Die Distanzlosigkeit erfordert eine gewisse Kategorie von Echtzeitmedien. Dort riskiert man, ob der Angst vorm Selbstmord, den (Selbst-)Mord am Ganzen. Den man allerdings zugleich in ein metaphysisches Jenseits verlagert. Nur ist das selbst noch zu flach gegriffen. Wo liegt das „berechtigte“ Kalkül? Definitiv geht es nicht um die zeitgleiche oder auch zeitverzögerte Information. Um die – genau genommen – überhaupt nicht. Eine solche Information stellte das System in Frage, das ganze Marktgeschehen, die Absurdität des Börsenspektakels, wie das des Mediums selbst. In dem Maße, wie diese das Ganze entmaskierte, käme die Maskerade des Mediums zum Vorschein. Auf solchen Börsen werden keine Werte mehr gehandelt, und in solchen Medien keine Informationen mehr. Nur die Fiktion von all dem. Jeder Börsenkrach, jeder neuer Medientag, führt uns das vor Augen. Der einzige Wert, der da durchleuchtet, scheint der der Illusion zu sein. Aktienbesitz ist die einzig sinnvolle Reaktion auf das scheinbar doch von jedem Einfluss unabhängig gewordene Auf und Ab auf diesem Parkett. Die beständige Sicherung gegen Verarmung. Und eine solche „Information“ annehmen, sei die einzige Garantie gegen Verblödung. Eine solche Botschaft ist purer Glaube, reines Ritual.

faz.net/boersenmeldungen-die-welt-geht-unter-wir-gehen-mit-10-08-2011

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