Die Fantasie ist es, die wir schön finden

Die Fantasie ist es, die wir schön finden
Nun ja, jeder von uns ist auf Schönheit aus. Schöne Partner, schöne Kinder, das schöne Auto nicht vergessen…Dennoch begegne ich einem wirklich schönen Objekt, gar in der Rolle des Subjekts, also einer außergewöhnlich schönen Frau – ich rede aus der Perspektive des Mannes -, dann schaue ich hin, bin für einen Moment interessiert, leicht verwirrt womöglich, dann gehe ich meine Wege. Die Frage, die ich mir natürlich stelle, lautet: ist das nun Frust oder bewusst? Natürlich bin ich mir bewusst, dass außergewöhnliche Schönheit eher selten vorkommt und man sich daher nicht all zu lange mit ihr aufhalten sollte. Und möglicherweise liegt da auch ein ideologisches Moment bei, welches sich auch als Frust zeigen könnte. Neid, Missgunst, das eigene Ohnmachtsgefühl – ob solcher Schönheit. Wissend, dass diese Dame unerreichbar bleibt!

Aber ist es denn so? Bleibt sie das? In weniger markanten Fällen ist mir ja auch schon das scheinbar Unmögliche gelungen! Dennoch: Ich neige zu einer anderen Version. Vielleicht ist es weniger das statische Moment, das symmetrisch daherkommende bewegungslose Äußere, sondern die Bewegung, die in diesem Moment jede Symmetrie wieder zerstört – zwangsläufig -, was unser Interesse, auch das ästhetische ködert.

In der Bewegung liegt die ganze Schönheit, das harmonische Ganze. Ich habe wahrlich schöne Frauen gesehen, die nur einmal den Mundwinkel bewegten und ich habe mich entsetzt abgewendet. Ob des offensichtlich Hässlichen, was mir da für eine Sekunde erschien. Der Gegensatz zwischen äußerer und innerer Schönheit, zwischen dem Bild und der Wirklichkeit, zwischen Stillstand und Bewegung erzeugt nur im Bewusstsein eine symmetrische Vorstellung. Vielleicht eine falsche Vorstellung. Denn die Wirklichkeit, d.h. die Bewegung in dieser Wirklichkeit, kann nicht symmetrisch abgebildet werden. Nur in unserem Kopf lösen wir diesen Widerspruch auf, indem wir für einen Moment unsere Fantasie spielen lassen. Und diese Fantasie ist es, die wir da eigentlich anschauen, schön finden! Ohne dieses Kunstprodukt, jener (zwangsläufig) falschen Abbildung der Wirklichkeit in uns, gäbe es wohl keine Schönheit.

faz.net/blogs/planckton/archive/2011/08/04/psychologie-die-achse-der-schoenen

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