Wenn Journalisten sich für Schicksalsgötter halten

Wenn Journalisten sich für Schicksalsgötter halten
Die Murdoch-Affäre zeigt auf ein „System“, das nicht nur auf England beschränkt ist. Die all zu große Nähe der Medien zur „politischen Kaste“ wäre auch hier zu beklagen. Da werden in Lobbys handverlesenen Journalisten Nachrichten zugespielt. Dass der Preis für solche Privilegien kein anderer sein kann, als die Medienlandschaft zu schleifen, liegt doch auf der Hand. Natürlich mag es dann so aussehen, als wäre dadurch nur die Medienlandschaft geschädigt. Doch der Bumerang kommt zurück. Eben genau diese Journalisten erhalten so mehr Macht als ihnen zusteht. Sie werden Teil der politischen Kaste, ja der herrschenden Klasse. Ein höchst gefährlicher Teil. Ich verwette meinen Kopf darauf, dass nicht wenige der sog. Enthüllungen, die dann den einen oder anderen Politiker stürzen lassen, eben aus solch intimen Kreisen kommen. Nicht dass ich es beklagen würde, wenn solchermaßen enthüllte Politiker ihren Hut nehmen, doch der Grund will mir nicht gefallen. Politiker werden erpressbar. Und gewisse Journalisten halten sich dann für Schicksalsgötter. Hinzu kommt, dass sie so Teil eines korrupten Geschäftes werden. Nicht über ihre Verfehlungen stürzen dann diese Politiker, sondern ob der Ungnade, in die sie da gefallen sind. Nur vor welchem Herrn?

Auf verseuchten Wassern
@Bujtur: Für das Zählen der Leichen ist es noch zu früh. Wie auch für die Behauptung, dass der „Augiasstall“ ausgekehrt sei. Ich bezweifle, ob die „Demokratie“, die „offizielle“, über genügend „Selbstreinigungskräfte“ verfügt. Wurden diese doch längst „outgesourct“, wie es denglisch so schön heißt. Die Kritik an der bürgerlichen Demokratie sieht sich nicht als Teil der Selbstreinigung dieser Demokratie, sondern dann wohl eher als eine um i h r e r Selbst willen, der Erhaltung der Kritik willen. Denn von ihr besehen ist die Demokratie der Diktatur schon verdammt nahe. Und nämlich auch das will mir die Murdoch-Affäre zeigen: so wie der Bourgeoisie der „Stil fehlt“ („Der Bourgeoisie fehlt der ganz große Stil“) ist ihr die Demokratie nur noch Stil-ersatz. Und in dem Maße wie ihr das gelingen will (in dem Maße, wie man ihr auf den Leim geht), zwingt man der Kritik, gerade der revolutionär inspirierten, die Verteidigung derselbigen auf. Das ist das eigentliche Drama. Und das wird dann noch als Erfolg eben jener ominösen Selbstreinigungskräfte gefeiert. Von dieser Bourgeoisie, resp. ihrem medialen Anhang. Eine feine Gesellschaft, die sich da feiern lässt. Schwimmt sie doch dabei in ihren Luxusjachten auf fremden Wassern, in längst von ihr verseuchten.

faz.net/murdoch-abhoeraffaere-der-freundeskreis-von-chipping-norton-20-07-2011

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