Ausbeutung auf „hohem Niveau“

Ausbeutung auf „hohem Niveau“
Schon ein Facharbeiter in der Autoindustrie verdient in aller Regel mehr als 40000 €. Worauf zielen diese Maßnahmen in Wirklichkeit also ab? Auf Gehaltsdumping! Der Abschaffung des Dipl. Ing. folgt konsequent die Senkung der Gehälter. Zumal es billiger ist, die Hochqualifizierten zu importieren als sie hier entsprechend unserem (noch relativ hohem) Lohn- und Preisniveau auszubilden. – Soviel auch soweit zum Thema Bildungsoffensive. Und in der Tat: So werden die Löhne innerhalb Europas bald auf das chinesische oder indische Niveau „angeglichen“. Nur die Preise werden das nicht! Die richten sich nämlich nach dem globalisierten Weltmarkt. Und dort herrscht das Monopol. Die sog. „Schwellenländer“ führen uns vor, wie das dann aussieht. Preise für die lebenswichtigen Industriewaren wie in Westeuropa, Löhne aber wie bei uns nach dem Krieg. Das Kapital beutet die Arbeiterklasse gewissermaßen auf „hohem Niveau“ aus. Auf dem Niveau von Maximalprofiten. Diese werden nämlich aus genau jener Differenz zwischen hohen Weltmarktpreisen/Monopolpreisen und den möglichst niedrigen „nationalen“/lokalen Löhnen gewonnen.

Es rettet auch Sie kein Ingenieur aus Indien, Teil 1
@Petersen: Ob die Löhne in der Autoindustrie einzigartig sind oder nicht, bzw. ob die Ausbeutung der Zulieferer Tatsache ist oder nicht, tut nichts zur Sache. Denn das ist, wenn so ist, eben nicht nur in der Autoindustrie so, wo übrigens nicht wenige Ingenieure angestellt sind. Und es mag ein bestechendes Argument für den sog. kapitalistischen Mittelstand sein, dass dort „andere Mitarbeiter auch noch ein ordentliches Gehalt haben wollen“, doch aus der Perspektive des Klassenkampfes ist das irrelevant. Es geht dort nicht um Einzelne, sondern um die Masen, um die organisierten Masen. Nur auf dieser Ebene herrschen die Evidenzen einer Klassengesellschaft. Und auch das transnationale Kapital ist eine solch organisierte Masse, wenn auch keine solidarisch ausgerichtete, wie die Arbeit, dennoch eine machtvolle. Auf den entsprechenden Dienststellen des Arbeitsamtes, resp. der Ausländerbehörde werden eben diesem bevorzugt die besten Arbeitnehmer „überlassen“, nur dürfen die bisher nicht weniger als 66000 € für ihre hochqualifizierte Tätigkeit erhalten. Natürlich wünscht sich das gesamte Kapital seine Arbeitnehmer zu den wohlfeilsten Bedingungen. Für den Mittelstand, der eh mit dem Rücken zur Wand steht, ist das sogar existenziell.

Es rettet auch Sie kein Ingenieur aus Indien, Teil 2
@Petersen: Nur das Transnationale Kapital hat die Kapitalausstattung, die es ihm möglich macht, trotz hoher Kapitalkosten und einer vergleichsweisen niedrigen Mehrwertrate Maximalprofite zu erzielen. Und es bestimmt auch die Lohnstandards. Dank dessen Macht quasi auf den internationalen Märkten wie gegenüber den nationalen Staatsapparaten. Und so mag der Mittelstand die Ingenieure ausbilden, ausbeuten aber dann, tut das Großkapital. (Auch das ist eine Form der Transferleistung an das Großkapital) Und das eben ist Kapitalismus. Die Arbeiter können dagegen nur ihre Macht der Solidarität setzen, ihre eigene Masse. Nicht den Lohnverzicht. Bei Strafe des eigenen Untergangs. Machen Sie sich nichts vor, meine Herren (und Damen) Unternehmer: Das Großkapital wird die Sahne schneller ab geschlürft haben, als sie einmal den (kleinen) Mund aufgemacht haben. Auch Sie rettet „kein höheres Wesen, kein Gott, kein Kaiser und kein Tribun“, und – auch kein Ingenieur aus Indien. Und auch nicht der Arbeiter, der auf Lohn verzichtet, denn auch diesen Vorteil kassiert spätestens in der nächsten Runde wieder das Großkapital.

faz.net/Nicht-EU-Staaten: Freie Fahrt für Ingenieure und Ärzte, 21.06.2011

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