Wenn die Wahrheit keine anerkannter Kategorie mehr ist

Wenn die Wahrheit keine anerkannter Kategorie mehr ist
Das wirklich komische daran ist, dass das doch jeder weiß. Und was wäre denn gewesen, wenn Brüderle das nicht gesagt, oder niemand darüber geredet hätte, wäre es dann weniger wahr? Selbst die Anhänger der Pro-Atom-Parteien reden offen darüber. Das ist doch der Skandal an der postmodernen Postpolitik: Dass die „Wahrheit“ keine anerkannte Kategorie mehr ist, sondern nur noch der Kontext ihrer vielleicht Darstellung – oder auch nicht. Wo die Erhaltung des Systems zum Selbstzweck geworden ist, da sind Lüge wie Selbstbetrug „alternativlos“. Es ist dies eine Art institutioneller Selbstbetrug – der Fatalismus der modernen Zeit. Man kann nur auf eingefahrenen Wegen weiter machen, denn hinter und neben uns ist längst alles Wüste. Also verwüsten wir auch die Zukunft. (Im Falle der Atompolitik ist das definitiv kein Metapher mehr, denn die Atompolitik i s t der Metapher!) Der Grund für diesen Rücktritt liegt somit nicht in der Notwendigkeit der Vertuschung, sondern in der Aufrechterhaltung des Scheins der Notwendigkeit einer solchen. Perfektes Theater ist gleich der Verbannung jedweder Realität von ihrer Bühne und zugleich das Hereinholen der Realität als Theater. Wo die Realität nur noch Kulisse ist, ist das Theater die einzig mögliche Realität.

faz.net/Industrieverband BDI: Schnappauf gibt wegen Brüderle-Zitaten auf, 25.03.2011

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2 Trackbacks

  • Von Für Freiheit und Demokratie am 25. März 2011 um 19:27 Uhr veröffentlicht

    […] um das Augenmerk auf die eigentlich nicht minder „tödliche Gefahr“ zu lenken, den Fatalismus. „Wenn die Wahrheit keine anerkannte Kategorie mehr ist“ ist bei den Leserkommentaren der FAZ zur Minute noch nicht freigeschaltet. Die FAZ tut sich in […]

  • […] „gemeinsame Sprache“ finden zu wollen, ausgerechnet mit der Klasse, die mit Hilfe eben dieser Atompolitik die Welt zu beherrschen sucht, ist so unglaublich romantisch wie eben auch so fern jeder […]

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