Halb aufgeklärt und voll der patriarchalen Semantik

Zwei Versuche musste ich starten, damit dieser Beitrag gesendet wird. Und dann bringen sie gleich beide Versuche, was das Publikum nerven muss. Ob das Absicht ist?

Halb aufgeklärt und voll der patriarchalen Semantik, 1. Teil
Ist es wirklich unsolidarisch zu sagen, dass der Sozialstaat institutionalisierte Verschwendung ist?“ So schleichen sie sich alle ans Thema, die Rebellen der Bourgeoisie. Mit „harmlosen“ Fragen. Doch harmlos wirken sie nur bei denen, die unwissend sind bzgl. der Mechanismen der Macht in einer Klassengesellschaft. Demagogisch antizipieren sie das im Kern unpolitische Bewusstsein konservativer/kleinbürgerlicher Massen. Denen nämlich ihr Mittelstandsbewusstsein niemals zu Bewusstsein kommt. Doch da ist er schon, der verräterische Pferdefuss: „An Anwälte, die für HartzIV-Empfänger klagen – es kostet die ja nichts!“ Das ist schon ärgerlich. Es kostet d i e nichts! Doch wie anders sollte der gemeine Mann erfahren, dass an den Sozialgesetzen seit Hartz nahezu alles faul ist? Und wie kann es kommen, dass die Willkür in den Arbeitsagenturen seit dem die Regel ist? So dass nahezu jede 2. Klage vor dem Sozialgericht zugunsten der Betroffenen ausgeht (vgl. mein: „Das Recht auf Willkür“). Wer ist also zudem noch verantwortlich für diese „Verschwendung“?

Halb aufgeklärt und voll der patriarchalen Semantik, 2.Teil
Dann wechselt man lieber das Thema: „Worüber sollen wir in der politischen Sphäre sonst reden, wenn nicht a u c h (Hervorhebung von mir H.B.) über Zahlen, …?“ Wie ist das „auch“ zu verstehen? Als Adv. oder als Interrogativpronomen? Ein Herr Sarrazin benutzt nämlich seine „Daten“ so ähnlich wie Frau Stephan hier ihre Sprache: Falsifizierung wie saubere Begründung werden da obsolet, wo man auf diffuse Gefühle wie anekdotische „Wahrheiten“ zielt. Und so beschließen wir das Ganze eben auch mit einer Anekdote, zumal einer „kastrierten“: „Mittlerweile hat sie selbst ein Netzwerk: die mächtigsten Frauen Deutschlands. Friede Springer, Liz Mohn, Patricia Riekel.“ Die wichtigste hat sie uns nämlich hier vorenthalten: Alice Schwarzer! Kann es sein, dass Frau Stephan mit dieser Rochade gegen Frau Merkel die eigentliche Spur zu den Quellen deren Macht zu verwischen sucht? Genau so (halb) aufgeklärt und voll der patriarchalen Semantik, kommt nämlich auch eine Frau Schwarzer (vgl. mein: „Hier will keiner aus der Mitte hervor treten“) daher.

faz.net/Neues Buch über Angela Merkel: Sie erinnert mich an Erich Honecker

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2 Trackbacks

  • Von Das ganze Europa wurstelt sich hin zur chinesischen Alternative am 2. Januar 2012 um 13:28 Uhr veröffentlicht

    […] Pseudoaufklärerischer Chauvinismus Als die Quintessenz dieses nicht mehr als anekdotenhaften Schlagabtausches zeigt sich ein eurozentrisches Bewusstsein – bei allen dreien. In Bezug auf Zizek ist es offenbar das verfluchte Erbe des Titoismus, welches er mit sich rumschleppt. Im Westen auch als „eurokommunistische“ Version hiervon im Umlauf. Trotz oder gerade wegen dessen bürgerlichen Verfasstheiten, soll dieses Europa, und dies im bewussten Gegensatz zum außereuropäischen „stalinistischen“ Kommunismus, die Welt mit der „Aufklärung“ beglückt halten. Ein Projekt, das sich gerade im Moment mal wieder völlig blamiert. Das „alte Europa“, soweit es ein kapitalistisches ist und bleibt, hat hingegen jede fortschrittliche Potenz verloren. „Marxisten“, die das nicht erkennen, treiben im schlimmsten Falle im Kielwasser pseudoaufklärerischer Chauvinisten – vom Schlage eines Sarrazin (oder einer bürgerlichen Feministin, wie Alice Schwarzer). […]

  • Von Hermaphroditisch – nicht bi-polar am 10. Januar 2012 um 18:11 Uhr veröffentlicht

    […] sich mit der CDU einer Frau Merkel um ihre Heimat betrogen. Die Feministinnen (nicht nur einer Frau Schwarzer) um die weibliche Besetzung des Familienministeriums (der Bürgerlichkeit scheinen sie nicht zu […]

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