Mit einem Körnchen Salz

Mit einem Körnchen Salz
Ich befürchte, dass ich Ihnen diesmal auf der ganzen Linie widersprechen muss. Hier mein: Gegenstandpunkt.

Und vor allem will ich nicht verstehen, wie Sie hier den guten Darwin so „missverstehen“ können. Auch Marx und Engels, die Darwins Evolutionstheorie stürmisch begrüßten, setzten sich mit ihm kritisch auseinander, spürten sie doch sofort, wie hier der Pferdefuß, der ganzen bürgerlichen politischen Ökonomie von Locke, über Hobbes zu Adam Smith, durch diesen „Existenzkampf“ der Arten lugte.

So schreibt Engels in einen Brief an Lawrow: „Ich akzeptiere von der Darwinschen Lehre die Entwicklungstheorie, nehme aber Darwins Beweismethode (struggle for life, natural selection) nur als ersten, provisorischen, unvollkommenen Ausdruck einer neuentdeckten Theorie an…Wenn daher ein Naturforscher sich erlaubt, den ganzen mannigfaltigen Reichtum der geschichtlichen Entwicklung unter der einseitigen und magern Phrase „Kampf ums Dasein“ zu subsumieren, einer Phrase, die selbst auf dem Gebiet der Natur nur cum grano salis (mit einem Körnchen Salz – heute übersetzt vielleicht: mit einem Körnchen Dioxin?, H.B.) akzeptiert werden kann, so verurteilt sich dies Verfahren schon selbst.“ (Marx-Engels, Briefe über „Das Kapital“, Sonderband, Dietzverlag, S. 226)

Aus der Hölle des Konkurrenzkampfes heraus kann man sich eben nur erhoffen, dass der „Fitteste“ überlebt. – Auch so eine Art von Selbstbetrug, denn dass das auch genau so gut der Gemeinste wie Hinterhältigste sein kann, und der damit die Hölle zur geschlossenen Anstalt macht (gibt es da nicht so eine Sartre-Geschichte bzgl. einer solchen Hölle?), das hat das Kapital nun zum wiederholten Male als Möglichkeit nachgeliefert.

Doch um deutlich zu machen, dass man Darwin eben nicht den Hunden und Schweinen der Bourgeoisie überlassen darf, ihnen also die „Entwicklungstheorie“ nicht schenken soll, möchte ich hier notieren, was ich in meinem Blog als (Leitmotiv) schon stehen habe:

Die bitterste aller Satiren …
Ist es nicht ein wenig unfair, um nicht zu sagen billig, der Natur das konkrete Versagen einer konkreten Gesellschaftsordnung anlasten zu wollen? Und als hätte Engels genau dies schon geahnt, als er Darwins „bittere Satire” anmahnte. Denn damals noch war die Bourgeoisie kess genug, ihre Gesellschaftsordnung als die „natürliche” anzupreisen, all zu oft unter Bezug auf Darwin. Heute hingegen scheint sie oberschlau die Natur als die wahre Gesellschaftsordnung denunzieren zu wollen. Und das ist mir doch die bitterste aller Satiren
.“

faz.net/blogs/stuetzen/archive/2011/01/08/dioxin-das-salz-des-darwinismus

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3 Trackbacks

  • Von Die Dinge zu sagen, ohne was gesagt zu haben am 17. Januar 2011 um 14:48 Uhr veröffentlicht

    […] den Übrigen mit Sicherheit nicht anders mit meinen Beiträgen, und auch Ihre unterschreibe ich http://blog.herold-binsack.eu/?p=1321, doch den Stil, den Sie geformt haben, den unterschreibe […]

  • Von Erworbene Göttlichkeit am 25. Januar 2011 um 11:47 Uhr veröffentlicht

    […] Zeus als Schöpfer dafür nicht in Frage kommt (und auch Darwin dürfte nicht begriffen haben, welches gesellschaftliches Überlebensprinzip er da eigentlich abgekupfert hat), sondern „in der raumzeitlichen Sphäre zwischenmenschlichen Verkehrs“ enthalten ist, jener […]

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