List, nicht Frechheit!

List, nicht Frechheit!
Solange sie die Etikette der Macht nicht ignorieren, sprich: nicht hysterisch zur gewaltsamen Revolution aufrufen, dürfen sie leise „empört euch!“ rufen. Das ist das äußerste, was man scharfsinnigen Kritikern zubilligen möchte. Doch das „möchten Sie auch zur Mülltonne“ hat – merkwürdig oder nicht – assoziativ den Diogenes in mir aufgerufen. Nur das „geh mir aus der Sonne!“ zu einem Alexander, das würde ich jetzt vermisst haben. Nun ja, es war ja nur ein unschuldiger Journalist, der da was von ihm wollte. Doch wie unschuldig wirklich ist so ein Journalist? Wo dieser ihn so leicht zu bespötteln vermag („Selbst zu solchen Alltagsverrichtungen trägt Stéphane Hessel weißes Hemd und Krawatte“), solchermaßen die listige Frage nach der „Mülltonne“ parierend). Wenn da die „Tonne“ gemeint war, dann würde diese Krawatte ihn in der Rolle des Diogenes blamiert haben. Eine nicht unwichtige Kleinigkeit. Doch Menschen wie Hessel sind nun mal auch Diplomaten. Denn makedonische Fürsten waren sie wohl nicht, die Nazibarbaren, auch wenn sie es gerne gewesen wären – und denen entkommen zu sein, ist die modernste aller Heldentaten. List, nicht Frechheit verhilft zum Sieg – wenn überhaupt. Das wissen wir seit Odysseus – und seit Reich-Ranicki. Auch dieser war vor allem listenreich.

faz.net/Stéphane Hessel: Frankreichs Rebell der Stunde, 20.01.2011

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