Die Notwendigkeit der Solidarität der Klasse im Angesicht der politischen Krise

Die Notwendigkeit der Solidarität der Klasse im Angesicht der politischen Krise
Solidarität ist nicht von ungefähr ein hoher Begriff. Und er hat wenig zu tun mit einer interessengeleiteten Ausnutzung eigener Stärken. Der Schulterschluss mit der von der Krise gebeutelten Arbeiterklasse hätte dieser kleinen privilegierten Gewerkschaft gut zu Gesicht gestanden. Und es zeigt sich, dass der Klassenkampf nicht zur Verteidigung eigener Privilegien missbraucht werden darf. Zudem sind solche Bummelstreiks wenig heldenhaft, zumal sie auch aus taktischer Sicht immer dann ein Fehler sind, wenn sie nicht von einer klassenkämpferischen Gewerkschaftsbewegung getragen werden. Da es aber ganz offensichtlich daran mangelt, führte eine somit provozierte Ausrufung des Notstandes zu einer Niederlage für die ganze Klasse. Eine unverdiente, aus der Sicht der Klasse, denn die Bourgeoisie konnte nur an einem isolierten Gegner Stärke demonstrieren. Sollte sie das aber gegen einen Generalstreik versuchen, die herrschende Klasse Spaniens, provozierte sie den Bürgerkrieg. Und das geht schnell, in Zeiten der politischen Krise, einer jenen, der Spanien gerade ins Auge schaut.

Die Ausbildung ist einem Studium gleich zu setzten
@Oppenländer: Dass man in Deutschland Fluglotse werden kann, ohne Studium, ist ja wohl ein Gerücht. Nach meinen Informationen sind Fluglotsen Beamte des Gehobenen Dienstes (A 13). Und um als ein solcher beschäftigt zu sein, muss man die Beamtenlaufbahn des Gehobenen Dienstes absolviert haben, und diese ist einem Studium an einer Fachhochschule gleich zu setzen. Das zum einen. Auch in Deutschland kämpfen die Fluglotsen seit Jahren um Gleichstellung mit den erheblich besser bezahlten Flugkapitänen, obwohl ein Fluglotse nicht nur eine dem Kapitän ähnliche Ausbildung absolvieren muss – er muss in der Lage sein, ein Flugzeug quasi fernzusteuern -, sondern im Normalfall schon eine mindestens so hohe Belastung und Verantwortung zu tragen hat. Und genau diese Belastung ist es auch, an der viele Fluglotsen dann auch scheitern (auch vor dem Hintergrund der nicht adäquaten beruflichen Anerkennung). Der Dauerstress treibt die einen in körperliche, die anderen in seelische Krankheiten. Alkoholismus unter Fluglotsen ist nicht selten anzutreffen. Der Kampf in Spanien gegen die Privatisierung und damit gegen eine erhebliche Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, eben auch und gerade, für die Fluglotsen ist daher gerecht. Nur, wie gesagt: nicht nur für die Fluglotsen.

Welchen Charakter wohl unsere Notstandsgesetze haben?
Es zeigt sich nun, was es bedeutet, eine Demokratie von Francos Gnaden sein zu dürfen. Über Spanien und im gewissen Sinne auch über Griechenland ist uns der Faschismus erhalten geblieben. Es gibt auch faschistische Wiederbelebungsversuche in Italien. Während aber in Italien der Faschismus durch CIA, Vatikan und Geheimdienste künstlich am Leben gehalten wird, und sich nun neu als „Volksbewegung“ zu bewähren sucht – z.B. durch eine geradezu skandalös offene Hetze gegen die Armutsmigranten -, haben in Spanien die faschistischen Kräfte eben nur Kreide gefressen. Und in Griechenland hat sich nach der Militärdiktatur ein geradezu luxuriöses Militärpotential am Leben gehalten, welches danach giert, gegen die antifaschistische, antimilitaristische, antikapitalistische Jugend eingesetzt zu werden. Portugal könnte uns wieder etwas Hoffnung machen, wenn es nicht so furchtbar katholisch und zum Teil immer noch halbfeudal wäre, denn ist dort das faschistische Regime wenigstens mit Waffengewalt weggefegt worden, wenn auch nur durch sog. fortschrittliche Militärs. Was aber Spuren im Volk hinterlassen haben sollte. Und es wird Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, welchen Charakter wohl unsere Notstandsgesetze haben, angesichts sich verschärfender Klassenkämpfe.

faz.net/Spanien: Ein Land als Geisel, 05.12.2010

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