„Beichte eines Mörders, erzählt in einer Nacht“

„Beichte eines Mörders, erzählt in einer Nacht“
Die besondere Tragik will mir doch in der Wirkung jenes „Orthodoxen Geistlichen“ begründet liegen. So war es die unheimliche Allianz aus russischen Geheimdiensten – der Ochrana (Joseph Roth/Beichte eines Mörders, erzählt in einer Nacht) und orthodoxer Kirche, die nicht nur schon für die unbeschreibliche Rückständigkeit des Zarenreiches verantwortlich war, sondern auch für den Rassismus und Antisemitismus der da kreiert worden war. Auch in den 12 Jahren der so benannten „Stolypinschen Reaktion“ (so beschrieben nur in „Geschichte der KPDSU(B)“ – Kurzer Lehrgang, S. 116 ff., die Bourgeoisie redet durchweg nur von der „Stolypinschen Reform“ und unterschlägt die 12 Jahre – 1905 – 1917 – brutale Unterdrückung, die im Übrigen dem Hungermarsch braver Gläubiger zum Winterpalais des Zaren unmittelbar gefolgt war, da der Zar und seine Schergen darin den Widerstand witterten, statt das Werk der niederen Geistlichkeit, die mit diesem zarentreuen Hungermarsch einem Aufstand zuvor kommen wollte), die in die Februar – wie auch dann Oktoberrevolution mündeten, waren diesbezüglich ausgefüllt mit einer Grausamkeit, an die die gegenwärtige Politik in Russland wohl anzudocken scheint. Erst aus dieser Perspektive wird nicht nur klar, an welchen Aufgaben auch und gerade die bolschewistische Revolution letztlich gescheitert ist, sondern woran sich jederzeit eine neue Revolution entzünden könnte: die schier unglaubliche Grausamkeit – hinter allen „Fronten“!

Die Sehnsucht wird zum Schicksal
@Wenisch: So sicher es wohl sein wird, dass die Geschehnisse dort sich unserer Wahrnehmung nur durch die Brille der Geheimdienste/der von Geheimdiensten manipulierten Medien offenbaren, so sicher kann man auch sein, dass die Perspektive auf diese Geschehnisse immer die der Macht/der Mächtigen ist. So oder so soll es erscheinen. Doch die Grausamkeit in der herrschenden Politik wird möglich erst durch die schier grenzenlose Gutmütigkeit/unselige Naivität eines wirklich großen Volkes. Daher ist es nicht selten so, wie es scheinen soll. Und da diese so ist, jene Aporie aus Grausamkeit – Gutmütigkeit, wird es in einer russischen Politik wohl immer so zugehen wie gehabt. Veränderungen – revolutionäre im Besonderen – werden nur von Kräften gemeistert, die den (bis dato) Mächtigen im Willen zur Macht wie auch in der Bereitschaft zur Grausamkeit in nichts nachstehen. Die Bolschewiki lassen grüßen! Sie werden dem Volk so fremd bleiben, wie von diesem wiederum genährt sein. Und doch, weil das die große wunde Seele des Volkes permanent beleidigt, können solche Veränderungen niemals von Bestand sein. Die Sehnsucht wird zum Schicksal.

faz.net/Festnahmen und Krawalle: Die Front im Zentrum von Moskau, 16.12.2010

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Ein Trackback

  • Von Agent-Provokateur am 10. März 2011 um 18:38 Uhr veröffentlicht

    […] niedergemetzelten „Aufstand“ 1905, welcher eigentlich ja nur eine von einem Popen angezettelte pro-zaristische Bettelprozession war, folgten 12 verbrecherische Jahre, die schließlich in die sozialistische Revolution mündeten. […]

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