Lächerliche Schutzbehauptung der Begünstigten

Lächerliche Schutzbehauptung der Begünstigten
Wie will man ein Projekt von einer halben Milliarde am Stuttgarter Bahnhof durchziehen ohne den Bahnhof entsprechend umzubauen? Und damit wäre schon auch meine Frage, die ich erst vor kurzem gestellt habe, und solchermaßen schneller als erwartet, zur Hälfte beantwortet: (Leserkommentar 28.08.2010 „Wer sollen die Gewinner/Verlierer sein“).
Das erklärt die Hartleibigkeit der Stuttgarter Regierung. 500 Millionen! Ich möchte nicht wissen, wie viel Partei-, oder an-sonst-Wenspenden da geflossen sind.
Da kann man sogar mal den Verlust der Regierung für riskieren.

Diallaktes Geissler
@HarryLeRoy: Eines Solons Wirken erfordert schon einen scharfen Klassenkampf. Zwischen einem alten, sich noch auf die überlieferte Gentilverfassung berufenden, Adel, welcher das ursprünglich mal gemeinsam besessene Grundeigentum aus einer matrilinearen Erbengemeinschaft, „privatisierte“ (wenn auch noch in Familienclans organisiert) und dem aufsteigenden klassisch-griechischen Bürger, dessen Macht nicht an Herkunft, sondern am Privatbesitz gemessen werden wollte, zum Beispiel. Solon erkannte die Gefahren eines Bürgerkrieges, zwischen diesen Klassen, welcher vor allem aber das Volk in Bewegung gesetzt hätte. Also sorgte er dafür, dass das Volk befriedet, der Adel befriedigt, und die aufsteigende Bourgeoisie an der Macht beteiligt wurde, entsprechend deren Besitz. Ich stell mir gerade vor, wie das am Beispiel Stuttgart 21 passieren soll, und komme zu dem Ergebnis, dass eine Tyrannis wohl auch wahrscheinlich wäre. Da aber der Klassenkampf dort nicht scharf genug ist, nehme ich an, dass der „Pöbel“/der Plebs bald geschlagen sein wird, dank des Wirkens auch dieses kleinen Solons, jenes „Diallaktes“ Geissler.

Dichtung und Wahrheit
@LeRoy: Genau genommen waren es die Reformen des Kleisthenes (508/507 v.Chr.), die erst deutlich machten, wie „das Volk“ schon in Klassen geteilt war. Sie ersetzte die alte gentizilischen Ordnung, welche diese Klassengesellschaft zu ignorieren suchte, durch eine neue, in der „das Volk“ vorgeblich vermischt werden sollte, in Wahrheit aber die Konkurrenz innerhalb des alten Adels verschärft wurde. Mit dieser Konkurrenz konnte der Adel noch eine Weile ganz gut leben und herrschen, aber sie untergrub die Grundlagen seiner Macht, den Respekt des Volkes. Das alles wissen wir schon seit Aristoteles (Athenaion Politeia 21,2-22,2) und natürlich von Herodot, nicht aber von Homer oder gar erst mit Marx. Homer ist weniger Zeitzeuge als Dichter, der die Wahrheit in der Dichtung wohl wunderbar, aber doch eben nur verwebt, wo es auch nicht an Märchendarstellungen mangelt, vergleichbar Ihrer Gliederung Griechenlands in „König, Fürsten und Volk“. Und es gab damals sowenig „Eintracht“ zwischen diesen Klassen, wie das heute der Fall ist. Die heftigen Streitereien, der andauernde Kampf zwischen Demos und Tyrannis, Reformen wie Kriege, ja das ganze „griechische Drama“, belegen das.

Der konservative Albtraum, der den Konservativen zum Albtraum werden wird
Parallel zur Refeudalisierung der kapitalistischen Gesellschaft („Kryptokapitalismus, feudaler Monopolkapitalismus und Oligarchie“) formiert sich eine neue/alte Aristokratie um das Politikgeschäft zu übernehmen. Gerade lese ich von dem Auftritt Gutenbergs vor der Jungen Union im Adenauerhaus und den diesbezüglichen Spekulationen über eine mögliche Kanzlerschaft (Fällt Stuttgart, könnte Merkel taumeln/FAZ). Das passt zu den neuen/alten Hoffnungen der Ultrakonservativen, die sich da gerade um die Sarrazindebatte formieren, und die quasi mit Staatsstreichgedanken kokettieren (und dass sich Koch da diesbezüglich nicht für einnehmen lassen will, degradiert ihn gerade zum Sekundanten eines Gutenberg!). Der Prozess wird allerdings nicht krude konservativ gesteuert, sondern geradezu anachronistisch. Und so wie sich die Themen gegenseitig ausschließen – Nationalstaat versus Weltstaat/Deutschland gegen Europa -, decken sich auch nicht die wechselseitigen Bestrebungen nach Erhaltung/Zerstörung von Klassenprivilegien, im Gegenteil: hier offenbart sich eine scharfe Konkurrenz innerhalb der herrschenden Finanzaristokratie, eine solche, die nicht nur einen konservativen Albtraum auslösen, sondern auch den Konservativen einen Albtraum bereiten könnte.

faz.net/„Stuttgart 21“: Grube: „Es kann keinen Baustopp geben“, 11.10.2010

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Ein Trackback

  • Von Kryptokapitalismus, feudaler Monopolkapitalismus und Oligarchie am 13. Oktober 2010 um 21:04 Uhr veröffentlicht

    […] dass der Demos nicht die Macht eines Tyrannen war, sondern die der „500er“ (vgl. mein: „Dichtung und Wahrheit“), also die Herrschaft der Klasse von Tyrannen, der „Privilegierten“, der definitiv […]

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