Alles andere als ein Segen

Alles andere als ein Segen
„Wir können uns also glücklich schätzen, in der Moderne mit all ihren Segnungen schon ein paar Jahre früher angekommen zu sein.“ Ein Satz, über den man jetzt womöglich ganz viel nachdenken muss. Zunächst einmal, mag es zweifelhaft sein, ob die Moderne eine Segnung ist, oder nicht doch eher das Gegenteil – ein Fluch. Mit ihr kam uns das Wissen über ihr Ende (nämlich unser geschichtliches Bewusstsein, bis dato glaubten wir an die Unendlichkeit, nämlich eines göttlichen Daseins), zugleich aber auch die Erkenntnis, dass dieses Ende womöglich noch lange auf sich warten lässt. Solange womöglich, wie es gedauert hat, sie vorzubereiten („5000 Jahre…“).

Doch kritikabel scheint Ihre Annahme, dass man in Südafrika nicht in der Moderne angekommen sei. Das wäre nämlich eine Verkehrung der Begriffe Moderne mit Armut. Moderne Armut gibt es nämlich auch in Afrika, nur sieht die eben etwas anders aus als hier, denn wir sind die „Erstgeborenen“ gewesen – im Zeitalter des Kapitals. Aber, und das wäre das nächste was uns die Moderne lehrt: Die Verhältnisse kehren sich schneller um, als man glaubt, zumindest als man früher glaubte. Ein Beispiel dafür wäre das, was man seit gestern in der FAZ lesen kann, nämlich, dass China Japan in Puncto Bruttosozialprodukt überholt habe. Das ist noch nicht der Anfang des Reichtums in China – es sind zu viele Menschen dort, die sich das Bruttosozialprodukt nämlich teilen müssen, und auch nicht der Anfang vom Ende einer Wirtschaftsmacht wie Japan, doch es weist die Richtung. Allerdings in eine andere als wir nun annehmen, nämlich nicht in Richtung Reichtum, sondern in Richtung Nivellierung auf niedrigem Niveau. Und auch das wäre alles andere als ein Segen, nämlich jener besagten Moderne.

faz.net/blogs/deus/archive/2010/08/17/von-banken-punkten-und-ungerechtigkeiten

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