Mit vergangenem Glanz prahlend

Mit vergangenem Glanz prahlend
Das Motiv entscheidet alles. Dass die westlichen Demokratien sich sicher wähnen hinter dem Schleier der Aufklärung, dürfte evident sein, was wiederum ein aufklärendes Licht auf ihre wahren Motive werfen dürfte. Es ist daher für einen Linken immer wesentlich den Schein von der Wirklichkeit zu trennen. Welches Motiv steht Pate bei diesen oder ähnlichen Verboten? Ist es das zur Verteidigung der Menschenwürde, oder das zur Rechtfertigung der Unterdrückung einer solchen? Sollen wir es einem System abnehmen, dass es die Menschenwürde verteidigt, wo es in aller Regel genau diese ignoriert? Eine Gesellschaft, die sich gerne und solchermaßen geradezu zynisch eine gläserne nennt, soll sich nicht wundern, wenn man dies ihr abnimmt. Kafkaesk entwickelt sich die Hauptlinie, nämlich die zu einem Sicherheitsstaat. Die Burka könnte dabei stören! Bei der Verfolgung solcher Motive dürfen Linke nicht noch Pate stehen. Und doch ist die Burka auch für den Linken selbstredlich ein erschreckendes Gespenst. Aber gegen Gespenster hilft nur eines: mehr Licht! Schaffen wir dieses, treten wir argumentativ in die Offensive, verteidigen wir eine lichte Zukunft und eben nicht nur das Dämmerlicht einer Vergangenheit, selbst wenn dieses noch mit vergangenem Glanz prahlend noch mal kurz aufflackern möchte.

Im Interesse der umfassenderen Freiheitsbestrebungen der Massen
An Frau Schwarzer zeigt sich, wie der Feminismus als bürgerliche Ideologie tickt. Dort wo die Unterdrückung der sexuellen Identität der Frau, das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung angegriffen wird, zeigt er sich feminin-radikal. Hier aber, wo die Frau dieses Recht auf Selbstbestimmung gar in einem erheblich umfassenderen Sinne zu verstehen hätte, wo es um die politische, soziale, ökonomische Unabhängigkeit der Frau geht, will man der Frau dieses Recht wieder nehmen. Der absolute Staat, der absolutistische – so wahrzunehmen aus der Perspektive dieser Frauen jedenfalls -, der, der stellvertretend für alle Männer entscheidet (oder sind wir keine männliche Gesellschaft mehr, Frau Schwarzer?), soll dem absoluten Einzelnen (Mann), bzw. dem verinnerlichten Einzelnen, entgegen gesetzt sein. Gesamtkapitalist, wie eben auch Repräsentant des Patriarchats, das ist der bürgerliche Staat. Das Recht auf Selbstbestimmung, das worauf die sozialistische, aber auch bis gestern noch die feministische Bewegung rekurriert(e), lässt sich nicht durch die Pflicht auf eine solche ersetzen. Dialektische Politik mag Identitätsmuffeln beiderlei Geschlechts den Spielraum lassen, den es eigentlich zu begrenzen gälte, doch ist dies die einzig mögliche Politik, im Interesse der Freiheit der Massen.

Vorwand für Doppelmoral
@Mohr: Darauf hab ich gewartet! Das Abendland in seiner ultimativen Krise! Damals waren es die „bolschewistischen Untermenschen“, heute sind es die Christen verachtenden Moslems, die das Abendland gefährden. Nun ja, die Verachtung dürfte hier auf Gegenseitigkeit beruhen, wie deutlich zu sehen ist. Die konservativen Kritiker einer gewissermaßen „sanften Vernunft“ (seitens des Kapitals) wollen die Profitlogik partout nicht begreifen: die Verwertung des Werts, die Ausbeutung des „automatischen Subjekts“ (Marx), erfordert nach wie vor die Unterdrückung der Frau, und wenn es an geeigneten „christlichen“ Objekten mangelt (christliche Frauen neigen vielleicht all zu sehr zum Feminismus), dann dient das muslimische Objekt (und Subjekt) eben demselben Zweck. Gab es da nicht schon eine deutsche Richterin (!), die nach der Scharia Recht sprach und prügelnden muslimischen Männern einen Mangel an Schuld attestierte – hier in Frankfurt am Main? Entweder wird die Burka abgelegt oder nach der Scharia gerichtet, das scheint die zynische Logik. Die Heuchelei wider die Burka entbietet sich somit als Vorwand – für jene Doppelmoral.

faz.net/Burka-Verbot:Der Schleier der Fundamentalisten, 22.07.2010

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2 Trackbacks

  • Von „Die Sehnsucht nach der heilen Welt“ am 23. September 2010 um 21:08 Uhr veröffentlicht

    […] auf jeden, der diese Harmonie zu stören sucht. Doch Kapitalismus ist per se die Anwesenheit von Parallelgesellschaft(en). Marx bezeichnete im Kommunistischen Manifest das Proletariat geradezu als eine andere Nation […]

  • Von Die gnadenlosesten Amazonen am 16. November 2010 um 18:59 Uhr veröffentlicht

    […] quasi entwertet. Wenig originell dieser Rückgriff auf das Denken eines Absolutismus („Mit vergangenem Glanz prahlend“), dessen Radikalismus nur noch bei Konservativen Verzücken […]

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