Transnational-chauvinistisch

Transnational-chauvinistisch
Je mehr Europa sich aufbläht, desto klarer werden die Konturen eines Kerneuropas. Und diese Konturen erleben wir auch als deutsch-französischen Konflikt. Die Aufblähung führt somit zur Verstärkung der Konflikte im alten Europa, zur Revitalisierung eben alter Konflikte. Obwohl diese heute nicht mehr einfach als nationalistisch zu definieren sind (ein transnationales Kapital kennt keinen Patriotismus), ist die französische Attacke nicht nur platt populistisch, sondern eben auch sehr auf die aktuelle Wirklichkeit zielend. Denn wieder ist es Deutschland, von dem „führen“ wohl verlangt wird, aber bitteschön ohne die Geführten auszubeuten. Dass das nicht möglich ist, liegt auf der Hand, nicht nur im allgemeinen Sinne, nämlich weil es kapitalistisch ist, dieses Deutschland, sondern weil die aktuelle Krise eine Systemkrise ist, die zwangsläufig zur Verschärfung aller innerkapitalistischen Widersprüche führt (selbst zu obsolet scheinenden), in deren Folge die Staaten des Kapitals, der Reihe nach in eine politische Krise fallen werden. Eine solche Krise fordert das Kapital wohl zur Solidarität heraus, aber gleichzeitig macht genau diese Krise eben das unmöglich. Das Kapital ist eben nicht wirklich international, es bleibt übergriffig, transnational-chauvinistisch.

faz.net/Deutsch-französische Verstimmungen:Ein Debakel für Europa, 15.06.2010

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  • Von Vom Kapital geweckte Begehrlichkeit am 25. Oktober 2010 um 22:06 Uhr veröffentlicht

    […] kollabieren. Wenn die Arbeitslosigkeit in Spanien weiterhin explodiert, wird sich das sog. Kerneuropa – ein verräterisches Wort, verweist es doch auf die eigentlichen Machthaber– wohl überlegen, […]

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