Symbol für eine bestimmte Politik, nur für welche?

Symbol für eine bestimmte Politik, nur für welche?
Eine vermutlich nicht ganz falsche Kritik, und eine Wohltat nach all dem diplomatischen Nachgeschmack in der gestrigen Presse noch. Doch höre ich da den Ärger, die Wut des „Verratenen“, das Entsetzen des Subjekts, des bürgerlichen, wie ich doch annehmen möchte, denn nicht des Souveräns. Souverän ist man, wenn man souverän sein kann, auch in schwachen Momenten. Ein Köhler war dies nicht, damit stellt er sich im Nachhinein als der denkbar schlechteste Kandidat für den obersten Repräsentanten des Souveräns dar. Das ist blamabel, vor allem für die, die ihn ins Feld gebracht haben. Warum haben sie dies, sollte man schon mal fragen, und nicht nur wer, sondern vor allem was, ist da blamiert? Ein hoher Beamter, zuletzt ein Banker (der er auch nie war!), ein Durchschnittsmensch (daher vielen so sympathisch), einer, der zwischen seinen Ämtern und seiner Persönlichkeit keine Identität zu schaffen vermochte. Kein Politiker, kein Philosoph, kein Repräsentant – für gar nichts. Dass er brauchbare ökonomische oder gar politische Ratschläge zu verteilen gehabt hätte, wie Frau Merkel – Schaden zu begrenzen suchend – nachschob, wage ich zu bezweifeln. Er war ein Symbol, für eine bestimmte Politik, nur für welche? Diese Frage wird der Souverän sich jetzt hoffentlich ganz souverän stellen.

faz.net/Köhlers Rücktritt: Der Fahnenflüchtling, 01.06.2010

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