Entäußerte Gesellschaft

Entäußerte Gesellschaft
Ein komplexes Thema, dessen ganzes Ausmaß nicht einfach durch wechselseitige Schuldzuweisung erfasst wird. Die Rolle der Eltern, und darin wiederum die Bedeutung der „Geschlechtsliebe“, wird durch die Zuweisung der Last der Erziehung auf das vereinzelte, bzw. gedoppelte Individuum (weder Mutter noch Vater, einzeln wie zusammen, begreifen sich als „Ensemble der Gesellschaft“/Marx) völlig überdehnt. Im Interesse nämlich der Last der biologischen, der kulturellen, wie der ökonomischen, Reproduktion des „Menschen“ (Mensch hier verstanden als konkret-gesellschaftliches, wie auch historisches Wesen, nicht reduziert im Attribut auf eine abstrakt-anthropologische Gattung genannt homo sapiens) wird der Sexualität in der Familie eine äußerst ambivalente Rolle zugewiesen. Sexualität als der vitalste Ausdruck des Willens zum Leben, und welche sich dem „Einzelnen“ nur innerhalb dessen gesellschaftlichen Totalität anbietet, und zu deren Akzeptanz diese schon immer gewissen Ritualen unterworfen war (ius primae noctis, zum Beispiel, welches als das „Recht der ersten Nacht“, wenn auch solchermaßen, durch die Zeit, und damit der Klassengesellschaft auch, verfremdet, auf die Anfänge sexueller, sprich: gesellschaftlicher Kultur verweist), scheint sich in der „Familie“, als deren Reproduktionsmittel, von befreit zu haben. Die Gesellschaft wird entäußert: Ehe, Kinder und Erziehung – alles Privatsache. Ein fataler Irrtum, den sich dann die Pädophilie zunutze macht.

zeit.de/2010/16/Odenwaldschule-Mitschuld-Eltern

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  • Von Nicht nur die Wahrheit wird geschändet am 13. Mai 2010 um 19:32 Uhr veröffentlicht

    […] Schön formuliert, doch wo „Perversionen (…) von Einzelpersonen aus(gehen)“, wird die Perversion des Systems zu „folgenreichen Konkretismen“ positiviert. Aber vielleicht habe ich das auch missverstanden, […]

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