Italienische Volksdialektik

Italienische Volksdialektik
Pietro Aretino! – Oh, das ist schon eine Weile her, dass ich da mal drin gestöbert habe. Interessante Anspielung auf eine womöglich sittliche Parallele zum heutigen Italien, und diese Anspielung ist nicht mal so verkehrt, denn wusste doch ganz Italien von diesen Kurtisanengeheimnissen, ohne sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Sittlicher kann ein Volk nicht sein. Popen wie Päpste sind halt auch nur Menschen, den aktuellen Benedetto vielleicht ausgenommen! Aber der ist ja auch kein Italiener. Doch muss ich Ihnen in einem widersprechen: „Italien ist ein gutes Beispiel für das, was dem bürgerlichen Lager auch in Deutschland noch an Verlotterung droht“.

Denn das ist es definitiv nicht, ein „gutes Beispiel“, eher ein schlechtes. Denn nur in Italien kann eine Mafia in die Gesellschaft integriert werden, wenn auch auf schrägste Weise; in Deutschland sieht das anders aus. So stehen die Frankfurter Großbanken schon lange unter dem Verdacht für die Mafia Geld zu waschen. Doch hier redet man deshalb nicht darüber, weil es sich nicht gehört. Nach dem Motto: solange man darüber nicht redet, wird es wohl auch nicht stimmen. In Italien redet man darüber vielleicht nicht, weil es zu gewöhnlich ist, um sich darüber das Maul zu zerreißen. Hier Doppelmoral, dort wahrer Adel im Gemüt.

Ein gutes Beispiel dafür, wo die Mafia wirklich ein gesellschaftliches Problem ist, nämlich dort, wo sie verschwiegen wird – aus Heuchelei.

Übrigens: ob die Taschen Fälschungen sind, ist in Italien aus einem ähnlichen Grunde kein Thema, wie das der Herkunft eines Berlusconi. Gutes (gerade wenn als Plagiat daherkommend) kann so gut Schlechtes bewirken, wie Schlechtes eben auch Gutes. Das ist wahre Dialektik, Volksdialektik, die Dialektik eines alten Kulturvolkes, das die Spießbürgermoral eben so leicht verdaut, wie der Russe ein unbekömmliches Essen durch einen noch schlechteren Wodka. Auch die Fälschermafia wird dort rein integriert. Italien ist ein wirklich großes Land, es hat ein gigantisches Herz, und es hat daher womöglich eine größere Zukunft als ein jenes – der Deutschen – armseliges Spießerland.

faz.net/blogs/stuetzen/archive/2010/03/21/neue-traditionen-fuer-ein-niedergehendes-buergertum

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  • Von Selbstvergiftend am 25. März 2010 um 21:21 Uhr veröffentlicht

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  • Von Die korrumpierende Nähe zum Katholizismus am 17. Februar 2011 um 14:54 Uhr veröffentlicht

    […] Prostitution, deren Genuss wie das Geschäft mit derselben, Pate. Und Berlusconi ist ein solcher „Pate“. Darin vergleichbar durchaus mit einem Sarkozy, wenn auch dieser selber sich solcher Exzesse in der […]

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