Der Rohrkrepierer im Stoffwechsel des Bourgeois

Der Rohrkrepierer im Stoffwechsel des Bourgeois
Wenn das stimmt, dann hätte Heartfield sich geirrt: nicht der fette, sondern der rappeldürre Bourgeois ist das zu karikierende Monster! Nun ja, ich denke, der liebe Don meint das nicht so wörtlich, sondern eher metaphorisch, in dem Sinne, dass die eigentliche Gier vom ewigen Hunger komme. Daher sind ja auch die gestern noch halb verhungert Gewesenen, in aller Regel, wenn sie mal nach oben kommen, besonders skrupellos. – Nicht nur wegen der Angst, wieder unten zu landen, sondern auch, weil sie den Hunger noch spüren.
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Doch dürfen wir eines nicht übersehen: Das Hirn, nicht der Magen ist eben nicht nur das Organ, das am meisten frisst, sondern auch das eigentliche Zentrum des Geschehens. Ein Dicker kann sein Hirn immer gut versorgt haben, aber doch sich im Magen immer leer fühlen. Und das kommt u.U. auch daher, weil ein satter Magen, immer nach mehr verlangt, wo er doch die Zeit der Ruhe nicht von der der Unruhe zu trennen weiß. So frisst er, wenn der Magen eigentlich zu verdauen wünscht, nämlich weil er den Verdauungsvorgang für Hunger hält.
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Wir alle kennen das, wenn wir spät abends noch zu viel gegessen haben. Am nächsten morgen plagt uns der Hunger besonders früh, und umgekehrt: wenn wir abends ein wenig gefastet haben, haben wir auch morgens weniger Appetit.
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Die Frage stellt sich also weniger nach „was wir essen, sondern „wie wir essen“.
Und doch bezweifle ich, dass wir einen Bourgeoismagen auf diese Weise besänftigen. Denn auch hierbei spielt das Hirn die Hauptrolle. Hier mal weniger bzgl. dessen was wir diesem als Zuckerstoffe zuführen, sondern an geistigen Inhalten, solchen nämlich, die die Kraft hätten, sich den profanen Begierden eines Bourgeoisstoffwechsels zu widersetzen.
Daher ist jede Heilslehre, die sich aus der Ernährung speist, in sozialer Hinsicht ein Rohrkrepierer.
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Grüße an alle übrigens. Bin wieder an Bord. Habe den Umzug meines Lebens hinter mir – von Mietwohnung in Eigentum. Verstehe jetzt, wie mörderisch das Begehren nach Eigentum sein kann – ja selbstmörderisch.

faz.net/blogs/stuetzen/archive/2010/03/13/das-fett-in-die-feinen-toechter-bringen

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