Die Kanzlerin des kleinen Mannes

Die Kanzlerin des kleinen Mannes
Nur welche „Katharsis“ soll uns da beschert werden? Erich Kästners „Das doppelte Lottchen“ sollte nach 45 – und dies getreu der griechischen Tragödie – zur „Läuterung“ des deutschen Publikums beitragen. Nur welche Leidenschaften wären da die unsrigen? Sollen wir unser Schicksal, nämlich diese schwarz-gelbe Koalition, stoisch ertragen? Sollen wir sie fürchten oder bemitleiden, diese „politische Klasse“? Eine jene, die sich nicht entscheiden mag zwischen der Notwendigkeit von Steuergeschenken und der Gerechtigkeit bei den Steuereinnahmen, oder ist es umgekehrt? Denn das völlig absurde ist doch, dass diese Kanzlerin-Entscheidung so vorhersehbar wie beliebig gewesen ist. Ist es das, was wir lernen sollen? Eine Politik zu begreifen, die aus dem Bauch kommt, nein, nicht aus dem Bauch einer Frau, das wäre eindeutig, nein, aus dem der Kanzlerin, die nur zufällig eine Frau ist. Die Tragödie ist, dass wir nicht wissen, was wir lernen sollen: Steuerknechtschaft zu ertragen oder zu verteufeln, denn ersteres soll dem kleinen Mann gesagt sein, da letzteres ein Privileg der Mächtigen ist. Und wer hätte es nicht vorhergesehen, dass diese Kanzlerin die des kleinen Mannes ist? Und genau darin ist sie so berechenbar wie unberechenbar – gedoppelt.
faz.net/Merkels Machtwort: Die doppelte Kanzlerin, 01.02.2010

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  • Von „Und ewig singen die Wälder“ am 15. November 2010 um 21:13 Uhr veröffentlicht

    […] dazu der Titel dieses oben genannten Romans zu einfällt. Vielleicht wegen der darin vorgeführten stoischen Gleichmütigkeit in feudalen Lebensentwürfen, sprich: der Ohnmacht eines […]

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