Ekelhafte Arroganz

Ekelhafte Arroganz
Das Hauptproblem an der Diskussion, scheint mir die Diskussion selber zu sein. Denn in ihrem Kontext fallen sämtliche Hüllen, die man bisher, auch vor dem Hintergrund des Skandals um die nationalsozialistischen Eugenik-Experimente, noch „schamhaft“ um sich hielt. Ich gebe daher Secondo recht: die Herrenmenschenideologie grinst da schaurig durch die Forschungslücken. Dieser Beitrag nun, so wahr er vielleicht in Bezug auf den Stand der Wissenschaft sein mag, verharmlost eine Gefahr, die ich auch als zusätzliche Verrohung einer Klassengesellschaft verstanden haben möchte. Eine Gefahr, die auch vor dem Hintergrund des zunehmend „wichtigsten Rohstoffs Gehirn“ (Frank Schirrmacher) nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Auch die Arroganz, die da einhergeht, gerade in solch elaborierten gesellschaftlichen Kreisen, macht mich schaudern. Es will mir nicht aus dem Kopf, was ich da vor nicht all zu langer Zeit – ein Wissenschaftsjournalist (Süddeutsche Zeitung) ließ uns da mal in die Giftküche hineinhorchen – zu hören bekam: so sollen doch tatsächlich Wissenschaftler, die sich mit dem „intelligenten Auto“ beschäftigen, vorgeschlagen haben das Grundwasser in Neukölln mit Drogen anzureichern, gewisse Polizeimaßnahmen könne man sich dann sparen. Ekelhaft!

Kommunismus vom Hörensagen
@Peters: In aller Kürze: Nicht dieser Beitrag ist aus der Giftküche, bzw. Ausdruck von Herrenmenschenideologie, sondern er unterschätzt letztere und er ignoriert die Wirkung der Giftküchen in Bezug auf das Bewusstsein der Menschen. Im übrigen scheinen Sie vom (wissenschaftlichen) Kommunismus nur vom Hörensagen zu wissen. Die Gleichheit von Geburt an, ist kein marxistisches Diktum, sondern erklärtermaßen eines der Aufklärung (welche aber auch nicht auf Ihrer Agenda zu stehen scheint). Marxisten beschäftigen sich mit der Abschaffung der Klassen, mit der Beseitigung des Marktes, der Verwertung des Werts, der Verwertung des menschlichen Werts und der privaten Aneignung seiner von ihm geschaffenen gesellschaftlichen Werte. Gleich sind wir definitiv nicht, können wir nicht und müssen wir nicht sein, sondern nur frei und unausgebeutet und somit auch frei in unseren Entwicklungsmöglichkeiten, das jedenfalls sollten wir sein. Inwieweit die Menschen sich nach einer solchen Befreiung aneinander annähern, sich ähnlicher werden, auch im Hinblick auf ihre Fähigkeiten, das ist durchaus nachfragenswert, da solchermaßen möglich, ja wünschenswert (und den Konservativen als ein solcher Wunsch schon verdächtig), ist aber erst Thema der nach-kommunistischen Epoche.

Wenn es kein Privileg ist
@Schurich: Grüße Sie, und die Antwort ist kurz: …wenn es kein Privileg ist, für eine herrschende Minderheit – um deren Herrschaftsansprüche zu verewigen. Aber genau danach sieht es aus!

Gemordet in Klassensolidarität
@Peters: Ich weiß nicht, wie oft ich das wiederholen soll, aber wer den Kommunismus nicht als Wissenschaft wahrnehmen möchte, soll mir nicht mit Pol Pot und Co. kommen. Es ist nicht verboten, sich auf etwas zu berufen, das einem nicht zusteht, die Nazis nannten sich ja auch Nationalsozialisten, in der vollen Absicht im Sozialismus zu wildern, will heißen: dessen Anhänger zunächst zu verwirren, dann zu massakrieren. Und die Verwirrung hält bis heute, wie wir sehen. Im Übrigen, was die Massenmorde angeht, selbst wenn sie alle auf einen authentischen Kommunismus zurückgingen – und auch das habe ich oft genug gesagt -, stehen diese in keinem Verhältnis zu den ungezählten und auch unzählbaren Opfern des Kapitals – den gemordeten, den verhungerten, den wahnsinnig gewordenen…Die ersten Opfer des Kommunismus waren im übrigen die des Antikommunismus, die Pariser Kommunarden. Erst deren Schicksal – 20000 wurden in Klassensolidarität zugunsten der französischen Bourgeoisie von den deutschen Siegersoldaten hingerichtet -, veranlasste einen Karl Marx über die Notwendigkeit der Diktatur des Proletariats nachzudenken. Die (unschuldigen) Opfer der Klassengesellschaft sind zwischen allen Fronten zu bedauern. Am bedauerlichsten ist aber die Ursache missachtende Ignoranz.

„Herold“ heiße ich!
@Gisbert Heimes: Entschuldigen Sie, aber ich würde nicht darauf hinweisen, aber da sich das jetzt wiederholt…und wenn ich den Namen „Horst“ nicht so schrecklich fände. Ich assoziiere da immer mit Horst Wessel, oder anderen mit diesem Namen mir in unangenehmer Erinnerung Verbliebenen – womöglich. – Herold heiße ich, und ich denke, das klingt auch besser. Übrigens danke für Ihren Beitrag, Sie haben das genau erfasst. Und um es an dieser Stelle einmal deutlich gesagt zu haben – und dies auch in Richtung des Herrn Schurichs Einwand: ich bin nicht gegen die Fortschritte in dieser Hinsicht, gegen die wissenschaftlich-technischen, bzw. womöglich medizinischen, aber gegen die Ausbeutung solcher durch eben genau die, die da nicht nur ihre Klassengesellschaft für die Ewigkeit rüsten, sondern sich selber auch unsterblich machen wollen. Bei dem Gedanken schauderts mir.

faz.net/Neuro-Enhancement: Das Gehirn ist kein Muskel, 06.01.2010

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3 Trackbacks

  • Von „Perverse Lust“ am Klassenkampf am 21. Januar 2010 um 22:59 Uhr veröffentlicht

    […] Der berechtigte Wunsch eine „gute Sache“ mit „guten Mitteln“ durch zuziehen – Marx wünschte sich das für England – eine Zeit lang -, scheint eben nicht zu funktionieren. Und ich erwähnte es auch schon: die ersten Opfer des Kommunismus waren die des Antikommunismus, nämlich die Pariser Kommunarden – 20000 wenn nicht gar 30000 wurden da ohne Not standrechtlich erschossen, von Bismarcks Soldaten auf Wunsch der besiegten französischen Bourgeoisie (vgl.: „Gemordet in Klassensolidarität“). […]

  • Von Am arabischen Wesen soll die Welt genesen! am 19. Juli 2010 um 22:11 Uhr veröffentlicht

    […] Entstehung eines „Methusalemkomplexes“ (Frank Schirrmacher redet natürlich von einem Komplott,,was sich so besehen als Komplex herausstellt), den Mangel an Charme solcher Kulturen: nämlich die Alterung der Kultur, die der Überalterung […]

  • Von Wann hätten wir je einen solchen Zustand gehabt? am 11. Oktober 2010 um 21:44 Uhr veröffentlicht

    […] dann den Zaun drum (so auf einer Wissenschaftlerversammlung zum Thema „intelligentes Auto“ („Ekelhafte Arroganz“, oder: „Der repressive Staat, die ‚Schuld der Sozialisten’ und der französische […]

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