Schwarze Kassen

Schwarze Kassen
Todenhöfer ist zumindest ein eloquenter Diskussionspartner, ein besserer als je in seiner Politikerlaufbahn. Seine Thesen sind für sich genommen so verkehrt nicht, bis auf eine: mit den Taliban verhandeln. Letzteres ist allein deshalb nicht möglich, weil sie das Produkt westlicher Intervention im ersten afghanischen Krieg sind – den zwischen den Sowjets und dem afghanischen Volk. Aus der Sicht US-amerikanischer Kriegspolitik waren die Taliban schon immer Mittel und Zweck zugleich. Zweck für einen Krieg, den man in der Tat nicht gewinnen kann, da man ihn gar nicht gewinnen möchte: den gegen den „Terrorismus“. Und auch darin möchte ich Todenhöfer korrigieren: die westlichen Werte werden nicht verraten, sie sind es, worum es hier geht. Die Frage ist nur, was sind diese Werte? „Wert“ sind sie – Mehrwert. Mag sein, dass es den USA anfänglich noch um eine Ölpipeline durch Afghanistan gegangen war, inzwischen geht es dort um noch höhere Werte, als den aus dem Ölgeschäft. Afghanistan war der Stachel im Fleische des sowjetischen Gegners, nun ist es Fleisch vom eigenen Fleische, dem des US-amerikanischen. Die Milliardengewinne aus dem Drogengeschäft – mit Heroin, weniger mit Opium -, fließen längst (auch) in amerikanische Kassen, in die Mafia, in den CIA. – Schwarze Kassen.

faz.net/Afghanistan: Der Bumerang – Thesen zu einem sinnlosen Krieg, von Jürgen Todenhöfer, 05.01.2010

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