Die Produktivkräfte geraten in Widerspruch zu den Verkehrsformen

Die 30er lassen grüßen
„Ich fürchte, auch Bernanke wird so lange die falsche Politik machen, bis er sein Amt verliert“, was dann in Folge auf eine Lösung hinaus läuft, die „inflationär, revolutionär oder militärisch“ (Gisbert Heimes) sein wird, oder ein „Mix von allem“ (ebenda). Auch diese Analyse, die schon wesentlicher besser ist als alles, was bisher von Ökonomen verbreitet wurde, geht von einer einzigen Möglichkeit/Wirkung aus. Deflation, die einhergeht mit Inflation = Stagflation, ist ja wohl das ultimative kapitalistische Horrorszenarium. Genau genommen wird uns hier versprochen, dass es einen Ausweg gäbe, wenn wir nur bereit wären unseren Wohlstand (wessen Wohlstand eigentlich?) zu opfern. Nichts davon wird passieren, bzw. es wird Wohlstand geopfert – immer der der anderen -, ohne dass es zu einem Ausweg käme – weil Kapitalismus nun mal so funktioniert. Und wer das nicht will, der muss den Ausstieg aus dem Kapitalismus wollen, nicht dessen Rettung. Und weil eben auch solches nicht Konsens sein kann, werden letztlich die Massen die Krise bezahlen, gleich ob durch Deflation = beschleunigter Arbeitsplatzabbau, oder durch Inflation = verstärkte Verarmung trotz Arbeitsplätze. Und doch bedeutet das dann wiederum Klassenkampf und damit ein jener „Mix“. Die 30er lassen grüßen.

Die Produktivkräfte geraten in Widerspruch zu den Verkehrsformen
@Brian Hayes: Wir müssen uns vergegenwärtigen, dass die Tatsache der Existenz von Aktiengesellschaften, bzw. von Investments, das indirekte Eingeständnis – seitens des Kapitals – dafür ist, dass das „Privatkapital“ längst obsolet ist. Und doch halten wir uns weiterhin an den Eigentums-, sprich: Verkehrsformen dieser Gesellschaft fest, jener Marktgesellschaft, die da zugunsten eben dieses Privatkapitals Mehrwert zu generieren sucht. Die Rufe nach „mehr Markt“ oder nach „mehr Eigentum“ (wie ihr Eigentums-, resp. Gehaltsvorbehalt für die leitenden Manager) sind die verschreckten Hysterien jener Ewiggestrigen, welche da nur die Symptome wahrnehmen, aber die Ursachen weiterhin wegblenden. Krisen sind daher sofort gleich immer Systemkrisen, nicht nur „systemische“. Sie sind (auch) die Strafe dafür, dass die Gesellschaft auf dem Weg der Vergesellschaftung der Produktionsmittel nicht weiter kommen möchte. Die schert sich aber nicht darum, und somit geraten die Produktivkräfte in Widerspruch zu den Verkehrsformen, den Eigentumsformen der Gesellschaft (Karl Marx).

Innovativ die Geldschwemme abgeschöpft
„Das ganze letzte Jahrzehnt hat uns gezeigt, dass es eine beachtliche Schwäche der unternehmerischen Investitionen und Innovation gibt.“ Die „Rekapitalisierung“ des ehemaligen Sowjetblocks war somit nicht nur in 10 Jahren (1989 – 1999) abgeschlossen, sondern blieb auch ohne positive Wirkung in Bezug auf die globale Kapitalentwicklung. Lediglich die Wirkung der sog. Entlassungsproduktivität zeigte sich, denn diese drückte die Löhne und Gehälter der Massen. Das heizte die Börse an, trennte diese vom realen Markt, initiierte eine Orgie der ‚Gewinnmitnahme‘. Die Mehrausbeutung der Arbeiterklasse ließ die Innovation des Kapitals, vorneweg des Finanzkapitals, nur in eine Richtung marschieren. Aber bleiben wir fair. Warum (und wo) hätte auch investiert werden sollen, wenn doch eine solche Schwemme an Geld (die ja letztlich nur Ergebnis eines Überhangs an gut ausgebildeten Arbeitskräften war) eine solche Investition nicht nur recht eigentlich obsolet werden lässt, sondern gar auch gefährlich, wenn nicht dieses Geld schnellstmöglich abgeschöpft wird. Dieser Überhang an gut ausgebildeten – nämlich auch billigen – Arbeitskräften steigert nur dann die Profite (bei einem ansonsten tendenziellen Fall der Profitrate), wenn dieser nicht neue Arbeitsplätze schafft.

faz.net/Im Gespräch: Steve Keen – „Wir sind in der größten Finanzblase aller Zeiten“,07.01.2010

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