Neurotisch

Neurotisch
Ein Teil des Subjekts scheint obsolet, nicht jene calvinistische Gott-, resp. „Selbstgefälligkeit“, soweit diese auf den braven Geld scheffelnden Bürger rekuriert, sondern eine tiefer liegende Region. Die Illusion dieser produktiven wie konsumtiven Identität wird durch die Finanzkrise gerade mal demontiert, soweit sich in dieser die Abkoppelung der Realproduktion äußert, und doch verbleibt uns als Glaube die Rechtschaffenheit beim Abschöpfen des Mehrwerts, wobei unterschlagen wird – und was Frank Schirrmacher als das Methusalemkomplott wahrnimmt -, dass schon allein aus geriatrischen Gründen solches pervers wirkt. Wie gottgefällig dann eine solche Gesellschaft überhaupt noch sein kann, muss dem fragwürdig sein, der für sich ein „verdientes“ Rentnerdasein affirmiert. Neurotisch wird diese Beziehung in ihrer Abgrenzung zu jedweden (noch) potent wirkenden Subjekten. Die muslimische Konkurrenz wird diesbezüglich gleich doppelt wahrgenommen: einmal – ob ihrer „Gemüseladenwertschöpfung“ (Sarrazin) – als barbarische Kraft, im ökonomischen Sinne, und ein andermal, naja, sagen wirs so: wie ein „Heer ständig nachwachsender Kopftuchträger“. Minarette, zumal solche, die da so hemmungslos in fremde Himmel stechen, gelten dann natürlich als geradezu sexuelle Herausforderung.

faz.net/Schweizer Minarett-Verbot: Immer schön langsam, 06.12.09

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4 Trackbacks

  • Von Machtfrage am 10. Dezember 2009 um 14:31 Uhr veröffentlicht

    […] Auseinandersetzung diesbezüglich konnten wir erst kürzlich hier in der FAZ verfolgen (vgl: herold-binsack.eu). Aus diesem Grund kann von einer laizistischen Türkei so wenig die Rede sein, wie auch bzgl. der […]

  • Von Rüttgers Wählerpotentiale am 9. Januar 2010 um 00:07 Uhr veröffentlicht

    […] verabreicht, denen die Dauer des Bezugs des Arbeitslosengeldes „I“ (!) zu einem größeren Abstandsbewusstsein verhilft. Erkenntnis oder gar eine somit begründete Solidarität unter den Betroffenen soll da […]

  • Von Am arabischen Wesen soll die Welt genesen! am 19. Juli 2010 um 22:14 Uhr veröffentlicht

    […] Entstehung eines „Methusalemkomplexes“ (Frank Schirrmacher redet natürlich von einem Komplott, was sich so besehen als Komplex erweist), den Mangel an Charme solcher Kulturen: nämlich die Alterung der Kultur, die der Überalterung […]

  • Von Die „Elite“ reibt sich die Finger am 26. August 2010 um 19:47 Uhr veröffentlicht

    […] meinen aber doch nur die nun womöglich in die hunderttausende gehenden Leserkommentare, die den Sarrazin zum neuen Helden des Abendlandes küren werden. Nach Spengler nun endlich ein Sarrazin. Ich nehme […]

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