Schichtenorakel

Schichtenorakel
„International vergleichende Untersuchungen belegen, dass Deutschland auf diesem Feld tatsächlich einigen Nachholbedarf hat.“ Also nennen wir das Ganze doch einfach Klassengesellschaft und lassen dieses „Schichten“-Orakel.

Das Kapital, das Hochspezialistentum und die verflüssigten Ressourcen
@Vogt: Es ist die sog. Technische Intelligenz, die da per definitionem hoch spezialisiert ist. Das ist die Falle, die die bürgerliche Wissenschaft und Technik den Menschen bereitet. Arbeitsteilung ist historisch betrachtet, also im großen Maßstab, obsolet, aber die Binnenmobilität des Kapitals und der Arbeit, in einer sich rasant entwickelnden technischen, aber solchermaßen immer noch „engen Welt“, erfordert Hochspezialistentum. Der Grund für ist, dass der kleinste Fortschritt, ein Meer von Möglichkeiten eröffnet, aber eine nur enge Auswahl hiervon der Verwertung des Werts zugeführt wird. Die sog. Globalisierung ist ein Symptom dafür, dass diese „Binnenwelt“ (mit Sloterdijk affirmativ gesprochen: dieser „Innenraum des Kapitals“) gleich der „Nation“, dem politischen Staat, nunmehr obsolet ist. Die Umweltkatastrophe, die sicherlich, und sei es auch nur in der Form des Versagens der Nationen der Welt ob ihrer Evidenz, Ausdruck eben jenes „Gebunden-seins“ ist – wir sehen es gerade, in Kopenhagen -, wäre nur zu meistern, wenn das Gebundensein des Menschen, in Material wie Intellekt, an die Klasse, den Status, aufgelöst wäre. Das Kapital kann Ressourcen verflüssigen, aber da es die Klassen nicht aufzuheben vermag, kann es diese nicht mehr ausreichend materialisieren.

Die besten Plätze sind längst besetzt
@Vogt: Allgemeine Intelligenz, oder auch eben nicht spezialisiertes Wissen und die Fähigkeit mit solchem angemessen umzugehen, wird aber nicht (mehr) in unseren Bildungsanstalten vermittelt, sondern eben nur (noch), wenn dann überhaupt, im Elternhaus, oder dann auch, durch eine dann oft sehr spät erst einsetzenden – eben nach der Pubertät – Eigeninitiative. Glauben Sie mir, ich weiß wovon ich rede. Und es liegt doch auf der Hand, welche Klassen da, dank des dort akkumulierten kulturellen wie auch ob des zur Verfügung stehenden sozialen Kapitals, fast nicht mehr einzuholende Vorteile genießen. Bis man das geschafft hat, da mitzuziehen, sind längst die besten Plätze besetzt, von den privilegierten Klassen. Dies und mehr ist Teil der Wirklichkeit einer Klassengesellschaft. Das wissen wir nicht erst seit Bourdieu. Das professorale Getue und die Schichten, die da dank Bildung durchlässiger werden sollen, ist reine Augenwischerei, abgesehen davon, dass das den Vorgaben der Politik – und auch den Interessen der Klassen (wo ja auch ein Professor seinen Platz zu verteidigen weiß) strikt widerläuft, soweit sie eben nicht diese Klassenwirklichkeit berücksichtigt.

az.net/Allensbach-Analyse:Der Statusfatalismus der Unterschicht,16.12.09

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3 Trackbacks

  • Von Der ganz normale Wahnsinn ist ausreichend am 28. Dezember 2009 um 19:48 Uhr veröffentlicht

    […] Daten gäben uns dann eine Übersicht darüber, inwieweit das eben mit ein Indikator für eine Klassengesellschaft ist, welche ja selbst in der Krise heftig bestritten wird. Bisher hört sich das alles an, wie […]

  • Von Wie der gebogene Stachel eines Skorpions am 2. Januar 2010 um 15:59 Uhr veröffentlicht

    […] Marxisten haben aber zur Intelligenz eine ganz andere Beziehung, eine recht komplexe (siehe auch „Schichtenorakel“) – zugegeben -, und doch aber im wesentlichen eine ganz klare. Ich fasse sie kurz: die […]

  • Von Alles wider bester Absicht am 8. März 2011 um 00:33 Uhr veröffentlicht

    […] Dennoch sehe ich alle bisherigen diesbezüglichen Versuche (von Max Weber bis Bourdieu, siehe auch: „Schichtenorakel“) als grundsätzlich gescheitert an, wenn auch in Teilaspekten durchaus als hin und wieder […]

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