Kontaminierte Intoleranz

Kontaminierte Intoleranz

Von Devin08 30.11.2009, 23.18 Uhr

Da die Kommentare zu dem Thema „Schweizer gegen Minarette“ oft rechtslastig verdorben sind und teils auch nicht mehr zugelassen, damit eine Diskussion dort nicht mehr möglich ist, bzw. auch nicht mehr sinnvoll wäre, hier mein eigener Beitrag:

Es geht nicht darum, was Minarette unter Umständen bedeuten – Symbole der Intoleranz evtl., wie so oft behauptet -, sondern was sie nicht bedeuten. Sie stehen nicht für eine Mehrheitsreligion hier (ihre „Intoleranz“ hat dort dann ihre Grenzen, im Übrigen ist jede Religion per Selbstverständnis intolerant) wo sie nun verboten werden, sondern für Minderheiten. Und damit ist die Meute los geschickt, im Kampf gegen Minderheiten, zwecks Verteidigung von sozialen Privilegien in der immer enger werdenden Welt. Es ist die Absage an Solidarität und der Sieg eines tumpen Nationalismus. Es geht doch nicht um die Religionsfreiheit, sondern um die Vorstellung, einer Mehrheitsreligion anzugehören, schütze vor Ausbeutung und Unterdrückung – vor dem Kapital -, gaukelt also Sicherheit vor und stiftet Identität. Dass dem nicht so ist, dass das Kapital längst transnational ist, und der Bourgeois „Kosmopolit“, kann der „Nestwärme“ einer solchen Ideologie offenbar nichts anhaben. Die „Nation“ wird zum Lumpengerüst, im sprichwörtlichen Sinne: sie beherbergt nur noch „Lumpen“, postmoderne Spießbürger, die die von den Herrschenden längst verlassenen und teilweise schon zerfallenen „Bollwerke“ gegen die anstürmenden „Barbaren“ zu schützen gedenken.
Die quasi faschistische Lega Nord hat das auf den Punkt gebracht: Für Kirchtürme gegen Minarette!
Solche Parolen imaginieren einen fadenscheinigen Schutz, so als stünden die Kirchtürme für Trutzburgen. Das ist ein neuer demagogischer, wenn nicht gar rassistischer Feldzug, der von nun an den Antisemitismus ein treuer Begleiter sein wird.
Und es geht auch nicht im wesentlichen um „Intoleranz“, das ist nur die bürgerliche Version, die kulturalistische, die, den sozialen Konflikt dahinter nur für peinlich hält, für verräterisch, ihn aber bei Gelegenheit gerne schürt.
So ist die Schweiz auch gerade dabei ihre Ausländer wieder los zu werden, selbst die europäischen, denn sie nehmen den Schweizern die Arbeit weg.
Darum geht es, denn das ist der Kern des Themas. Europa rüstet zu neuen Nationalismen, im Windschatten protektionistischer Politik, im Schlepptau neuer Arbeitslosenheere, verführt auch von Massenkampagnen, wie wir sie kürzlich erst wieder von einem zweifelhaften anti-muslimischen Event von ganz besonderer Art vorgeführt bekamen.
Da meldet doch ein bekannter Journalist in Köln eine anti-islamistische Großdemonstration an, eine solche, wie sie zuvor schon in Holland verboten worden war. Jener Journalist fand schon Jahrzehnte zuvor eine Erwähnung in Erich Schmidt-Eenbooms „Undervover“, wo er als Verbindungsmann einer gewissen „Presse“ zum BND genannt wurde (die Rede ist hier von „Udo Ulfkotte“, der früher FAZ-Mitarbeiter war und heute für die BILD schmiert).
Und wenn schon „Intoleranz“, dann kommt sie aus solchen Hinterhalten, wo sie entsprechend aufgeladen wird, kontaminiert gewissermaßen, denn mit politischen Sprengsätzen versehen.

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2 Trackbacks

  • Von Für Menschenrechte nicht dankbar sein, kampfbereit! am 28. Dezember 2009 um 13:58 Uhr veröffentlicht

    […] dankbar sein, kampfbereit! @Lutz: „Wir hier leben in einer Freiheit (zu diesem Begriff vgl. auch: “Kontaminierte Intoleranz”), deren wir uns endlich bewusst sein müssen. Wir sollten dankbar dafür sein, in einem Land leben […]

  • Von Nicht die falschen Freunde einladen am 20. Januar 2010 um 13:46 Uhr veröffentlicht

    […] führen, sich also keine falschen Freunde einzuladen. So wurde erst kürzlich von einem bekannten V-Mann des BND eine rechtslastige „anti-islamistische“ Demonstration in Köln veranstaltet, eine, die zuvor in […]

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