Über den Placeboeffekt in der positiven Wissenschaft

Über den Placeboeffekt in der positiven Wissenschaft
@Don Alphonso/Andrea Diener: Wir glauben doch auch an Gott, warum sollen wir nicht an Schutzengel glauben, die gehören doch zusammen, oder habe ich da was missverstanden – im Religionsunterricht?
Im Übrigen bin ich einigermaßen erstaunt über das esoterische Wissen Frau Dieners, angesichts ihres Unwillens darüber was zu wissen. Fleißige Arbeit, alle Achtung.
Nur in einem Punkt müsste ich sie etwas korrigieren, bzw. eigentlich auch nur ergänzen: Bakterien sind selbstredend Energieträger, neben dem Hämoglobin – genau genommen also kein Widerspruch -, welches wir, wenn wir einen ungewaschenen Apfel – frisch von Nachbars Baum gepflückt, sozusagen -, und einmal kräftig über den Ärmel geputzt, zu uns nehmen. Und ich möchte nicht wissen, was sich da für Energie auflädt, in dem Moment, wo wir diese Bakterien über den Ärmel schmieren, und dort mit anderen Bakterien mischen. Das Problem mit der Energie, die in lebenden Organismen gebundene Energie, und wie diese mit der Umwelt – der ungebundenen Energie – interagiert, scheint mir immer noch nicht völlig begriffen. So wissen wir, dass ein Salat, den wir eine Woche in den Kühlschrank legen, wohl noch frisch aussehen kann, aber im Prinzip wertlos ist, bis auf die Cellulose, die wir dann eigentlich anders verwerten sollten, als sie noch uns zu nehmen. Von „Energie“ keine Spur mehr, totes Gewebe. Denn die ist entschlüpft, mit dem Absterben des Organismus. Entschlüpft aber wohin? In das umliegende Chaos, dem kosmischen, vermutlich! Sie soll ja nicht verloren gehen, diese kostbare Energie! Dass da eine Wechselwirkung stattfindet, dürfte eigentlich klar sein, nur welche und auf welche Weise?
Bei den Tierkadavern, die wir dann – nach Monaten im Eisschrank – noch zu uns nehmen, nennt man das übrigens Leichengift, was sich da gleichzeitig zum Energieschwund mit angereichert hat. Das ist kein Thema für die Esoterik, wäre aber eines für die Wissenschaft. Da diese aber aus begreiflichen Gründen – wer will sich schon mit der Fleischmafia anlegen? – dazu hartnäckig schweigt, übernehmen halt Scharlatane die Deutungshoheit.
Das dürfte das eigentliche Problem sein. Der Bürger scheint mir vor allem verunsichert und weniger verblödet, naja, bis auf die, die ihren Schutzengeln trauen, da kann man aber auch gleich dem Innenminister vertrauen. Apropos Innenminister: wie hoch ist denn der Prozentsatz derer, die an die Integrität dieses Staatsapparats noch glauben (von dem Glauben an unsere positive Wissenschaft mal ganz abgesehen) und einer Volkszählung freudig entgegen liefen?
Nur zum Verständnis meiner Kritik an dieser positiven Wissenschaft – zum Innenminister habe ich an anderer Stelle genug gesagt: Kürzlich hielt ich eine Werbeschrift der deutschen Milchwirtschaft in den Händen, ausgehändigt an meine durch Osteoporose so geplagte Mutter, von ihrem Hausarzt. Seitenlang wurde da meine Mutter darüber belehrt – ich wollte schon aufschreien ob dieser neu erlangten Weisheit unserer Schulmedizin – , dass die Nettobilanz von Kalzium in Milchprodukten negativ sei, also eher wohl schädlich als nützlich in ihrem Falle, wegen des Phosphors in tierischen Produkten nämlich, und doch empfahl man ihr zum Schluss der Lektüre Milchprodukte zu genießen. Es könne ja nicht schaden, wenn es der Landwirtschaft nützt, sagte man so nicht!
Aber offenbar glauben diese Ärzte mehr an den Placeboeffekt des guten Rufes ihres Standes – meine Mutter zumindest zweifelte bis dato daran nicht – als an die definitive Wirkmächtigkeit ihres gepriesenen Produkts. Das war allerdings vor dem Streik der Bauern, vielleicht wird die Broschüre ja jetzt überarbeitet.

Genuss mit Augenmaß
Oh, Sie haben da noch einen privaten Blog, gefällt mir. Sehr weiblich (ich weiß, Sie hören das nicht gern). Und die Straße, August-Bebel, sagt mir natürlich was, ist die nicht da in…? Naja, muss ja nicht jeder wissen, wo das ist! Aber Small Talk beiseite, das ist natürlich wahrlich Realsatire, wie ein Blogteilnehmer feststellte. Und genau so möchte ich meine Position hierzu nicht verstanden wissen. Ich kenne wohl Vegetarier-Sein, meine Mutter war eine, meine Tante, eine frühere Beziehung, ich immer nur mitleidend. Doch sind mir dabei einige wichtige Dinge aufgegangen, wenn man das Thema etwas globaler, und nicht nur bzgl. einer eigenen gesunden Ernährung betrachtet. Dass Fleischkonsum, so wie wir ihn, das heißt die fleischkonsumierende westliche Welt, betreiben, ein Ärgernis für die Welternährung und vermutlich auch für das globale Klima sind, gehört ja mittlerweile zum Allgemeinwissen. Und dass die armen Kreaturen, die da so hingeschlachtet werden, für dieses Privileg, im allgemeinen mies bis obermies behandelt werden, wohl ebenso. Aus diesem Grund und anderen Gründen halte ich Fleisch für kein zeitgemäßes Nahrungsmittel mehr, sehr wohl aber für ein Genussmittel. Eines, dass irgendwann auf dem Verbotsindex stehen könnte. Wie so viele andere Dinge, deren Genuss der Kapitalismus verdorben hat. Und doch bin auch ich Genussmensch, aber dann eher im epukuräischen Sinne. Genießen können, heißt auch verzichten können, Prioritäten haben. Und genau das ist das Problem unserer Fleischkultur, sie ist außer Rand und Band, will heißen: ein einziger Vernichtungsexzess. Im Übrigen halte ich das Geschwätz aus jener Bio-Szene zum Beispiel über „fair trade“ usw. für reine Ersatzhandlung. Anstatt gegen die Ausbeutung und Unterdrückung jener in die Milliarden gehenden Bevölkerung – und deren Lebensraum – wie auch gegen das sinnlose Massaker an den zum Verzehr gedachten Kreaturen, zu kämpfen (mal abgesehen davon, dass der Genuss selber streckenweise absurd geworden ist, so stinkt die ganze Region um Parma zum Beispiel nur nach Schwein und Gülle – entsetzlich), gönnt man sich sein gutes Gewissen, eingenommen mit einer Tafel Schokolade aus „fair trade“, wenns einem danach ist. Dafür zahlt man auch gerne ein wenig mehr, wenn ansonsten der (Sicherheits-)Abstand stimmt und der Geldbeutel das erlaubt.

faz.net/blogs/ding/archive/2009/11/06/die-schuessel-und-das-pendel-im-esoterikladen

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