Neue deutsche Militärpolitik

Neue deutsche Militärpolitik
@Crocusé: Ich verstehe wohl Ihre Absicht, aber diese ganze Debatte darüber, ob der Einsatz grundgesetzwidrig oder nicht ist, ist ein Nebenkriegsschauplatz. Es wird wohl dazu kommen, dass das Grundgesetz, entsprechend den neuen Ansprüchen des Kapitals an die Armee, geändert werden wird. Vielleicht war es gar ein schwerwiegender Fehler der großen Koalition, das versäumt zu haben. All zu sehr war sie wohl damit beschäftigt den tatsächlichen Zustand als Krieg zu leugnen, wissend auch, dass ihr das selbst im konservativen Lager nicht mehr Einfluss gebracht hätte. So werden halt Tatsachen geschaffen und dann das Recht geändert – eigentlich war es nie anders in der Geschichte. Aus deutscher Sicht ist die Afghanistangeschichte mehr als nur ein Bündnisfall, es ist der Testfall für eine weitestgehend unabhängige Militärpolitik, das Terrain zu Erprobung neuer Unabhängigkeit. So war der BND maßgeblich am Aufbau der Taliban, seinerzeit in Pakistan, beteiligt, und so manches dürfte auf eigene Rechnung gemacht worden sein. Vielleicht daher die (etwas verspätete) Rache der USA im Fall Oberst Klein. So ein kleiner Denkzettel kann nicht Schaden, diesen frechen Deutschen, denn dass Deutschland am Hindukusch verteidigt werde, kann auch als anmaßende Drohung zu verstehen sein.

Die Kolonialgeschichte, die Niederlage der Sowjets und die Rache der USA
@Peters: Sie mögen recht haben, bzgl. der Kolonien, die in die Unabhängigkeit zu entlassen waren, aber definitiv wurden sie in eine neue, in eine neokoloniale ,Abhängigkeit geführt, wenn nicht freiwillig, dann hineingeputscht, unter CIA- Führung. Nachzulesen im Übrigen bei Tim Weiners „CIA“. Dies entsprach dem neuen Kräfteverhältnis zwischen den USA und dem Rest der Welt (ausgenommen der Block der damals noch sozialistischen Länder), einem Kräfteverhältnis, das im Grunde schon nach dem 1. Weltkrieg evident gewesen ist. Wenn man so will, hat Nazideutschland, mit seinem 2. Weltkrieg, dies dann endgültig geklärt. Daher ist es mehr als fragwürdig, ob ein ISAF-Einsatz der Maßstab dafür sein soll, ob dort Nachfolgekriege aus der Kolonialgeschichte geführt werden oder nicht. Die UNO wird von den USA wohl nicht für voll genommen, aber dennoch steht sie unter ihrem Kuratel. Allerdings ist es ein wenig dürftig, die ganze neuere Geschichte als Kolonialfolgegeschichte zu begreifen. Der Krieg in Afghanistan wurde im wesentlichen aus 2. Gründen geführt: erstens galt es die Niederlage der Sowjets auszubeuten und nicht zuzulassen, dass unabhängige Kräfte nun an die Macht kommen, zweitens waren die USA verärgert über das geplatzte Pipelineprojekt: aus Rache also.

Rhetorischer Feldzug
@Peters: Die Taliban wurden vom Westen lange unterstützt, auch und gerade noch nach dem Abzug der Sowjets. Allerdings setzten die USA noch auf eine 2. Karte – die Nordallianz. In dieser Zeit spielte sich auch die Sache mit den Pipelines ab. Wurden die Sowjets doch nicht nur aus diesem Grund vertrieben, sondern es wurden auch die Beziehungen zur Familie Bin Laden aufgebaut. Was auch immer die Gründe waren, das arrogante Auftreten der Firmen Enron und Haliburton, dürfte den Taliban deutlich gemacht haben, dass sie nur die Tastatur auf dem Klavier sind, was jene us-arabische Virtuosen dort spielten, zumal noch dieses Öl aus ehemaligen Sowjetrepubliken fließen sollte. Das war das Todesurteil für die Taliban und der Grund für den Krieg. Kein Interesse an Afghanistan?, nun so richtiges Interesse an der Verfolgung des „Teufels Bin Laden“ in Afghanistan, wo doch zwischenzeitlich der Irak-Krieg jene Präferenz erhalten sollte – trotz der „arabischen Verschwörung um 9/11“ -, meinten Sie wohl? Mit dem Irak-Krieg sicherten sich die USA den Zugang zu genau jenen Pipelines, die sie in Afghanistan, nun auch trotz Verfolgung eines Bin Ladens, so schnell nicht bekommen sollten. Aber der rhetorische Feldzug gegen den Terrorismus, erwies sich als nützlich, für jeden Krieg.

faz.net/Afghanistan-Einsatz:Guttenberg: „Kriegsähnliche Zustände“, 03.11.09

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  • Von Kompetenzgerangel am 7. November 2009 um 12:06 Uhr veröffentlicht

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    […] diese Werte? „Wert“ sind sie – Mehrwert. Mag sein, dass es den USA anfänglich noch um eine Ölpipelinedurch Afghanistan gegangen war, inzwischen geht es dort um noch höhere Werte, als den aus dem […]

  • Von Das Kapital gehört an den Pranger am 27. Januar 2011 um 18:47 Uhr veröffentlicht

    […] ja schließlich auch Ergebnis einer Politik ist, Krisen zu verschleppen. Dass staatsnahe Firmen wie Haliburton, die im Irak Aufträge erhielten, zum Wiederaufbau, bevor dem Irak der Krieg erklärt war, macht […]

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