Didaktik wieder reaktionäres Denken?

Didaktik wieder reaktionäres Denken?
@brunke: Ich will Sie nicht beleidigen, aber ist Ihnen schon mal in den Sinn gekommen, dass Sie bei der Lektüre von Marx an die Grenzen Ihrer geistigen Konzentrationsfähigkeit kommen? Es ist naiv, den Lehrenden dafür zu schelten, wenn der Belehrte unbelehrbar bleiben möchte. Und doch würde ich Ihnen ja gerne entgegen kommen, aber ich befürchte, dass Ihnen das für den Zweck Ihrer Polemik nicht ausreicht. Natürlich ist die hegelsche Dialektik, in die Marx vor allem in seinen Anfängen eingewickelt war, stellenweise eine Zumutung. Sie wissen vielleicht, dass Marx diese Dialektik auf die Füße gestellt haben wollte. Und ich denke, dass dies ihm auch methodisch zunehmend gelang. Nehmen Sie seine politischen oder manche seiner rein philosophischen Schriften, wie „Kritik des Gothaer Programms“, oder „Das Elend der Philosophie“, wo er sich im ersteren mit dem schon sich früh abzeichnenden Opportunismus der deutschen Sozialdemokratie und im letzteren mit den ideologisch-philosophischen Wurzeln eines solchen Opportunismus befasst. Keine Didaktik schafft es gewissen Hofphilosophen wissenschaftliches Denken beizubringen, wenn diese sich von den traditionellen und solchermaßen reaktionären Einflüsterungen ihrer Hausherren nicht befreien möchten.

Die optische Täuschung eines positivistischen Strukturalismus‘
Dass der Mensch eine optische Täuschung sei, ist wohl Standard in einem relativistischen Denken. Und ja, der Strukturalismus ist letztlich relativistisch. Es ist dies eine Täuschung, die vom positivistisch verkürzten Materialismus ausgeht, einem solchen, der nur unterscheidet zwischen Dingen und vielleicht Noch-nicht-Dingen, bzw. dem „Ding an Sich“ (Kant). Letztlich ist es ein im Objektivismus befangenes Denken, nämlich jenes, das das Subjekt in seinem Wirken – nicht nur auf das Objekt, sondern auch im intersubjektiven Sinne, dies aber im gesellschaftlichen Kontext – völlig unterschätzt. Eben nicht gemäß konstruktivistischen Vorschlägen schafft das Subjekt Wirklichkeit, sondern das Subjekt ist kohärenter Teil der Wirklichkeit, ja ihr unmittelbarer Beleg. Allerdings sind Gesellschaftlichkeit wie Bewusstsein die Determinanten hierfür. Kurz: Das Subjekt kann nur als gesellschaftliches Ganzes, ggf. in Klassen, aber eben nicht in Individuen, und schon gar nicht als ein unbewusstes gedacht werden. Der Maßstab hierfür sind die Ausmaße menschlichen gesellschaftlichen Bewusstseins, dessen Wirkungsgrad, und weder „wildes Denken“ noch esoterisch-kosmisches.

faz.net/Claude Lévi-Strauss im Interview: Der Mensch ist eine optische Täuschung, 05.11.094

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Ein Trackback

  • Von Im Kreisen um uns selbst am 1. September 2010 um 17:23 Uhr veröffentlicht

    […] da schon eine ganze Reihe merkwürdiger Köpfe auf die Welt gebracht, den kürzlich verstorbenen Lévi-Strauss, z.B., um nur noch einen von ihnen genannt zu haben. Strukturalist, wie er, sind sie wohl alle – […]

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