Mehr Tiefgang bitte!

Mehr Tiefgang bitte!
Da bin ich nun wieder aus Kreta zurück – ach ja, hatte das ja nicht mitgeteilt, das Reiseziel; und damit hätte sich auch die Frage von Hugoservatius erledigt: nein, mit dem Wohnmobil war ich nicht dort, ich habe gar keines mehr! – und lese nun folgenden Satz:„Und hätten die besitzenden Fonds für die Finanzierung der Geschäfte die Sparkasse genommen, und nicht, wie in diesem Geschäft zwischen Zürich und London heute üblich, eine Bank, für die Europa weit entfernt ist, könnte es vielleicht noch eine Weile so weiter gehen…“
Das einschränkende „vielleicht“ ist es, was mich diesen Satz gerade noch so ertragen lässt. Oder ist das wirklich Ihr Glaube, lieber Don Alphonso, oder ehe nur ein die Vergangenheit nicht bewältigen wollendes (die Gegenwart nicht begreifen könnendes) Geseufze?
Jetzt mal abgesehen von den zumeist ebenso kriminellen Geschäftsgebaren der Sparkassen in dieser nun vorerst letzten Finanzkrise, kann es doch nicht angehen, dass sie glauben (machen wollen), dass eine nationalistische Politik die Alternative zur Globalisierung ist!
Da wären Sie ja fast bei Lafontaine?
Mein Gott, hat mir das gut getan, 14 Tage keine Zeitung lesen, keinen Computer anmachen. Hat es mich doch jetzt wieder, dieses mich anöden wollende Dasein als Kritiker solcher und ähnlicher Halbheiten.
Was macht denn einen Lafontaine (oder auch einen Gysi) so gefährlich? Doch nicht, dass er ein Linker ist, das glauben doch nur die, die die Kinder immer noch vor dem „schwarzen Mann vor der Tür“ zu erschrecken suchen. Nein, dass er eben kein Linker ist, sondern ein rechter Populist, mit abgestandenen altlinken – also als solche eben keine linken – Sprechblasen vor sich her pustend.
Und hinter solchen Sprechblasen, da finden wir sie, all jene, die glauben machen wollen, dass man das Kapital mit dem Kapital bekämpfen könne. Mit der Bundesbank gegen den Rest der Welt. Wenn es da nicht einen Clown, namens Sarrazin geben würde, man müsste es fast glauben.
Aber dort herrscht längst der deutsche Spießer. Der, der den Kleinbürger – den Mittelstand – gegen die Türken, Araber und sonstigen Moslems zu schützen vorgibt.
Wen wundert es da noch, dass dieser Sarrazin ein Sozialdemokrat ist, so wie Lafontaine eben auch einer war, und immer noch ist? (Siehe: Welche Rolle spielt eigentlich Frau Merkel?)
Es ist unglaublich, wie diese Mafia des Kapitals sich jedermann als Biedermann anbiedert.
Also lieber Don, wo bleibt Ihr Tiefgang? Oder wollten Sie uns da einfach nur mal testen, inwieweit wir „nachdenken“? Ist ja der Titel Ihres Themas!
Ach ja, wenn wir schon mal beim Thema Mafia sind – und Griechenland, wo ich gerade herkomme: Es ist übel, noch übler, was dort so vor sich geht. Nicht nur, dass die Kreter, so wie der Rest der Griechen ihre wunderschöne Insel zum Meer hin zubauen (man kommt nur durch den Seiteneingang gewisser Hotels an den Strand!) so nehmen sie ihr Volk, im Namen des Euros auch gewaltig aus. Das Leben ist teuer dort, so teuer, dass es einem als Deutschen geradezu erbarmt. Noch scheinen wir als die Gewinner dieser Globalisierung, der vorerst europäischen. Während hier die billigste Butter für 80 oder gar 70 Cent zu bekommen ist, ist sie dort unter 1,80 Euro nicht zu haben, die gleiche Butter. Und der deutsche Bauer, so ärmlich seine Verdienste im Moment auch sind, seine Milch wird dort auch angeboten, bei Lidl und Co. – Nicht zum selben Preis, wie hier, ein wenig teurer, aber konkurrenzlos billig, gegenüber den griechischen Produkten.
So weit zum Thema Nationalismus, Globalisierung, die Rolle der Banken, die Konkurrenz und die Mafia.

Wieso unterschätzen?
@Don Alphonso: Ich rechne das Ihrer Erkältung zu, dass Sie offenbar selbst nicht mehr wissen, wie tief auch Ihr Geplauder sein kann. Also: ich sehe da grundsätzlich keinen Widerspruch. Man kann nämlich oberflächlich und eben auch mit Tiefgang plaudern. Und was die Sparkassen angeht, verstehe ich nicht ganz Ihren Einwand. Ich dachte eher, Sie würden mir vorwerfen, dass ich sie überschätze. Aber unterschätzen? Um es deutlich zu machen: Sparkassen wie Landesbanken sind nicht nur geeignete Kader für die Politik, sondern selbstredend hängen sie auch an deren Gängelband. So wäre eine Frankfurter Sparkasse ohne die Einlagen und Transaktionen der Kommune Frankfurt/Main kaum eine Bank zu nennen, trotz ihres enormen Filialnetzes. Sie ist definitiv nicht nur die Hausbank, sondern quasi die Hofbank der Stadt Frankfurt. Und was zum Beispiel die WestLB im Zusammenhang mit den Mächtigen in NRW für eine Geschichte hat, muss ich hier ja nicht mehr loswerden. Hier stellt sich das Machtverhältnis etwas anders als gewöhnlich dar. Nicht diese Banken sind selbständige reale Machtfaktoren, sondern nur über jene sind es vor allem gewisse Politiker. Politiker, die sich damit ihren ganz persönlichen Anteil am Kapital, resp. am Finanzkapital verschaffen. Das Verhältnis zwischen Politik und Kapital wird über gewisse Landesbanken und Sparkassen neu definiert. Die Spitzen der Politik sind somit nicht mehr nur „Offiziere des Kapitals“ (Karl Marx), sondern unmittelbarer Teil hiervon. Aber auch das Privatkapital hält sich so manche Sparkasse. So zum Beispiel die Familie Quandt die Taunussparkasse. Auch dadurch wird ein wenig an den üblichen Machtverhältnissen zwischen Kapital und Finanzkapital gedreht. Genau genommen ist allein dadurch das Haus Quandt Finanzkapitalist, und viel weniger produktives Kapital, trotz dessen Anteile an BMW und Co.
Aber Sie haben natürlich recht, das alles ist nur Geplauder, denn eine Analyse ist das definitiv auch nicht. Denn diese müsste aus der gesamten Kapitalswirklichkeit heraus die Rolle jener Sparkassen und auch Landesbanken erfassen und nicht umgekehrt, die Rolle von Teilen der Kapitalswirklichkeit aus den Sparkassen heraus.

faz.net/blogs/stuetzen/archive/2009/10/12/die-entdeckung-des-nachdenkens-in-der-leicht-verstoerten-provinz

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