So dunkel wie der Grenzschutz rassistisch

So dunkel wie der Grenzschutz rassistisch
Wie Alter Bolschewik, neige auch ich dazu, das Fahren im Öffentlichen Nahverkehr nicht grundsätzlich zu abzulehnen, obwohl auch ich ungezählte unerträgliche Erfahrungen machen musste. Von gefährlichen Begegnungen mit Jugendbanden in einer S-Bahn in Frankfurt bis hin zu einer Rempelei, die meiner Frau fast das Genick gebrochen hätte (ich übertreibe nicht, rammte da doch ein wie auf der Flucht Rasender meiner gerade aussteigen wollenden Frau den Ellbogen in den Hals – Halskrause und Schädeltrauma, wie nach einem schweren Unfall, waren die Folge). Und doch sind mir die Autofahrer die unliebsamsten Asozialen auf den Straßen. Nur in der Schweiz habe ich ein Autofahren kennen gelernt, das auch und gerade dem Fremden gegenüber mehr als eine Höflichkeit darstellt – gelassen, ruhig und vorausschauend, und eben nicht fremdenfeindlich. Man merkt, dass die Schweizer, außer ihren Befreiungskriegen, noch nie Krieg geführt haben, und somit auch keine Ersatzkriege nötig haben. Während im Öffentlichen Nahverkehr die Not der Enge regiert, nötigt der Autoverkehr die Menschen zur Enge, ja zur gefährlichen Nähe, und zwar ohne Not, in aller Regel. Was das Fliegen angeht, wie da einer beschönigend gegenüberstellt, da gefällt mir beinahe gar nichts mehr, selbst dann, wenn ich 1. Klasse flöge (das Essen, die Sitze und das nettere Personal wären da wohl noch von auszunehmen). Am übelsten sind die sog. Gesichtskontrollen direkt nach der Ankunft am Flughafen, da wo keine Passkontrolle mehr herrscht. So geschah es einem Freund von mir, mit dem ich gerade in Urlaub war – auf Kreta -, einem von Haus aus schon dunklen Typ, dass er nur wegen seiner ins Schwarze gehenden Bräune, als einziger in der Meute zum Ausweisvorzeigen genötigt wurde, von jenen Grenzbeamten. Ich kam gerade noch davon, denn ganz so dunkel war ich offensichtlich doch nicht geworden. In Kreta dunkelt man von der Luft. Das Ganze war peinlich, oberpeinlich. Mein Freund ist Iraner, und war bisher Stolz darauf, noch keinen deutschen Pass beantragt zu haben. Nach diesem Vorfall möchte er das immer noch sein, stolz und Iraner, wahrscheinlich sogar mehr denn je, denn er ist ein stolzer Iraner, wenn auch ein definitiver Antinationalist, neigt nun aber doch dazu, diese seine Haltung zu ändern, der erlittenen Demütigung wegen. Unnötigerweise, wie ich meine, denn er bleibt so wie er ist: dunkel, so wie dieser Grenzschutz rassistisch.

faz.net/blogs/ding/archive/2009/10/08/warten-draengeln-ignorieren-der-oeffentliche-nahverkehr

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