Nicht billig aber mobiler

Wasser, Wasser, überall Wasser!
Ich liebe Bergamo. Habe dort früher immer wieder mal – auf meinen Wegen durch Europa (mit dem Wohnmobil – VW-Bus, Typ II, Westfalia-Ausbau) – Halt gemacht. Überall fließendes sauberes Quellwasser, ein Schloss zum ausruhen, selbst die öffentlichen Toiletten sind dank der ständig diese überspülenden Quellwässer sauber. Auf dem kleinen Parkplatz vor dem Schloss (kurz vor der Citta Alta) kann man ein, zwei Tage campieren, ohne Ärger zu erregen (mit so einem kleinen Wohnmobil!), ein Traum für den Wohnmobilisten, und auch ein Genuss von besonderer Art, der Blick auf die Alpen von dort aus, über das Pferdegestüt unterhalb des Schlossparks (den die Sportstudenten für ihre Übungen nutzen) hinweg. Dann zur Citta Alta marschierend – zu Fuß natürlich – hinein in diese Stadt der Pallazis, den Domizilen der Mailänder Bourgeoisie (ich nehme an, daran hat sich nichts geändert), durch die Straßen schlendernd, den Anblick der jungen Leute genießend, die dort studieren oder einfach nur flanieren (und einen frischen Kontrast zu diesem doch recht steril wirkenden antiken Stadtmotiv abgeben), und natürlich die Küche dort genießend. Ich träume davon, das zu wiederholen, fahre nur kein Wohnmobil mehr (habe nach dem 2. Motor das Fahrzeug abgeschafft, zumal meine erste Frau nie das Wohnmobil mochte – im Gegensatz zu unserem damals noch kleinen Sohn -, genau wie meine jetzige Frau übrigens – die Frauen lieben halt den reinen Prunk -, bei der ersten merkte ich das allerdings zu spät), werde dann wohl ein Hotel nehmen müssen.

Schlimmes und Schlimmeres
@Don Alphonso: Oh, es gibt sicherlich unangenehmeres als ein das Wohnmobil verachtendes Weib, aber selten kommt ein Makel allein. Und damit mir das keiner all zu „frauenfeindlich“ versteht: ich kannte auch Frauen, die liebten das Wohnmobil wie auch Bergamo, und doch gab es gute Gründe, diese „Lieben“ zu beenden – meinerseits.

Nicht billig aber mobiler
@Don Alphonso: Günstig ist ein Wohnmobil nicht, wenn man richtig rechnet, aber eben mobiler. Heute hier, morgen dort, und hin und wieder auch dort übernachten, wo man gerade Lust hat – ein wenig Zigeunerfreiheiten: In den Bergen, in den Pässen, an Flussbiegungen, an Seen, manchmal auch mitten in traumhaft schönen Städten…Ich bin einmal in 3 Wochen 6000 km gefahren, immer dem „Monsum“ – beginnend am Luganer See (im Mai!, aber auch der September ist nicht weniger beschissen, aber wem sag ich das?) – davon. Klar, es ist eng, aber die Reise ist erheblich dichter, und das eigentliche Leben spielt sich, wenn nicht gerade als Fahrt, draußen ab. Und doch ist man sicher – zum Beispiel im Vergleich zu einem Zelt – untergebracht. – Einen Knüppel und eine Gaspistole hatte ich allerdings immer griffbereit.
Man lernt die Menschen kennen, man lernt sie zu schätzen und zu fürchten, man lernt sich zu unterhalten, das ist nicht nur einfach ein Reisevorteil, sondern manchmal überlebenswichtig, und: es ist ein Teil einer völlig neuen Welt, die sich einem erschließt. Bevor man sich irgendwo hinlegt zum Schlafen, sollte man vorher mit den Leuten, den Einheimischen, Kontakt aufgenommen haben, das erspart einem so manchen Ärger.
In der Türkei zum Beispiel sollte man nie in der freien Landschaft übernachten, dafür dankt es einem jeder Tankwart, wenn man, um sich seines Schutzes zu vergewissern, ihm vorher, für ein oder zwei Glas Tee (den Tee spendiert er), Aufmerksamkeit schenkt. In Portugal kann man an den Flussläufen übernachten, aber möglichst nicht in den Weinbergen, wenn man nicht für einen Räuber gehalten werden will. In Frankreich übernachte ich am liebsten mitten im Ort, auf dem größten Parkplatz, wo man dann früh auf einem lebhaften Marktplatz aufwacht; und man kann im Bistro vor Ort einen frühen Kaffee trinken. Und niemand schimpft wegen des Wohnmobils, das da rumsteht. Man ist schließlich Gast. – Es sei denn, man ist „Reisendes Volk“ (nette franz. Umschreibung für „Zigeuner“), das fast überall nicht besonders geliebt wird. Aber das ist in Deutschland nicht anders. Nur hier sagt das keiner so offen.
Dafür haben diese „Zigeuner“ in Frankreich ihre eigene christliche Heilige, in St. Marie de la Mer, an der Mittelmeerküste, nämlich die Hl. Sara (die einzige schwarze Heilige, meines Wissens). Dort liebt man diese Leute so sehr, dass an jedem Geschäft eine spezielle Person zu ihrer Begrüßung bereitsteht. Und die Geschäfte möchte man ja machen, eben dankt dieses Tourismus’. Verluste werden dort abgeschrieben, wie überall auf der Welt.
Wie jemals, hätte ich von diesen und jenen Dingen so viel erfahren können, wenn nicht durch das Wohnmobil?

Nicht entschuldbar, aber verständlich
@Don Alphonso: Unsere Geschmäcker scheinen nicht so verschieden, nur mit einem Sportwagen und einem kleinen Kind…? Da ist das Wohnmobil schon praktischer. So war zum Beispiel mein Sohn aus erster Ehe mit knapp 1 1/2 Jahren in die Wohnmobiltoilette so sehr vernarrt, dass er auf der Reise in die Türkei sauber geworden ist.
@Hugoservatius: Also einen „Hymer“ habe ich nie gefahren, ich sagte es schon, es war ein VW Typ II, Westfalia-Ausbau (ein wenig verbessert, da Selbstausbau). Abgesehen vom Mangel an PS sind mir die sportlichen Touren in den Bergpässen mit diesem Prachtstück eines VWs immer noch eine genussvolle Erinnerung – der frisst sich regelrecht in die Kurven, trotz seiner Höhe von gut 3 Metern -, dafür musste ich auf den Autobahnen die Abfahrten zwecks Beschleunigung nutzen, das war manchmal auch recht sportlich. Und selten dass das Fahrzeug länger als eine Stunde nach Essen gerochen hätte, wenn überhaupt, denn gekocht wurde in aller Regel vor der Tür. Und das war oft keine schlechte Küche. Frisch gefangene Forelle im Wechsel mit Wolfsbarsch (vom Mittelmeer in der Türkei), oder frisch gegrillte Seezunge in Spanien, um mal nur 3 Beispiele genannt zu haben. Öfters, vor allem unterwegs, haben wir auch gute Restaurants aufgesucht, vor allem in Frankreich. Und einen guten Wein konnte ich mir dann auch noch genehmigen, da dann meine weibliche Bekleidung, die in aller Regel keinen Alkohol trank, so freundlich war, weiter zu fahren, wenn wir nicht gleich eine längere Pause einlegten.
„Klamm“ waren die Betten nie, denn beim VW Typ II lag die Matratze zum Teil auf der Motorhaube, die im Heck war (bei den Folgemodellen ist das leider anders). Es war also immer mollig warm, so warm, dass man im Sommer die Hecktür offen lassen musste. „Ausgeraubt“ wurde ich in 20 Jahren nur einmal, und das war auf einem Campingplatz in der Türkei, der nur von Deutschen besucht war (da habe ich wohl meinen Instinkt weggedrückt). Und da waren organisierte Banden in Tateinheit mit den lokalen Sicherheitskräften am Werk.
Das was den Frauen (manchen Frauen!) am Wohnmobil nicht gefallen wird, so darf ich mal vermuten (ich lasse mich gerne korrigieren), ist die schlichte Tatsache, dass man als Wohnmobilist selten ein Cocktailkleid mitführt, und man daher abends an der Promenade (wenn man eine solche überhaupt besucht) etwas deplatziert daher käme.
Die Frage bleibt daher, ob Mann und Frau sich wirklich gemeinsam bewusst werden können, was eigentlich Urlaub ist, und ob das Cocktailkleid dabei unbedingt Priorität hat.
Ich selbst hatte in aller Regel nur 2 Pullover dabei, einen hellblauen und einen dunkelblauen, neben der Jeans, den Badesachen, ein paar T-Shirts und der Wäsche. Als ich dann einmal mit meinem 8-jährigen Sohn (das war nach der Trennung von meiner Frau) abends eine Stranddisco aufsuchen wollte, machte mir mein Sohn, wegen meiner sichtbaren Unbeholfenheit, kategorisch klar, was der Herr abends trägt, nämlich dunkel, somit nur der „dunkelblaue“ in Frage käme.
Ich finde, solche Erinnerungen sind es wert, auf die Bequemlichkeiten eines Hotelbettes verzichtet zu haben, wenn ich mal unterstellen darf, dass Kinder kaum die Chance haben dürften, in der sonst üblichen Urlaubsumgebung, ihren Eltern solchermaßen selbstbewusst begegnen zu können . Ich selbst kann mich noch gut erinnern, an den totschicken Anzug, zu dem mich mein Vater immer zwang, regelmäßig zum Sonntag. Nur die Rockerbande, mit der ich mich dann (heimlich) traf, fand das cool, zumal ich mit 15 ehe das Maskottchen (im Dreiteiler!) der Clique war.
Freiheit, die ich schon immer meinte, war auch schon immer die gegenüber gewissen Etiketten. Das gilt ganz besonders aus dem Blickwinkel eines Kindes. Leute/Männer/Väter/Frauen/Mütter die das nicht sehen wollen, erkennen nicht die Nöte einer wirklich glücklichen Kindheit.
Es ist unser Egoismus/Dünkel, der Egoismus/die Versnobtheit des Erwachsenen, der das Kind, das Kind mit uns/in uns, auf ewig begräbt. Frauen/Mütter sind bedauerlicherweise dahingehend nur bestens angepasst, da sie von diesen Snobs abhängig sind, sich in deren Welt behaupten müssen. Und dafür opfern sie manchmal ohne zu zögern das Glück ihrer Kinder, vorausgesetzt sie kennen ein solches Glück überhaupt. Das ist das Motiv für den Hang zum Luxus. Entschuldbar ist das nicht, nur verständlich.

Mehr aus meinem Liebesleben?
@Donut: Sind Sie denn alt genug dafür? Allerdings müssen Sie da noch etwas warten, nämlich bis ich meine Autobiografie veröffentliche. Ich arbeite dran. Und doch wird das ganz sicher kein Erotikthriller, da wären zu viele Persönlichkeitsrechte betroffen. Die meisten Damen sind noch zu jung (und in aller Regel in festen Händen), um ein Outing witzig zu finden.

Wir sind hier nicht bei Facebook
@Hugoservatius: Was soll man dazu sagen? Ich wünsche Ihnen viel Glück mit Ihrer Frau in erster Ehe. Vielleicht schaffen Sie es noch mit Exkanzler Schmidt und seiner Loki Schritt zu halten, mit Spazierstock gar. Was mich angeht, so mag ich Trennungen auch nicht sonderlich – die kosten was: an Kraft, Geld und vor allem Illusionen – ; aber trotzdem habe ich mich dabei nicht unbedingt verschlechtert, wenn man das mal so darstellen möchte. Meine Frauen sind immer jung geblieben (um nicht zu sagen jünger geworden, mit der jüngsten davon lebe ich in 2. Ehe – seit Jahren -, schauen wir mal); einem Unterfangen, was einem in aller Regel nur mit viel Geld oder entsprechender Bekanntheit gelingt (was bei mir definitiv nicht der Fall ist, keines von beidem), wenn man das unbedingt will. Wie schon gesagt: die Frauen müssen sich halt bewähren, in dieser versnobten Welt der Männer! – nicht wahr?
Ich bevorzuge es in möglichst vielen Welten zuhause zu sein (dabei meinen Grundsätzen einigermaßen treu zu bleiben – Frauen mögen das u. U. nicht, doch können sie sich solchen Männern nur schwer entziehen; oh ich ahne es, da wittert schon wieder jemand einen Erotikthriller), und dafür wäre vielleicht die eine Frau zu überfordert gewesen. Eine Frage der Prioritäten.
Wenn Sie wissen wollen, wer oder was ich bin, etwas darüber erfahren Sie in meiner Website, stöbern Sie ein wenig. Aber machen Sie sich nicht all zu viel Hoffnung, wir sind hier nicht bei Facebook.

Galanter als Perlen vor die Säue
@Don Alphonso: Wo anders und zu anderen Zeiten warf man Gold in den Rhein. Wie auch immer: doch allemal galanter als Perlen vor die Säue.

Woher die Macht kommt…
@Dame im Dirndl: Ich verfolge diese – Ihre – Geschichte nun soweit ich sie verstehen kann. Und ich kann nur sagen, dass Korruption, so wie wir sie sehen, nur die „Spitze vom Eisberg“ (Schaupensteiner) ist. Ich behaupte darüber hinaus, dass nicht nur solche supranationalen Gebilde wie ESA oder EU – aber die natürlich bevorzugt – nicht nur korrupte, sondern vor allem die Gesellschaft korrumpierende Organe sind, und dass diese Korruption die Gesellschaft von oben bis unten auffrisst – restlos. Man könnte auch sagen, dass dies die Strafe für den mangelhaften Klassenkampf ist – der von unten.
Noch mehr: Was die da oben – die Großen – machen, machen auch die Kleinen. Mit „Kleinen“ meine ich nicht nur den kleinen Mann (der hat kaum die Möglichkeit, und schon gar nicht die Mittel, wenn auch u.U. ein Motiv, aber genau letzteres scheint mir dort das Problem – ein womöglich zu kurz gegriffenes Motiv) sondern auch kleine Unternehmen, kleine/untergeordnete Behörden …. Die Matrix kopiert sich ununterbrochen, wie ein intelligenter Virus im Netz.
Die Korruption gehört zum Wesen dieser Gesellschaft, ohne diese könnte ein abstrakt/anonym agierendes Kapital gar nicht wirken, ja sich nicht halten. Dessen ganze Wirkung – dessen Macht – kommt von der Korruption. Es sind dies die „Offiziere des Kapitals“ (Marx meinte damit mal ursprünglich die hohen Beamten), die einem Kapital zur Wirklichkeit verhelfen. Ohne diese wäre das Kapital so unwirklich wie ein Gott im Himmel, d.h. dessen ganze Wirklichkeit auf das Glaubensbekenntnis seiner Subjekte reduziert.
Aber Marktgeschehen ist mehr als nur ein himmlisches „Plenum“ (voll thomasscher Engel), es ist ein irdisches Schlachtfeld. Und das Kapital ist irdisch – von dieser Welt -, ebenso wie die Korruption, welche unmittelbar der Evidenz von Klassen und (dem Mangel an) Klassenkämpfen geschuldet ist.
Das ist aus meiner Sicht keine rein juristische Angelegenheit, sondern vor allem eine politische. Zu dieser Erkenntnis dürfte mittlerweile auch der von mir sehr geschätzte Jürgen Roth gekommen sein, dessen juristisch und journalistisch abgesicherten (soweit dessen Informanten da mitspielen) Attacken längst durch politische Konteraktivitäten gestoppt worden sind. Man wird ihn jetzt in die sektiererische Ecke abdrängen, wie den Wisnewski (Das RAF-Phantom), man lese nur seine neue Website www.mafialand.de; es ist dies auch ein Eingeständnis, dass dieser Kampf nicht mehr mit den Mitteln des Journalismus – und schon gar nicht des Rechtsstreits – alleine zu führen ist. Und Blogs sind keine (Volks-)Armee, und wenn sie noch so gut aufgestellt sind.
Das was Sie erlebt haben dürften, kann ich im Kleinen nachvollziehen – mehr sage ich hierzu nicht -; und die großen Fälle kenne ich wie gesagt nur vermittelt, und doch tut es mir leid, wenn ich Ihnen sagen muss, dass Ihnen im Weg vor allem Ihr Glaube an den „Rechtsstaat“ steht. Ihre Gegner – diese haben Sie längst vergessen – und auch die Regierung Schröder dürften Ihnen doch bewiesen haben, dass dem das Recht gebührt, dem die Macht zusteht, es zu nutzen. Recht haben, heißt die Macht haben. Und woher die Macht kommt, da möchte ich Ihnen gerne mit Mao Tse Tung antworten, aber das lasse ich lieber.
Stecken Sie es weg und überprüfen Sie Ihre Strategie, wie vielleicht auch Ihre politischen Überzeugungen, den nötigen Mut scheinen Sie ja zu haben.

Naturpark der Armen im Dschungel des Klassenkampfes
@Elbsegler: Sozialismus – ob „Zwitter“ oder nicht – ist mit allen Merkmalen der Klassengesellschaft „gesegnet“, daher gilt es diesen überzuführen in den Kommunismus, in die klassenlose Gesellschaft. Genau genommen findet der schärfste Klassenkampf daher im Sozialismus erst statt, dort wo es um Sein oder Nichtsein der jeweiligen Geschichte geht. Die Korruption und die Bürokratie (dies sind im Übrigen „Zwitter“) werden daher im Sozialismus, und zwar dort wo sie nicht bekämpft werden, noch einmal ihre volle Blüte erlangen, eine solche, dass selbst der Kapitalismus (der „Rechtsstaat“, der ja nichts anderes ist, als ein gegebenes und verrechtlichtes, aber sehr prekäres Kräfteverhältnis, ein solches, das eben noch nicht diesen Endkampf (wie im Sozialismus) impliziert, daneben wie ein Paradies erscheint. (Dieses Paradies ist allerdings ein gefährliches, nämlich ein solches, das die Nervenzellen wie ein Opiumnebel umhüllt.)
Der Rechtsstaat ist das „Paradies“, das zum Naturpark gerodete Habitat der Armen, so wie die Religion das „Opium des Volkes“ (Marx) im Übrigen – und das ist nicht nur eine metaphorische Beziehung, sondern beides ist kohärent zueinander. Sozialismus wagt den Schritt hinaus, in den gefährlichen Dschungel, verlässt den Naturpark, die geflieste Konsummeile, die Fabrik der Mitbestimmungen. Klassenverhältnisse werden täglich neu ausgefochten und dementsprechend auch ihre rechtlichen Entsprechungen. Das politische System ist ein Übergangssystem, definitiv nicht völlig verrechtlicht, wahrlich politisch, ein Bürgerkriegszustand. Das ähnelt durchaus – rein äußerlich betrachtet -, faschistischen Verhältnissen, auch diese sind ein Bürgerkriegssystem, nur dass im Faschismus die Konterrevolution die Bedingungen diktiert, dort die Oberherrschaft besitzt (und den Klassenkampf natürlich unterdrückt) und somit ebenfalls keine festen rechtlichen Verhältnisse zulässt. Das ist auch der Grund warum der Sozialismus, der die Farbe gewechselt hat, unmittelbar zum Faschismus geworden ist – also von wegen „Zwitter zwischen Kommunismus und Kapitalismus“; die Niederlage des Sozialismus endet immer im Faschismus. Und der Faschismus zielt nicht auf die Ablösung der Klassengesellschaft, sondern auf die Abwürgung dessen Erscheinungsformen; er hat mit dem Sozialismus nichts gemein. Allerdings ist auch ein jener ein Dschungel, aber als solcher die Strafe für die Fehler im Kampf gegen das Kapital, die „volle Konterrevolution auf eine halbe Revolution“ (Marx).

@MD: Rheingold
Ich freue mich über jeden weiterführenden Beitrag. Und da Sie sich hier offenbar auskennen, empfehle ich Ihnen auch die Lektüre eines anderen Leserbriefes von mir, im Blog „Biopolitik“, hier in der FAZ. Lesen Sie „Herren- und Knechtsseelen“, unter:faz.net/blogs/biopolitik/archive/2009/09/21/nibelungenaufbruch-und-der-pflegenotstand

@Die Dame im Dirndl
Schaupensteiner ist ein kluger Kopf, aber es ist ein bürgerlicher, dieser Kopf. Ich erwarte nicht, dass er das System durchschaut, nicht mal das rechtliche. Warum ist er wohl als Staatsanwalt für die Korruptionsbekämpfung bei der Stadt Frankfurt gescheitert? Man ließ ihn dort machen, solange er sich nur mit den kleinen Fischen abkämpfte. Warum ist er zur Bahn gewechselt? Doch wohl nicht nur, wegen des Geldes! Und auch dort ist er gescheitert, so richtig gescheitert, beinahe hätte es ihn dort selbst diesen bürgerlichen Kopf gekostet. Und nun muss er den Spießrutenlauf zurück machen. Ich möchte nicht in seiner Haut stecken.

Die Götterdämmerung als Herausforderung begreifen
@M.D: Sie haben natürlich recht, aber es ist Wagner angesprochen worden, und wieder mal wurde mit einer modernen Interpretation versucht, diesen Wagner im reformistischen Sinne gesellschaftsfähig zu machen/zu halten. Man kann das tun, aber ein revolutionäres Stück verträgt sich nicht mit solchen Entstellungen. Mit Wagner und unter Wagner ist der „Ring“ revolutionär zu verstehen gewesen, und dies selbst hinter der schwülstigsten Deutschtümelei. Reaktionär war der Missbrauch der Nazis im Bündnis mit Wagners Erben. Heute hingegen ist die sozialdemokratische Verstümmelung eines Wagner weit reaktionärer. Es sind die Zeiten, die sich geändert haben, und vielleicht nicht unbedingt die Menschen; die ‚Gestalten‘ müssen im historischen Kontext begriffen werden.
Wagner und Hölderlin waren beides Urgestalten eines deutschen Widerstandes, den man so oder so begreifen kann, widersprüchlich eben, wie die ganze deutsche demokratische Bewegung. Wagner deutschtümelnd, Hölderlin gottesfürchtelnd, aber auch demokratisch wie heroisch. Eine revolutionäre Bewegung kann ohne die beiden letzteren nicht auskommen, ersteres ist ehe obsolet, und das sollten wir daher dieser seicht gewordenen Bourgeoisie nicht so einfach schenken.
Es geht nicht um Sozialreform – um Almosen, um Knechtsbettelei -, sondern um soziale Revolution, und da ist es wichtig den Heroismus wieder zu finden, nicht den falschen, den aufgesetzten, den wilhelminischen, den faschistischen, sondern den der Massen, den der der Bestechung durch die „Verrechtlichung“ der Armut trotzt. Die Kultur, auch die bürgerliche, die vormals revolutionäre, bleibt unverzichtbar, da das Volk sich dort wiederfindet, wenn auch vorerst nur in den hinteren Rängen. Und eine solche Kultur ist und bleibt urdemokratisch.
Die Forderung nach Mindestlohn und der Pflegenotstand sind beides symptomatisch für eine untergehende Klassengesellschaft. Wenn ein revolutionäres Subjekt da nicht mit untergehen will, muss es sich konsequenter aufstellen. Nicht Mindestlohn, sondern Maximallohn, ist die revolutionäre Forderung, nicht Arbeit um jeden Preis, sondern Arbeit um die besten Bedingungen. Letzteres treibt die Gesellschaft über sich hinaus, denn die Arbeit als solche ist um keinen Preis und für keine Bedingung mehr zu halten. Es offenbart den Grundwiderspruch. Die Produktivkräfte rütteln an den Grundlagen der Klassengesellschaft, an den Produktionsverhältnissen, der Arbeitsgesellschaft, an der Ausbeutung durch das Kapital (und nicht nur an der Finanzwirtschaft). Und nicht der Pflegenotstand ist das Grundübel für die arbeitende Klasse, sondern die Gier nach der Notstandsregierung seitens der Herrschenden, die sich angesichts dieser Problemlagen nicht mehr zu helfen wissen.
Die „Götterdämmerung“ mag sich auf Seiten der Herrschenden als Pflegenotstand darstellen, seitens des Volkes sollte sie als Herausforderung, als Möglichkeit, begriffen werden, als vielleicht einmalige gar.
Die Gesellschaft altert, die Klassen tun es auch, machen wir sie frisch, oder gehen wir unter.

faz.net/blogs/stuetzen/archive/2009/09/23/briefe-aus-stresa-iv-die-bankiers-an-der-gurgel

www.pdf24.org    Sende Artikel als PDF   
Dieser Beitrag wurde in Blogs veröffentlicht. Ein Lesezeichen auf das Permalink. setzen. Kommentieren oder einen Trackback hinterlassen: Trackback-URL.

Ein Trackback

  • Von Dantes „schwarze Messe“ für die Herrschenden am 4. April 2011 um 21:26 Uhr veröffentlicht

    […] als „unpassend“ entlarvt. (Manche erinnern sich vielleicht noch, wie ich mal versuchte, das Thema „Wohnmobil“ in diese erlauchte Runde einzuschmuggeln, und wie ich da als „Alien“ gewissermaßen schnell erkannt war. Und das, obwohl auch ein […]

Einen Kommentar hinterlassen

Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.