Scheffeln für die Geschmacklosigkeit eines solchen Seins

Scheffeln für die Geschmacklosigkeit eines solchen Seins
@HansMeier555: Das beste Beispiel scheint mir ein gewisser Herr Schlecker zu sein. Man hat kein aktuelles Bild von ihm. Wie ein Gespenst wirkt er am Schicksal so vieler 1000er, so wie er diese demnächst alle entlassen wird, um dann neues Personal für maximal die Hälfte des bisherigen Aufwandes einzustellen, durch eine von ihm eigens dafür gegründete Zeitarbeitsfirma, versteht sich – mit Sitz im Osten Deutschlands. Er scheffelt dafür wohl eine weitere Milliarde und repräsentiert im Gegenzug dazu nur noch die Geschmacklosigkeit eines solchen Seins.

Wozu repräsentieren?
@Don Alphonso: Man kann Schlecker natürlich ignorieren oder besser: boykottieren. Ich tue das bei so einigen (nicht nur) „Diskountern“. Das Problem ist nur, es gibt derer so viele! Und es bleibt die Frage, ob der Konsument wirklich die Macht ist, in die er sich da hinein imaginiert? Das Schicksal der Beschäftigten dort ist wenigstens so ernst zu nehmen, wie dasjenige eines Herrn Schlecker eigentlich unernst zu nehmen wäre. Es ging mir auch nicht um diesen Punkt – Seife hin, Seife her -, sondern um die Darstellung der „da oben“, derer die da so ungeniert Klassenkampf betreiben, ohne sich dabei auch nur einmal gezeigt zu haben. Es gibt wohl gar keine bessere Metapher für die Anonymität des Kapitals, als eben genau diesen Schlecker. Und eben genau dies will mir doch in einem kohärenten Verhältnis zu den hier beschriebenen Prunkbauten (vergangener Bourgeoisherr(sch)lichkeiten) stehen. Wie will man herrschen ohne zu repräsentieren, oder muss es lauten: wozu repräsentieren, wenn man eigentlich gar nicht mehr „herrscht“, bestenfalls als ein Skandalon herumgeistert. Wo wird denn der Reichtum zum Maßstab – zum legalen Maßstab – gemacht? Die Reichen werden statistisch auf jeden Fall geleugnet, ansonsten verkriechen sie sich in ihren Villen. So gibt es keinen Reichtumsbericht, sondern nur Armutsberichte (die Reichtümer sind bestenfalls kaschiert, die Armutsberichte natürlich auch, aber bei weitem nicht so verschämt). Man spricht vehement dort von Mittelstand, wo man die herrschende Bourgeoisie meint, die Kapitalistenklasse (siehe: faz.net/„Zwei Kategorien von Nicht-Nettosteuerzahlern“, und: „Wer ist dann die Mittelschicht?“ – „en passé“ müsste es natürlich heißen – ein Übertragungsfehler).

Wie Armut Arbeitsplätze schafft
@Dipsy: „so arm sind auch die Armen in dieser Republik nicht“. Sorry, dass ich jetzt erst antworte, aber ich war etwas irritiert, sowas hier zu lesen. Ich frage mich, ob Leute, die solches sagen, ein wenig zu blasiert, unwissend, versnobt oder einfach nur ignorant sind. Ich denke fast, von allem etwas. Armut kann man nicht an der Armut in anderen Verhältnissen messen. Und ich nehme an, dass solange die Leute hier nicht so arm sind wie eine Rikschakuli in Kalkutta, erkennen Sie in Deutschland keine Armut. Die Armut in Deutschland ist die der Armen in Deutschland, in deren Verhältnis zum Reichtum – hier! Daher gehört beides zusammen! Mit Reichtum meine ich letztlich, den von der Gesellschaft geschaffenen, welcher von wenigen angeeignet wird.
Ähnliches gilt für „effiziente Bekämpfung würde Arbeitsplätze in dieser Industrie kosten…“. Leeres Gerede und/oder neoliberale Propaganda. Es sei denn Sie meinten, dass Arbeitsplätze nur noch da sind, weil wir einen festen Arbeitslosensockel haben. Einen solchen nämlich, der den noch Arbeitenden ständig vor Augen führt, was ihnen blüht, wenn sie auf dumme Gedanken kommen. So was schafft natürlich Arbeitsplätze. Hierin wäre ich mit Ihnen einverstanden.

Praktische Sicht auf die Welt
Fliegen ist das Reisemedium der Massengesellschaft, und hierbei sind schwere Koffer (ob Samsonite oder alte Lederkoffer) indiskutabel. So ein Rimowa hat schon was, allerdings ist auch der mir beim ersten Einsatz anständig verbeult (und nur recht mäßig wieder hergestellt) worden. Und die alten Koffer, so charmant sie aussehen, bei den neuen Autos verkratzen sie nur die Kunststoffverkleidung des Kofferraums. (Und wer will sowas bei Zugreisen mit sich rumschleppen und womöglich auf die Ablage raufwuchten?)
Ich habe so einen kleinen Lederaktenkoffer (mit Messingverschlägen) – auf dem Flohmarkt erstanden -, da habe ich wichtige Dokumente drin, solche, die ich nie mit mir rumschleppen muss, oder die so wichtig wären, dass sie möglichst schnell zur Hand sein müssen (bei einem Wohnungsbrand zum Beispiel), zu mehr taugt das Zeug halt heute nichts mehr.
Aus einer ein wenig praktischen Sicht sollte man die Welt schon sehen.

faz.net/blogs/stuetzen/archive/2009/09/20/briefe-aus-stresa-iii-die-villa-bersani-im-hotel-du-parc

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