Den Biss halten!

Den Biss halten!
@Don Alphonso: „Ich bekomme vermutlich mehr Netto von anderer Leute Brutto.“ Das hat Biss, der übrige Sozialdemokratismus passt doch nicht wirklich zu Ihnen, oder doch? Was haben Sie denn erwartet, lieber Don? Etwa die Verlängerung der Großen Koalition? Sehen wir die Dinge mal vom Klassenstandpunkt – nicht dem der Bourgeoisie ausnahmsweise: Die Sozialdemokraten haben massiv dort verloren, wo sie noch Stimmen von den Proletariern erhielten, dort sank im Übrigen die Wahlbeteiligung noch unter den Durchschnitt. Das ist doch allemal besser, als wenn hier braun gewählt worden wäre, aus Protest gar. Nein, das Proletariat hält sich vornehm zurück, wenn die Bourgeoisie all zu offenkundig trickst; das ist nicht unbedingt klassenbewusst, aber doch zumindest elegant (denn wo wäre die Alternative?). Und dort, also da wo die Bourgeoisie zuhause ist, wurde massiv FDP mit der Zweitstimme gewählt (hier im Taunus durchschnittlich mehr als 20 %, wie eben auch am Tegernsee), die CDU verlor dadurch nur marginal (was sollte sie auch noch verlieren?), aber auch hier sehr wahrscheinlich aus den Arbeiterschichten, an die Partei der Nichtwähler vermutlich. So konnte sich diese bürgerliche Mehrheit ohne Anstrengung an die Macht tricksen, sie wurde mehr denn je nur vom Bürgertum gewählt, und denen, – und das wurden auch weniger -, die sich da irgendwie zugehörig fühlen. Die Klassentrennung zeigt sich deutlicher, eben auch im Wahlverhalten.
„Die Linke“ bekam den Teil der Sozialdemokraten ab, die sich noch wie Sozialdemokraten fühlen (ein ebenso verlorener Haufen, von wegen „Sozialisten“), und ein kleiner kleinbürgerlicher Rest, die große Masse der städtischen Angestellten und Beamten, blieben bei ihrer Sozialdemokratie, wenn sie nicht ehe schon immer CDU gewählt haben sollten, oder Grün, oder aus opportunen Gründen „Die Linke“ halt.
Die 2/3 Gesellschaft beginnt zu wanken. Die 2/3 werden nicht verschwinden, aber sie werden bald nichts mehr zu sagen haben, da sie denen folgen, dem anderen Drittel, dem Drittel der Elenden. Eine solche Entwicklung ist weiterhin abzusehen, gleich welche Regierung das managt. Die herrschende Klasse – und das sind erheblich weniger als 1/3 – beginnt sich Sorgen zu machen. Wo soll der Reichtum herkommen, den sie doch unbedingt verteilen muss, unter sich in der Hauptsache? Das bedeutet auch, dass in den Reihen des Bürgertums der „Klassenkampf“ toben wird, um die schmäler werdenden Extraprofite.
Es wird Zeit den selbstbewusster gewordenen Arbeitern besseren Wein aus eben nicht alten Schläuchen einzuschenken. Ein Beispiel für eine Analyse dahingehend, wie es vielleicht weitergeht, finden Sie hier, unter dem Titel „Immer schon Insurrektion“.

Hans im Unglück
@Don Alphonso: Ich will Sie wahrlich nicht bekehren, zumal Diskussionen im Rahmen von Glaubensfragen eher unergiebig sind. Allerdings sollte derjenige, der von der Resignation der Massen („Bildzeitungslesermassen“) ausgeht, seine eigene Resignation nicht übersehen. Was unterscheidet uns von den Massen? – sollte uns immer die Hauptfrage sein. Ich neige dazu, zu sagen: herzlich wenig, außer vielleicht, dass wir uns ein paar Fragen für den Geist übrig gelassen haben. Und der Geist sagt mir, und ich rede jetzt nicht vom Weltgeist, sondern vom (Werk-)Tätigen, einem deduktiven, dass, wenn dem so wäre, dann wären all diese Bildonliner Wähler und nicht Nichtwähler.
Die ideologische Klammer mag gelockert sein, die der Klasse nicht. Oder glauben Sie wirklich, dass nur die Herrschenden ein Klassenbewusstsein haben?
Das Klassenbewusstsein der Beherrschten ist allerdings um ein vielfaches komplexer, was ja nicht gegen diese – die Beherrschten – spräche. Der Beherrschte sucht nach oben zu kommen, und dabei lernt er, dass das nicht funktioniert. Auf dem Weg dorthin hat er viele Prüfungen zu bestehen – so in der Art von Hans im Unglück -, welche die Herrschenden niemals bestehen müssen. Ein solches Klassenbewusstsein, sollte es mal entstanden sein, hat mehr Wert, mehr Substanz, mehr Volumen, mehr Form (manchmal auch eine elegante) als ein jenes, das quasi nur vererbt worden sein muss.
Worin unterscheide ich mich also von den Massen? Nur dahingehend, dass ich „Hans im Unglück“ voll bewusst bin. Dieses Bewusstsein ist es, das dem Hans im Unglück nicht verloren gehen darf, sonst geht es ihm wie Hans im Glück.
@MD: Gut gebrüllt, weiter so!

Vom Feigenblatt der Bourgeoisie zum neuen deutschen Patriotismus
Ich gebe dem Don recht in Bezug auf die FDP. Sie ist, neben der bayrischen CSU, ein Schlupfloch für alte Nazis oder anderen Ewig Gestrigen (nicht nur gewesen). Und mit Möllemann und auch Westerwelle (aber auch ein Gerhard ist ein reaktionärer Kotzbrocken) ist sie endgültig zu dem geworden, wozu sie längst tendiert hatte: zu einer nationalliberalen Partei, zu einer rechtspopulistischen Partei (und das scheint mir das Geheimnis ihres Erfolgs). Zur österreichischen FPÖ fehlt ihr eigentlich nicht viel, außer vielleicht jener vieldeutige Windbeutel, Haider hieß er (Gott hab ihn selig, über Verstorbene soll man ja nicht schlecht reden).
Ihre reaktionären Ambitionen zeigen sich vielleicht nicht so offen (wie zum Beispiel bei der CSU), aber dabei auf nicht weniger groteske Weise. Da mausert sich doch, ohne dass die Welt davon groß Kenntnis genommen hätte, eine Friedrich-Naumann-Stiftung (was ist schon eine Friedrich-Naumann-Stiftung? – mit Gerhard offenbar sehr viel!) zu einem Mini-CIA, indem sie sich rotzfrech in den Militärputsch in Honduras verwickelt.
Man soll diese Partei nicht unterschätzen, und es geht hier nicht um ihren Neoliberalismus, den teilen sie sowieso alle, sondern um ihre unilateralen Ambitionen. Auf ihrer Agenda stehen da nicht nur die Steuersenkung für die Reichen, sondern auch der Generalangriff auf die Rechte der arbeitenden Klasse, auf deren wirtschaftlichen Existenz, und damit in Verbindung eine offen reaktionäre Außenpolitik, eine interventionistische, eine solche, der immer ein Angriff auf die demokratischen Rechte im Innern vorausgegangen ist. Und das alles im Namen der Freiheit!
Sie predigt Demokratie und meint deren Abbau.
Sie ist die Partei eines Europas der Bourgeoisie, der Großbourgeoisie, der deutschen. Die Energielobby zittert vor Begeisterung.
Das empfinde ich nicht als Ausrutscher, was ich da heute in der Presse lese, in der Frankfurter Neuen Presse („Briten ärgern sich über Westerwelle“), nämlich dass der Westerwelle einem englischen Journalisten, auf eine entsprechende Frage hin, diese nicht beantwortet habe, da diese nicht in deutsch gestellt wurde. Mag sein, dass es stimmt, was die Presse da vermutet, nämlich dass er das Englisch schlecht beherrsche – was für ein Mitglied in der Atlantik-Brücke aber eine Merkwürdigkeit wäre -, aber es wird ihm gefallen haben, diesen Makel patriotisch zu wenden.
Das ist es, wofür eine FDP steht – für einen neuen deutschen Patriotismus!

Nicht Angst – Gleichgültigkeit
@Maci: Ich sehe da eher Gleichgültigkeit (aus Unkenntnis) als Angst, bei der Arbeiterklasse, was aber nicht unbedingt eine richtige Haltung wäre. Und ich persönlich habe andere Schwächen, solche meinem Alter entsprechende, als Angst vor einer Partei. Meine „sprachliche Abdrift“ hat der Don ja noch rechtzeitig korrigiert, allerdings hatte ich ihm schon einen Alternativvorschlag zugesandt, wegen der Nettikette. Grundsätzlich denke ich, ist sprachliche Klarheit manchmal nötig, vor allem nach solchen Wahlen, der Orientierung wegen.

Der Kapitalismus ist die Vorstufe zum Sozialismus
@Don Alphonso: „Aber darauf zu schauen, dass die Entwicklung der Gesellschaft, die hoffentlich eine gute ist, alle daran teilhaben lässt und nicht ganze Regionen oder Schichten hintenüber kippen lässt, ist das, was die Verfassung dieses Staates durchaus im Auge hatte.“
Man sollte nicht die Feigenblattfunktion eben dieser Verfassung übersehen. Papier ist geduldig. Nehmen wir gleich die „Menschenwürde“. Schon lange vor Hartz-IV war diese auf den Sozial- und Arbeitsämtern der persönlichen Auslegung durch die Mitarbeiter dieser Behörden überlassen. Ich weiß wovon ich rede, denn ich bin ein Beschäftigter in diesem Bereich. Mehr darf ich dazu leider nicht sagen. – Dienstrecht!
Der Grund, dass nicht zu dieser Zeit schon, Arbeitslose in Massen zu ein Euro-Jobs (damals hieß das noch „gemeinnützige Arbeit) verdonnert wurden, war die Lethargie der Mitarbeiter, die es nicht nötig hatten, sich ihre Arbeit mit solchem Stress zu belasten. Wenn es aber getan wurde, dann war das von oben gedeckt. Gesetzeswidrig war es allemal.
Nun ist es nicht mehr gesetzeswidrig (vielleicht grundgesetzwidrig?), und die Mitarbeiter sind da inzwischen etwas anders motiviert, auch und gerade durch die Auslagerung des Sozialgesetzbuches II (Hartz-IV-Verwaltung) aus den Sozialämtern.
Ganz klar, wenn der Kapitalismus seine Versprechen halten würde, wäre ein Sozialismus vermutlich nicht erforderlich. Aber das ist ja genau der Punkt: Das Kapital ist die Vorstufe zum Sozialismus, nicht dessen Ersatz. Selbst die Demokratie, die Erfindung des Kapitals, muss vom Sozialismus verteidigt werden, obwohl diese Demokratie dem Sozialismus wesensfremd ist und bleibt. Denn der Sozialismus will die Klassen aufheben (das haben Sie richtig dargestellt) und nicht demokratisch verwalten. Und doch: Ohne Demokratie, ohne Kampf um ein Maximum an Demokratie, kein Sozialismus, das hat schon der alte und vielverleumdete Lenin zu predigen gewusst.
Parteien, die die Demokratie gefährden, sind daher die Feinde des Sozialismus, und das trifft nun ganz besonders auf jene FDP zu. Um wem diese Formulierung nicht gefällt, weil er meint, dass der Sozialismus ja selber antidemokratisch sei, dem kann ich eigentlich nicht widersprechen, bis auf eine kleine Winzigkeit vielleicht – ich habe sie gerade angedeutet: der Sozialismus ist ohne Demokratie nicht möglich, Kapitalismus aber schon.
Und das ist nicht eine Spitzfindigkeit, sondern das liegt im Wesen der Sache.
Die Unterdrückung des Klassenkampfes selber geht nur mit undemokratischen Methoden, und in dem Maße wie das geschieht, wird der Kampf um die Demokratie zur Vorstufe des Sozialismus. Die allgemeine und solchermaßen ökonomische Tendenz des Kapitals zum Sozialismus (jede Krise zeigt das immer wieder aufs Neue) vollzieht sich auf diese Weise im politischen Kampf. Auch der Kampf um die Macht ist ein Kampf um Demokratie, nicht mal unmittelbar um sozialistische Maximalforderungen. Jene werden in diesem Kampf quasi mitgeschleppt, vertreten eigentlich nur von den fortschrittlichsten Elementen.
Man könnte auch sagen, dass der Sozialismus im Kampf um Demokratie steckt, wie Koffein im Kaffee. Heißt das nun, dass man sich daher die Propaganda für den Sozialismus sparen könnte? Natürlich nicht, denn erstens richtet diese sich an die fortgeschrittensten Kräfte und zweitens wäre koffeinloser Kaffee kein Kampf um den Sozialismus mehr, sondern Sozialdemokratismus, seichte Brühe.

Sozial ist der Kampf der Klasse um die Abschaffung der Klassen
@HansMeier555: Nun als Sozialist sage ich, sozial ist der Kampf einer Klasse um die Abschaffung aller Klassen (das hört sich doch schon mal ganz anders an als: sozial ist, was Arbeit schafft, mal abgesehen davon, dass darin ein leeres Versprechen enthalten ist).
Aber da das nicht das „Soziale“ ist, wovon Sie vermutlich reden, ich denke, Sie reden von Verteilungsgerechtigkeit, müsste ich als Sozialist in Ihrem Sinne passen.
Verteilungsgerechtigkeit gibt es nicht (Eigentum an Produktionsmitteln – Ausbeutung von Lohnarbeit ist bereits eine unauslöschbare Ungerechtigkeit innerhalb eines solchen Systems, das auf Verteilungsgerechtigkeit geeicht werden soll), aber selbst wenn es sie gäbe, wäre sie unsozial, da sie der Abschaffung der Klassen, welche diese Frage überhaupt erst evident werden lassen, im Wege stünde.
Der „gerechte Lohn für ein gerechtes Tagewerk“ ist eine gewerkschaftliche Forderung, eine solche, die noch nicht auf dem Niveau steht, dass sie die Lohnarbeit abschaffen möchte.

Von Gehirngespinsten und brauchbaren Theorien
Beginnend mit „Alter Bolschewiks“ ultimativen Gegensatz, stelle ich die Frage, was wohl besser ist: ein unverbesserlicher Optimist oder ein Resignierter?
Das soll bitte jeder für sich beantworten, und eine Antwort erwarte ich tatsächlich nicht.
Zu Dipsys wahrlich teils bösartigen (Stichwort: Carl Schmitt) Ausflügen in die Geschichte, sogar bis zu den Nazis, sage ich nur, man kann alles in Theorie- oder Philosophiegeschichte auf irgendeinen zurückdenken, soweit uns darüber Zeugnisse vorliegen. Offenbar haben sich die Denkschulen nicht wirklich weiterentwickelt; und da stimmte ich Ihnen sogar zu, wenn Sie das meinten. Und da bleibt doch ein Heraklit solange aktuell, wie die Klassengesellschaft existiert. Krieg und Frieden (Frieden gab es vorher auch nicht, aber auch kein Krieg, somit waren die Gegensätze andere) sind die beiden wichtigsten Erzeugnisse dieser Gesellschaft. Das Kapital liegt da gut im Trend.
Der Krieg ist für einen Marxisten daher auch nicht nur eine Katastrophe, denn all zu oft gehen Kriege – und nur diese – einer Revolution voraus. Die Verantwortung dafür tragen die herrschenden Klassen, und ich denke nicht dran, diese ihnen abzunehmen, aber ich beute die Möglichkeit natürlich aus.
Der Krieg schult auch die Massen – zur Revolution!
Aber Sie sagen es selber: „Entscheidend ist, warum denken wir, wie wir denken“?
Weil trotz allem die Zeit sich weiter entwickelt, die Techniken in der Produktion, die Techniken des Denkens. Die Perspektiven verschieben sich, der Horizont erweitert sich (manchmal verengt er sich auch). Also ist es ein wenig abenteuerlich alle Ideen schnurgerade auf uralt Hergebrachtes zu reduzieren. Zumal : dass alles vergeht, was da ist, bestreiten doch nur die, die überhaupt bestreiten, dass da was ist, also die verschiedenen Denkschulen des Idealismus, denn letztlich ist da ja nur Gott (oder der Weltgeist/Hegel), oder der tote Gott, wie bei Nietzsche.
Und all die anderen, die da klaren Verstandes und offenen Blickes sind, streiten sich eigentlich nur darüber, wie schnell etwas vergeht, und womöglich noch in welche Richtung.
Das Kapital hingegen hat es geschafft, seinen virtuellen Schein als einzig noch mögliche Realität annehmen zu wollen, damit ist es im Denken noch hinter Heraklit gefallen, nämlich dahin, wo die Menschen noch an Geister glaubten.
Und noch mal zurück zu alter Bolschewik: Meine Aussagen haben nichts mit Optimismus zu tun, im Detail bin ich sogar pessimistisch. Der Optimismus bezieht sich auf die großen Entwicklungslinien, auf die Dinge, nicht wie sie sind, sondern wie sie sich entwickeln, kraft derer ihnen innewohnenden Entwicklungsmöglichkeiten. Möglichkeiten, wie sie nicht unbedingt Wirklichkeit werden müssen, daran müssen wir arbeiten – und dies ist mein Credo, nicht mein Hoffen, mein Kämpfen, nicht mein Abwarten – , und die daher auch bleiben können wo sie sind, nämlich im Unbegriffenen, nicht Erschaffenen.
Der Sozialismus ist einerseits eine solche Möglichkeit, wie das Kapital sie selber schafft, dies aber auch nur weil dem Kapital selber da enge Grenzen gesetzt sind. Selbst die Barbarei, die da möglich ist, ist keine aus der Vergangenheit, sondern die noch zu schaffende, also eine Weiterentwicklung, eine noch Möglichkeit. Und auch ein Sozialismus ist solange ein barbarischer, solange auch dieser Kapitalismus auf diesem Wege sich befindet. Barbarei und Sozialismus bedingen sich gegenseitig, auf ein und derselben Entwicklungsschiene.
Der Klassenkampf selber ist Teil eines Krieges, eines Klassenkrieges, also ein barbarisches Instrument. Aber wer sage da, dass die Verantwortung allein die dafür tragen, die ihn predigen, die ihn offenbaren, die ihn fördern?
Und weil dem so ist, ist der Sozialismus selbstverständlich mit schlimmen Opfern verbunden, notwendigen, wie nicht notwendig gewesenen.
Ob die Bauern in der ehemaligen Sowjetunion vermeidbare Opfer gewesen wären, darf man sich fragen, aber dann bitte soll man sich auch fragen, ob der Überfall des Imperialismus auf diese junge Sowjetunion und der da schon einsetzende Hunger notwendig gewesen wären.
Gar nicht auszudenken, die Möglichkeiten, wenn die Rote Macht ohne diesen Terror der Weißen hätte beginnen können!
Die Bauern wurden massakriert, da sie diejenigen waren, die die Lebensmittel produzierten. Auf welche Weise diese unters Volk – in die Arbeiterklasse – gebracht werden konnten, war systemrelevant (so systemrelevant wie gegenwärtig das Retten gewisser Banken – und wie viel Millionen Menschen – weltweit – dadurch sterben, darf man sich ruhig auch fragen).
Ich selbst verurteile dieses Bauernschlachten, da es die sozialistische Revolution massiv untergrub, die Arbeiter-Bauern-Macht zerstörte, doch ist es leicht solches aus der Perspektive der Theorie und Geschichte, zu sagen.
Auch die „Seilschaften“ (Holly 1) sind keine Erfindung der Menschen, sondern der Klassengesellschaft. Klassenlose Gesellschaften brauchen keine Seilschaften, sowenig wie „Gehälter“ (ob Grundlohn oder Maximallohn), Privilegien …Das alles dem Sozialismus zuzuschieben, ist wohlfeil, aber auch das zeigt nur, dass die Kritik am Kapitalismus, soweit sie vorhanden ist, nicht wirklich begriffen ist. Selbstverständlich wuchert im Sozialismus noch einmal so richtig die Bürokratie, und mit dieser das Geflecht aus Privilegien, Korruption usw. . Aber genau das sind die Geschwüre der alten Gesellschaft, die sich dort breitmachen, wo es andere Möglichkeiten der „Gewinnmaximierung“ so nicht mehr gibt. Die Ursache all der Geschwüre liegt in einem noch wahrlich nicht sehr stabilen Immunsystem. Und hier wissen wir, dass man da mit vielen Methoden rangehen kann. Man kann das Immunsystem stärken oder es unterstützen wollen, oder es gar ganz ausschließen.
Der Klassenkampf ist die Methode das System zu stärken. Aber genau da liegen die größten Gefahren, ein Meer voller Möglichkeiten, wie man es falsch machen kann.
Die DDR hat in dem Moment aufgehört ein sozialistisches System zu sein (sein zu wollen), wo sie den Klassenkampf gefürchtet hat, das war nach meiner Einschätzung etwa zur Zeit jenes 17. Juni. Brecht hat sich dazu entsprechend geäußert. Der Klasse ins Angesicht schauen, oder sich vor ihr drücken, das war wohl damals die reale Wahl. Wir kennen das Ergebnis.
Und selbstverständlich, das ist dann kein Sozialismus mehr, hier siegt das Kapital.
Hab ich was vergessen? Ach ja, die Bierflasche vorm Fernseher (HansMeier555): Was das angeht, da bin ich auch nicht sehr optimistisch, solange es Bier gibt, das so gut ist, wie in Deutschland. Aber, was die die Zukunft des Fernsehers angeht, da bin ich wiederum optimistisch, da die Glotze eigentlich obsolet ist. Es gibt nichts Neues auf diesem Gebiet. Der Bewegungsmangel der Leute, der mit der erzwungenen Mobilität (der Automobilität) einhergeht, dürfte sich bald in eine andere Richtung auflösen. Wir sitzen mehr vor dem Computer, erschließen uns die virtuelle Welt – wenigstens kommunizieren wir da ein wenig – und es wird nicht lange dauern, bis wir begreifen, dass uns die eigentlich richtige Bewegung und das echte Gespräch doch fehlen. Die Technik wird dem zu folgen wissen, von der 3-D-Animation vor der Glotze in Richtung 3-D-Animation in der Glotze (Stichwort: virtueller Sex, geil!). Biertrinken ist dann nicht mehr möglich, es sei denn über einen virtuellen Schlauch (in welches der Körperöffnungen dann aber?). Spätestens dann begreifen wir, was uns verloren gegangen ist – so ein richtig guter Schluck aus der Pulle
Und, ach Mawu: wie soll ich das begreifen, diesen Unterschied zwischen Gehirngespinsten und brauchbaren Theorien. Helfen Sie mir weiter!
…Ich fliege jetzt für 14 Tage in den Urlaub.

Ideologisches Blendwerk
@Elbsegler: – So komm ich natürlich nicht in den Urlaub. „Ideologisches Blendwerk“ ist die Behauptung, dass wir seit „Jahrtausenden die Marktwirtschaft“ hätten. Seit 500 Jahren, darüber lass ich mit mir reden. Davor hatten wir über einige Jahrhunderte eine reine Subsistenzwirtschaft. In der Antike herrschte Sklavenwirtschaft (auch die Sklavenwirtschaft war eine Form der Subsistenzwirtschaft, denn für den Herrn, nicht für den Markt; und auch wenn Sklaven auf dem Markt gehandelt wurden, wurden sie zunächst in aller Regel nicht käuflich erworben, sondern erobert, gefangen genommen, dann u.U. weiter verkauft). Die Marktwirtschaft beginnt bei der Produktion für den Markt nicht beim Handel, mit einer besonderen Ware, nämlich der Arbeitskraft, und einem besonderen Äquivalent, dem Geld. Zugegeben, wir hatten von allem etwas, vorher, nur nicht das in seiner Besonderheit (der Schaffung von Mehrwert!), und schon gar nicht als allgemeine Wirtschaftsordnung (Gesellschaft von Lohnarbeit), und auch nicht mit dem Geld, als alles ersetzende allgemeine (Nicht-)Ware, als Ausdruck für das Wesen dieser Gesellschaft, einer kapitalistischen, auf der Geldwirtschaft beruhenden. Solch eine Marktwirtschaft spitzt alle gesellschaftlichen Gegensätze zu, ganz besonders aber die zwischen Kapital und Arbeit, aber auch die, die womöglich schon wesentlich älter sind (zwischen Mann und Frau dann an erster Stelle, aber auch nun zwischen Jung und Alt…, der Politik – dem Staat – und der Ökonomie, der Realwirtschaft und der Geldwirtschaft, der Industrie und dem Handel, der Stadt und dem Land usw. usf., der Gesellschaft und der Natur). Und die gegenwärtige Krise ist hierbei ein deutlicher Ausdruck von.
Ein wenig weniger Oberflächlichkeit täte auch den Kritikern des Marxismus nicht schlecht anstehen. Vielleicht würden da auch einige grobe Missverständnisse aus dem Weg geräumt, vom „Blendwerk“ mal gar nicht geredet.

Meinen Dank
@Elbsegler: Oh, ich bin noch ein paar kurze Minuten da, meine Frau packt gerade die Koffer – ich hasse Koffer packen -, und ich wollte mich auch mal für den ausgesprochen zuvorkommenden Ton hier bedanken, bei allen, selbst da, wo definitiv keine Übereinstimmung herrscht.
Glauben Sie mir, das erlebe ich nicht überall. Habe da gerade wieder mal einen starken Frust wegstecken müssen, hier in einem Blog (siehe: Franzose will er sein). Aber ich kann wegstecken, so wie ich auch austeile!
Ach ja: Die „Nachfrage“, die nach der Marktwirtschaft, die sehe ich gerade nicht am Steigen, trotz der FDP am Steigbügel. Trotz alledem, ich bin Realist, und die Marktwirtschaft wird uns noch eine Weile bleiben. Wir haben also noch Zeit, das Thema zu klären. Nur ganz allgemein: Mit Marxisten lässt es sich schlecht streiten, wenn man sich nicht über die Begriffe einig ist. Dann geht es in Kraut und Rüben, also ins Ideologische. Und dann werden auch Marxisten ideologisch. Und das ist wirklich ein Elend.
Aber jetzt mache ich meiner Frau einen Tee, sonst haut sie mir noch eine über die Rübe, und schmeißt die Koffer zum Fenster raus, anstatt ins Auto.
Vielen Dank für die Urlaubswünsche.

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  • Von Die Doppelmoral von Regierungen, die sich wie Terroristen benehmen am 6. Oktober 2010 um 12:28 Uhr veröffentlicht

    […] irgendwo abwirft und wieder einsammelt. Phantome, wie die der „Sauerlandgruppe“ sind Teil einer virtuellen Kriegsführung und ergänzen das reale Morden, verstärken dessen Absurditäten, verdoppeln gar hin […]

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