Die revolutionäre Kette ist gezündet

Die revolutionäre Kette ist gezündet
Griechenland, Iran, China…, man schaue sich das mal in Ruhe an. Die Bilder ähneln sich. Und selbstredend gibt es in China die meisten Toten. – Unter 3000 Demonstranten 140 Tote! Im Iran waren es noch 3 Mio, und davon nicht weniger als 20 Tote (aber wenigstens 2000 Verhaftungen). Die Revolution, eine Kette von Revolutionen, scheint angebrochen. Lenin nannte das noch das Reißen des schwächsten Kettengliedes, nun soll man vom Zündeln der revolutionären Kette reden.

Wie am 1. Mai in Berlin?
Wer solches behauptet, gibt uns einen tiefen Einblick in eine Perspektive, die in etwa die eines Regenwurmes ist, denn auch der kennt nur 2 Dimensionen. Nur dass der Regenwurm – dieses unschuldige Geschöpf – mit seiner Beschränktheit doch recht gut durch seine Welt kommt. Die Vergleiche zumal sind an Zynismus kaum noch zu überbieten. Erwiderung überflüssig. Nicht überflüssig scheinen mir aber die ständigen Verweise auf gewisse Vorkommnisse in Berlin zum 1. Mai, oder (wie gelegentlich auch) im Schanzenviertel in Hamburg. Was auch immer wir bzgl. dort wahrnehmen, zumal über die Medien, dürfte in etwa so viel an Informationswert haben, wie die Warnungen meiner bäuerlichen Vorfahren aus dem Spessart, vor „den Frankfurtern“, die sie allesamt als Zuhälter identifizierten – vor 50 Jahren. Was wussten diese Leute von den Frankfurtern, außer, dass, wenn diese ihnen mal begegneten, sie ihnen kritisch gegenüber „den da oben“ vorkamen. Verdächtig waren sie und damit per se geeignet für all die Verbrechen, die man am liebsten selber begangen hätte, aber dank der wenigen Möglichkeiten nicht vermochte. Ich würde mal ins Schanzenviertel gehen und mir anschauen, was die Leute dort zu verteidigen suchen und danach fragen, wie sie dabei behandelt werden.

Missverständnis
@Shenli: Sie haben meinen Beitrag vermutlich völlig missverstanden. Mein Beileid gilt selbstverständlich den Toten, den Verletzten, den Verhafteten und Gefolterten – ob Demonstrant oder Passant – in China wie überall. Es ging hier um die zynische Bemerkung eines Lesers, der Demonstrationen wie diese (aber auch andere) mit denen am 1. Mai in Berlin vergleicht, und dabei auf die „Gewalt“ anspielt, die von jenen in Berlin ausginge. Diesen Vergleich finde ich grundsätzlich zynisch, das habe ich ausdrücklich gesagt und dachte, dass das genüge, hierfür. In meinem Beitrag beschäftigte ich mich also a u s s c hl i e ß l i c h mit der Anspielung auf sog. Ausschreitungen von Demonstranten in Berlin, Hamburg und in anderen deutschen Städten, aus einer gewissen Sicht, einer solchen, die lediglich nur die Polizeiberichte wiedergibt.

Chinesische Achillesferse
@Peters/Bardakcioglu: Eben weil China so ist, wie es ist, eine pseudokommunistische korrupte Bürokratie, eine bestechliche – auch und gerade durch das internationale Kapital -, ist es so interessant. Zunächst als Markt, von mehr als 1 Milliarde Konsumenten (tatsächlich sind es aber vielleicht 100 Mio, die da westlichen Konsum sich leisten können). Dann aber auch ist China ein militärischer Block, der nicht zu unterschätzen ist, der Koreakrieg lässt grüßen. China ist heute militärisch nicht mehr zu besiegen (im Gegensatz zu Zeiten des Opiumkrieges), und doch ist China die größte Herausforderung für das westliche Kapital, nach dem Ende der Sowjetunion die einzige überhaupt. Mit diesem Land muss man ein Bündnis eingehen, oder es heimtückisch dabei hintergehen, die westliche Diplomatie ist sich da noch nicht einig, wenn sie das überhaupt je wird, vielleicht macht man beides. China dürfte darüber keine Illusionen haben, aber es hat womöglich große Ambitionen. Es träumt von einem westlichen Kapitalismus, gar Imperialismus. Der Untergang der SU hat gezeigt, dass da lediglich ein „Papiertiger“(Mao) bei raus kommt. – Die Moderne lässt sich nicht einholen, und doch ist diese Illusion die „attraktive Falle“, die Achillesferse, an der der Westen bei Gelegenheit ansetzt.
faz.net/China:140 Tote bei Gewaltausbruch in Uiguren-Region, 06.07.09

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  • Von Durch das uigurische Nadelöhr am 11. Juli 2009 um 20:15 Uhr veröffentlicht

    […] in München: Aufgestaute Wut, 11.07.09, siehe auch: “Die revolutionäre Kette ist gezündet” Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Aktuelles. Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder […]

  • Von Die Briten und die Chinesen sind sich näher als sie es wünschten am 30. Dezember 2009 um 21:40 Uhr veröffentlicht

    […] sich näher als sie es wünschten Diese Hinrichtung beinhaltet eine derart offene Referenz auf den Opiumkrieg – angezettelt seinerzeit durch die Briten -, dass es einer Provokation gleichkommt. Im […]

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