Verbannt in die Ewigkeit

Verbannt in die Ewigkeit
Das Vertrauen, das besteht, oder auch nicht, ist ein jenes in ein Abstraktum. Adam Smith nannte es die „unsichtbare Hand“. Marx hat sich darüber amüsiert, weil sie eben nicht unsichtbar ist, sondern einfach nur geleugnet. Die Hand ist der Wert, besser: die Verwertung des Werts, des Mehrwerts. Auch dies natürlich ein Abstraktum, aber ein gesellschaftlich reales. – Eine „Realabstraktion“ – wie Robert Kurz wohl sagen würde. Es ist die Gesellschaft selber, die diese Hand führt, ohne es zu wissen. Nicht wissend, weil diese Hände ihr entfremdet sind, so als glitten diese Hände durch einen fremden Stoff, jenseits der uns bekannten Materie, geleitet von Klasseninteressen und Fetischismen. Fetischismen und Klasseninteressen haben zunächst etwas gemeinsam: sie sind wesentlich ideologisch, falsches Bewusstsein – zum Teil. Die Klasseninteressen hingegen für sich alleine betrachtet, sind sehr real. Ein Madoff, zum Beispiel, konnte sich sicher sein, solange er Bestandteil dieser Klasse war, im Interesse dieser Klasse war; nun ist er ihr Ausgestoßener, denn ihr Verräter, ein Verräterischer. Einer, der diese Klasseninteressen zu offenbaren droht.
Denn der Fetischismus droht erkannt zu werden, der vom Markt, jener ganz abstrakter, an den zu glauben, beinahe so sicher ist, wie der Glaube an einen Gott. Wer hätte Gott schon je gesehen? Und kann man den Markt wirklich sehen? Ich meine den Markt, nicht die Ware! Und nicht den Markt am Samstag, auf einem bestimmten Platz, nein d e n Markt!
Also verbannt man ihn so weit wie möglich, weg von diesem Markt, raus aus der Klasse, raus aus dem Bewusstsein – dem falschen, wie dem echten -, zukünftig nur noch mit einer Nummer auf dem Rücken, als ein wesenloses Wesen, als ein Gewesener (dieser Klasse wie dieses Marktes), in den Raum, wie in die Zeit. Aber offenbar ist jeder Raum zu nah, daher dieses Urteil: 150 Jahre. Länger als ein gesunder Mensch in der Zeit zu leben vermag. Das ist wahrlich weit weg. Weg aus jeder Erinnerung? Nein, denn wer bekommt schon 150 Jahre? – doch nur ein Schwerstverbrecher! Einer, der der Gesellschaft viel gekostet hat, viel „wert“ ist. Ein „Wertvoller“. Der Markt lässt sich nicht (ver-)leugnen, wenn auch nicht wirklich benannt, als ein solcher. Erkennbar doch beide, Madoff wie der Markt, durch die Abstraktion. Der eine trägt sie auf dem Geldschein, der andere vielleicht auf dem Rücken, als Nummer, aber ganz sicher mit sich, als die Zahl der Jahre, die er ihr gekostet hat, die er ihr kosten wird, der Gesellschaft also schuldet, kurz: die er ihr wert ist. 150 Jahre sind es bei Madoff. So beinahe unbeschreiblich wie jener Reichtum, den er bis gestern noch verbürgte.

faz.net/blogs/chaos/archive/2009/06/29/madoff-schafft-vertrauen

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