Papa-Mama-gestört

Papa-Mama-gestört
Das ist ja das perverse, das raffinierte, am Patriarchat, das es der „Mama“ die Ausübung überlässt, zumindest innerhalb der Heiligen Familie. Im Ergebnis sind die Jungs in aller Regel „Mama-gestört“, und all zu oft die Mädels „Papa-gestört“.
Letzteres scheint ein Paradox, was aber darauf zurück zu führen ist, dass sich in der Beziehung zwischen Vater und Tochter noch einmal das Patriarchat schiebt – doppeltes Patriarchat der Tochter gegenüber also. Dadurch dass die Tochter die Mama zu ersetzen sucht, bekommt sie nicht nur die Wut der Mama, sondern auch die ganze Wucht des männlichen Unterdrückungsapparats zu spüren, ohne Delegationsventil.
Daher sind es oft die Töchter, besonders die aus den besseren Häusern, die an „Hysterie“ (heute differenziert man da in Neurosen und Psychosen) leiden. Der gute Freud dachte da immer an sexuelle Fantasien, was die aber nicht wirklich sind, sondern Rollenspiele (man denke da mehr an die Spiele mit Puppen als die Mama-Papa-Spielchen der Kleinen), die natürlich auch eine sexuelle Komponente haben (können). Zur Mama stehen sie in Konkurrenz und daher zu Papa in einer Art geistigem Konkubinat. Sie denken sich alle, sie wären die bessere Mama, wo doch der Papa das Problem ist, und die Mama (auch die in der Tochter) eben nicht die Lösung.
Und die „schlechten Söhne“ sind daher oft – analog zu den guten Mädels – doppelt gestört. Einmal als Mamasöhnchen, ein andermal als Konkurrent zu Papa. Da ist er, der mythische Konflikt, der Ödipussi! Papa mag solche Bengels natürlich nicht und vertreibt sie – naja, oft nur geistig. Und Söhnchen möchte den Papa am liebsten umbringen, und mit Mama stiften gehen. Und Mama? Ja diese erkennt plötzlich ihr Leid im Patriarchat und hält sich an den Sohn, den einzigen Mann, den sie an ihrer Seite noch ertragen kann.
Manchmal läuft das ganz streng nach diesem Konzept. Dann klebt das Söhnchen ewig an der Mama, wie die Mama an dem Söhnchen.
Glück für all diese Geplagten, wenn da noch eine Oma ist, die dann diese Konflikte etwas dämpft oder auf sich nimmt. Das ist aber keine Generallösung, denn wenn Oma Mama spielt, dann wird’s ganz übel, weil sie nämlich dann das alte Patriarchat gegen das jeweilig jüngere gleich mit spielt.
Interessantes Detail am Rande: in vielen Sprachen, wie zum Beispiel im persischen, gibt es keinen Unterschied zwischen Mama und Großmama, oder Papa und Großpapa, da wird bestenfalls noch unterschieden zwischen den Verwandten in der männlichen, bzw. weiblichen Linie.
Was darauf hin zu weisen scheint, dass sowohl das Matriarchat als auch das Patriarchat in einer merkwürdigen Verbindung zu einander stehen. In den Verwandtschaftsbeziehungen des 2. Grades dominiert die matrilineare Linie. Ansonsten scheint der älteste „Papa“ der unangefochtene Platzhirsch zu sein (und die älteste Mama, dessen Zugeordnete), was darauf schließen lassen könnte, dass das in früheren Zeiten auch mit sexuellen Rechten und Pflichten einher gegangen sein könnte, was auf einen ganz realen Hintergrund für den Ödipuskonflikt verwiese.

faz.net/blogs/stuetzen/archive/2009/06/17/das-nicht-existierende-selbstbestimmungsrecht-der-besseren-kinder

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Ein Trackback

  • Von Der kleinbürgerliche Terrorismus und die Köpfe der Hydra am 4. Januar 2010 um 22:14 Uhr veröffentlicht

    […] Mag sein, dass man dem Individualterror noch mit psychologischen Argumenten beikommen kann (Ödipuskomplex bei Baader, oder Mutterhass bei der Meinhof- vielleicht?), aber beim Terror der Massen, zum […]

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