Krieg zwischen Ost und West und die Pest oder Cholera

Krieg zwischen Ost und West und die Pest oder Cholera
Möchte doch an dieser Stelle an den großen kalifornischen Schriftsteller Upton Sinclar erinnern, hier eine kleine Würdigung seines Werkes. Ich selbst habe noch eine Lektüre, vor mehr als 20 Jahren gelesen (habe das Buch auf Nimmer-Wiedersehen verliehen, Titel vergessen), in Erinnerung, in der es um die „Völkerwanderung“ der kalifornischen Landbevölkerung und sonstiger Massenarbeitslosen ging. Krise, Hungersnot, Dürrekatastrophen verwüsteten das Land und verelendeten seine Menschen. Und es scheint mehr als nur ein Metapher, das nun zum zweiten Mal, und nunmehr auch die größte Krise bis dato aller Zeiten, auch wieder in Kalifornien getoppt werden soll. Die reichste Nation, will heißen: das Land mit den meisten Reichen, scheint die ärmste. Wenn es noch genug Bauern, Landarbeiter und Arbeiter gibt, dann scheint die Annahme nicht verkehrt, dass von dort aus ein neuer amerikanischer Bürgerkrieg ausbricht. Die Ignoranz und Arroganz der Reichen dort, tut dann ihr Übriges. Das wird nicht ein Krieg zwischen Nord und Süd, sondern zwischen Ost und West – sprichwörtlich! Wenn es dann aber noch gelingen sollte, die Unterdrückten und Ausgebeuteten aus dem Süden, Westen und Norden, die zumeist Schwarze oder andere indigene Völker (Indianer und Eskimos) und gewisse nationale Minderheiten („Latinos“ etc.) sind, zu gewinnen, wird das ein Hauen und Stechen, wie das die Welt noch nicht gesehen haben dürfte. Hier zeigt sich dann erst, welche Rolle einem Obama zugedacht ist.

Und @pjk/Dietz: Große Koalition bedeutet die Diktatur der 2/3 über das restliche Drittel. Ich meine damit nicht das Drittel im Bundestag, sondern das in der Gesellschaft. Genau genommen ist diese Formulierung auch falsch – dies mit der großen Koalition, denn Allparteienkoalition, wäre wohl besser. Faktisch regieren derzeit alle im Bundestag vertretenen Parteien auf die eine oder andere Weise „mit“. Entweder durch eine oberfaule Opposition (FDP/Grüne) oder/und durch Mitregierung auf Länder- und Kommunalebene. Sie bilden zusammen die Vertreter dieser 2/3. Selbst „Die Linke“, die sich den „Unterklassen“ so verbunden wähnt, macht dort, wo sie regiert, nichts anderes als die Regierenden. Sie verwaltet die Krise, die Not und unterdrückt so den Aufstand, hält den „Mob“ aber bei Laune, den sie bei Gelegenheit zu benutzen gedenkt. Wenn es aber dazu kommt, dass aus dem einen Drittel zwei werden, dann wird es Zeit für eine offene Diktatur, für die sich alle, ich sagte alle, jetzt schon vorbereiten. Lafontaine gefällt sich jetzt schon (nicht nur an Fasching) in der Pose des Napoleon, Cem Özdemir spielt mit im Konzert der wahren Mächtigen neben der Macht – er ist schließlich Mitglied in der Atlantik-Brücke, neben Westerwelle und anderen bekannten Gesichtern und Institutionen – und die Übrigen sind alt-bekannte wie weniger bekannte „Offiziere des Kapitals“ (Marx über die hohen Beamten) – die Bürokraten der Macht.
Lassen wir uns nicht beirren: es gibt keine Wahl, es sei denn, die zwischen Pest oder Cholera.

Das kleinere Übel und das Immunsystem
@pjk: Was die Perspektive angeht, widerspreche ich Ihnen gar nicht, ganz im Gegenteil (ich bin mehr Realist als Sie glauben), nur wird diese nicht unwahrscheinlicher dadurch, dass wir permanent das „kleinere Übel“ wählen, wir machen das größere so nur noch wahrscheinlicher. Man kann das mit dem Immunsystem des Menschen vergleichen: Auch Antibiotika ist, unter bestimmten Gesichtspunkten betrachtet, das „kleinere Übel“, sind doch Menschen früher an wesentlich harmloseren Erkrankungen gestorben, als Antibiotika zum Beispiel heute mühelos behandelt. Wir erleben aber gerade, wie genau dies dazu führt, dass unser körpereigenes Abwehrsystem zusammenbricht! Im Ergebnis werden wir wohl bald an noch harmloseren Erkrankungen sterben, als das früher schon der Fall war. Ich kann nur hoffen, dass Sie da mit Ihren „25 Jahren“ nicht zu großzügig gerechnet haben. Im Übrigen ist meine Revolutionsperspektive eine theoretische, die ich natürlich praktisch versuche umzusetzen, aber nicht voluntaristisch, also subjektivistisch.

Offenes Klima
@pjk: Beruflich bedingt, habe ich hin und wieder die Sterbestatistik der Versicherer in der Hand, da kann man schon bescheiden werden. Und doch besitze ich die Chuzpe, für mich annehmen zu wollen, dass ich noch einmal wenigstens ein halbes Jahrhundert lebe. Also sollte Ihnen das unbenommen bleiben, für sich noch ein viertel Jahrhundert heraus zu schlagen. Ich weiß ja nicht, wie alt Sie sind, aber offenbar älter als ich. Meine Anspielung war vielleicht ein wenig uncharmant, aber sie sollte auch nur auf die Gefahr eines sehr frühen Todes durch vielleicht ganz harmlose Krankheiten verweisen. Da Sie aber keine Antibiotika nehmen, haben Sie wieder einen kleinen Vorsprung. Ich komme da nicht ganz herum. Aber natürlich haben Sie den Metapher verstanden, sind aber so klug, darauf nicht mehr einzugehen. Das ist Ihr gutes Recht. Aber denken Sie daran, dass man selber wohl frei sein kann (auch von Antibiotikaverseuchung), aber dass das einem wenig nützt, wenn es die umliegende Gesellschaft nicht auch ist. Und die Gesellschaft ist nicht wirklich berechenbar, nicht die ganze. Berechenbar sind immer nur gewisse reduzierte Größen (in der Wissenschaft wie in der Politik). In der Politik wären das die Teile der Massen, die nach marxistischer Lesart als bewusst oder fortschrittlich zu bezeichnen wären. Wie kann man diese Teile aber erreichen, wenn das Umfeld für sie (und auch für einen selber) undurchdringlich wird. Eine große Koalition ist per se ein undurchdringbares Gestrüpp, nämlich von Interessen, zumeist korrupten, und sich durchkreuzenden aber doch verbundenen und somit nicht mehr erkennbaren politischen Zielen. Das beste Klima ist daher ein politisch offenes, eines von der Möglichkeit einer Streitkultur durchdrungenes, auch auf das Risiko hin, dass alles anderes ausgehen kann als man für sich errechnet. Die Fronten sollten halt klar sein. Aus diesem Grund, nicht aus politisch mir naheliegenden Gründen, bin ich gegen eine große Koalition.

Parameter für das Klassenkampfszenarium
@Anft/Dill: Man sollte den darin enthaltenen Realismus nicht unterschätzen. Diese Berater sind die Vertreter der wahren Machthaber, jener „200 Familien, die die USA regieren“ („Die USA wird von 200 Familien regiert und zu denen wollen wir gute Kontakte haben“, siehe: Atlantik-Brücke). Es sind dies Vorschläge, die darauf hinaus laufen, die Verarmung der Bevölkerung planmäßig und doch wiederum kapitalverträglich durchzuführen. Sie gehen einher mit der Tatsache, dass die 3. industrielle Revolution den Produktivitätsgewinn qua Entlassungsproduktivität vorläufig zu einem Patt hat werden lassen. Die Krise drückt das Patt aus und soll den „Ausweg“ schaffen. – Auf Kosten der Massen, wie sich das gehört.
Massenentlassungen, die jetzt stattfinden, sind nicht lineares Ergebnis jener (Entlassungs-)Produktivität, sondern eher von deren Rückläufigkeit. Die Kosten müssen gesenkt werden! Die Senkung der Staatsquote wäre da der Anfang für. Die Einkommen der lohnabhängigen Bevölkerung wird in den Lohnkämpfen geregelt. Diese scheinen für das Kapital berechenbar, denn die Voraussetzungen für Kampfmaßnahmen in einer Krise sind für die Beschäftigten immer denkbar schlecht (nicht unmöglich!). Auch dort wird es zu massiven Lohnsenkungen kommen, wenn Kampfmaßnahmen ausbleiben. Lohnsenkungen in den öffentlichen Verwaltungen – schon mal vorweg, und bar jeder Widerstandsmöglichkeit – würden solchen Vorgaben daher entgegen kommen und die Moral der Beschäftigten gleich zu Anfang in den Keller treiben. Wie schwer, d.h. wie dramatisch, diese Krise ist, zeigt natürlich auch der genannte Betrag von $ 6,70. Wenn wir bedenken, dass das vermutlich unter der US-Armutsgrenze liegen dürfte (oder knapp drüber), aber weit über dem, was Verwaltungsmitarbeiter in der sog. 3. Welt im Durchschnitt erhalten, zeigt das, ob der darin ausgedrückten Nähe, wie des noch gewährten relativen Abstandes zu solchen Verhunger-Einkommen, doch so ziemlich genau, wie das Kapital gedenkt, den inneren Markt noch knapp zu erhalten.
Obwohl die Löhne Hungerlöhne sein werden, sollen sie doch deutlich machen, dass es auch schlimmer kommen könnte, nämlich dann, wenn man wirklich verhungert. Was natürlich Blödsinn ist, denn, wenn der innere Markt gefährdet wäre, verlöre die USA ihren Status als moderne kapitalistische Großmacht (von Supermacht gar nicht mehr zu reden). Und damit hätten wir einen ziemlich brauchbaren – wenn auch solchermaßen provokanten – Parameter dafür, wie sich das Kapital das Klassenkampfszenarium in nächster Zeit vorstellt.
Ideologisch wie ökonomisch die arbeitenden Massen schwer belastend und doch so geführt, dass die Großmacht USA niemals in Frage gestellt werden dürfte.
Die arbeitenden Massen sollten das als Vorteil begreifen, sich aber vor dem damit einhergehenden Nationalismus und Chauvinismus hüten!

Der preußische Junker liebte sein bisschen Land
@pjk: Zur großen Koalition: Diese bewirkt keine Radikalisierung größerer Teile der Gesellschaft, sondern nur eine jeweilige am „linken“ und rechten Flügel der bürgerlichen Kräfte (FDP wird nationalliberal, Linke=sozialpatriotisch, Sozialdemokratie wird christdemokratisch, CDU sozialdemokratisch, Ultrarechte üben vermehrt Terror, linksaktivistische Gruppen verzetteln sich im Straßenkampf). Die Massen neigen dazu, so wie Sie ja auch, sich da ihre Nischen zu suchen, ihr politischer Sinn stumpft ab. Unterm Strich neigen die politischen Kräfte dazu, sich gegenseitig zu neutralisieren. Ein ideales Klima für Bürokraten (Steinmeier) wie Politakrobaten (Lafontaine). Der Wechsel von Lagern, wie Sie es beschreiben, ist wohl bürgerliche Maschinerie, aber im Hintergrund können sich andere Kräfte entwickeln. So konnte sich während der Brandt-Scheel-Ära eine Revolutionäre Linke entwickeln, eine solche, die der Sozialdemokratie ihre eigenen Versprechen vorhalten konnte (Dass sie darüber nicht hinaus gekommen ist, wird nun mit einer „Die Linke“ bestraft). Eine Schmidt-Genscher-Regierung (mit Strauß als Kettenhund im Hintergrund) brachte eine RAF hervor (was man auch immer von dieser halten soll, sie war ein Synonym für die Radikalisierung größerer Teile der revolutionären Jugend, wenn auch eine fatale). Kohl brachte Deutschlands Großmachtgeist zur Geltung (nicht nur die Wiedervereinigung, sondern auch das Gezänk mit den westlichen Konkurrenten um diesen Kuchen, Stichwort: Treuhand), was ja auch was ist, denn dagegen darf/muss sich eine revolutionäre Linke nun massiv positionieren. Schröder-Fischer hätten es beinahe geschafft, den Protest der ehemaligen DDR-Bevölkerung gegen sich selbst zu wenden (Montagsdemonstrationen, und als Trösterchen: Die Linke). Seit dem wir die große Koalition haben, nimmt der Patriotismus bis in die Reihen der Arbeiter, über Hand, während gleichzeitig die Durchschnittsstimmung sozialdemokratisch bleibt. Wäre die Krise nicht – mit ihren Keynesianischen Exzessen – wüsste ich nicht, wie man da noch revolutionäre Theorie verbreiten sollte. Für die Revolutionäre Theorie ist die Krise ein Glücksfall, damit daraus aber Praxis erwächst, muss diese Große Koalition verschwinden, müssen die politischen Kräfte wieder klarer polarisieren.
Zu Bismarck: Ich orientiere mich an den Vorgaben einer Epoche, nicht an den diplomatischen Aktivitäten Einzelner. Ein Bismarck konnte nur wirken, weil in Deutschland die bürgerliche Revolution überfällig war (und dass war auch der Rahmen für die Zeitschiene, die ihm blieb), und er das auf junkerlich-aristokratische Art zu Ende brachte, was das Bürgertum selber nicht schaffte. Er musste wieder verschwinden, weil nicht nur die Polarisierung der Klassen, sondern auch deren gewachsenen Komplexität, seinen Horizont überstieg. Mit seinen Sozialistengesetzen machte er die Sozialdemokratie (die damals noch teilweise revolutionär gestimmt war) erst richtig stark. Er bemerkte nicht wirklich den sozialchauvinistischen Geist innerhalb größerer Teile der Sozialdemokratie, was ja dann auch deren Zustimmung zu den Kriegskrediten herbei führte. Wäre Bismarck an der Macht geblieben, hätte die reformistisch gewendete Sozialdemokratie aus purem Trotz ihre Zustimmung verweigert. Das durfte nicht geschehen – aus der Perspektive der Herrschenden. Außerdem konnte er seinen Klassendünkel nicht überwinden, mächtige bürgerliche Kreise störten sich daran. So konnten die Krupps sicher besser mit dem Kaiser als mit einem Bismarck. Der erste Weltkrieg signalisierte eine Epochenwende. Was noch an bürgerlicher Revolution zu erledigen war, war nun abgeschlossen – auf Kosten Frankreichs und in Herausforderung Englands. – Aber letzteres hätte ein Bismarck schon nicht mehr gewollt: England herausfordern. Nicht nur dass ihm der Hass eines Kaisers auf das englische Mutterhaus fehlte, als preußischer Diplomat, der er letztlich war, fürchtete er den Stellungskrieg mit einem solchen Gegner. Die Demütigung Frankreichs hatte England vielleicht noch gefallen, aber darüber hinaus wäre die Königin (Churchill) not amused. Der Kolonialismus alten Stils war obsolet geworden, nun folgten Imperialismus und proletarische Revolutionen. Als erstes wurden die alten Kolonialisten herausgefordert, von einem Konter-revolutionären Deutschland. Nicht nur, dass ein Bismarck das nicht gewollt hatte, ein Hitler wäre unter ihm nie zur Macht gelangt, dazu war er selber zu machtbewusst. Einem „Gefreiten“ hätte er es nie erlaubt, die 2. Linie zu verlassen. Einen solchen brauchte aber die Bourgeoisie, um Krieg zu führen, gegen seine Konkurrenten, wie gegen die revolutionäre Klasse, und zwecks Verführung der Massen. Und Last not Least: Ein Bismarck hätte sich mit seinen preußischen Optionen (preußischen Grenzen) zufrieden gegeben. Aber genau die waren einem Deutschland zu klein geworden. Ein Kapital kennt nun keine Grenzen mehr (wie war das mit dem Ural und jetzt mit dem Hindukusch?) und damit auch kein Rückzugsgebiet. Der preußische Junker liebte aber sein Fleckchen Land, sein Rückzugsgebiet (nicht die Menschen, die darauf leben!).
Echinacea: das wirkt bei mir auch nicht, aber Meditonsin – reichlich genossen, wie Schnaps – das bewirkt wahre Wunder.
Grüße

faz.net/blogs/2009/05/25/oh-weh-california

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