Kapitalistischer Reichtum

Kapitalistischer Reichtum
@Alter Bolschewik: (wie kommt man eigentlich zu diesem Nicknamen?) Aus dem Grunde hat sich Soros etliche tausend ha Grundbesitz in Argentinien gekauft. Aber letztlich bleibt sich das im Kapitalismus gleich. Auch der Bodenwert, sprich: der Grundzins unterliegt der Spekulation (von dem Verlust durch übermäßige Ausbeutung mal gar nicht gesprochen, daher ist er jetzt wohl „Umweltaktivist“- dort), also dem Einfluss der Börse; dem sich ja Soros so elegant entziehen wollte.
Ist es nicht ein Paradox, dass ausgerechnet in einer Finanzkrise auch die Bodenschätze (sogar Diamanten nehmen sich da nicht aus) an Preisverlusten laborieren? Welchen Wert sollen die auch haben, wenn sie keiner kauft? Und kaufen, ohne verkaufen zu können, heißt Kapital brach liegen lassen – oder Schulden machen. Auch hier gilt: Schätze, Bodenschätze, Grund und Boden sind nur dann Reichtum, wenn man erstens, sie sich leisten kann (keine Schulden dafür machen muss), zweitens sie nicht verbrauchen muss, bzw. drittens, von ihrem Verbrauch gut leben kann (der Grundzins stets höher ist als der Wertverlust). Verkauf doch mal jemand sein Tafelsilber, den Schmuck seiner Frau, den Grundbesitz (letzteres gerade mal jetzt!); und er weiß wovon ich rede. Was ist dieser „substanzielle“ Reichtum wert, wenn er nicht in Geldwert umgesetzt werden kann, jeder Zeit und ohne sog. Substanzverlust? Ja was ist denn überhaupt Substanz? – Gebrauchswert oder eben doch nur Tauschwert? Wie war das mit den Substanz- statt Geldwerten in der Krise? Auch dieses Beispiel zeigt doch, dass Reichtum, nur gemessen an Substanzwerten, also am statistischen – bzw. Buchwert, nicht nur ein stark relativer, sondern vor allem ein abstrakter, ja fast virtueller Begriff ist. Im Kapitalismus ist Reichtum nur ein solcher, der in Investitionen fließt und hieraus einen Zins abfließen lässt, welcher ein angenehmes Leben ermöglicht – kapitalistischer Reichtum also – und der über dem Wert der „Abschreibung“ liegt. – Läge die Abschreibung höher, mag man auch Profite machen, aber nur dank eines Steuersystems, das die Verluste der Besitzenden stets sozialisiert. Der eigentliche Reichtum sind also die Zinsen, die Nettozinsen, nicht die „Substanz“!
Richtiger wäre da wohl die Investition in die Investitionsgüterindustrie (ein wenig riskant die Rüstungsindustrie, denn deren Produkte werden nur im Krieg schnell verkonsumiert, im Nichtkrieg verliert sie an Wert, schmälert sich die Wertschöpfung (mal die Korruption eines Staates unterschlagend) – Rüstungsproduzenten müssen daher den Krieg wollen -, und Senf ist eine Geschmackssache); denn diese misst sich an den Wertschöpfungsketten, die sie initiiert (zum Beispiel die Biotechnologie) und eben nicht an dem unmittelbaren Konsumwert/eigenen Marktwert. Vorausgesetzt man glaubt an das Überleben des Kapitals in der gegenwärtigen Krise. – Glaubt man nicht daran, dann lohnt sich auch die Rüstungsindustrie. So gesehen sind die Rüstungsindustriellen die wahren Nihilisten dieser Gesellschaft. Sie profitieren von ihrem Überleben wie von ihrem Tod, ja sie sind so was wie ihre Untoten – Vampire!

Unsere Gegner sind nicht wirklich witzig
@Alter Bolschewik: Oh ja, ich verstehe die Doppeldeutigkeiten. Aber zu viel des Guten ist manchmal zu wenig. Damit das kein sinnloses Geplapper wird, müssen auch mal Eindeutigkeiten dazwischen. Da sind mir die Doppeldeutigkeiten gerade der beste Anlass für. Man wirft der Linken all zu oft vor, dass sie nur vor sich hin blödele; das nehmen manche für bare Münze. Insbesondere das Bloggerdasein scheint mir da ein wenig abgehoben, wenn nicht gar völlig blödsinnig. (Ein Robert Kurz zum Beispiel – Das Weltkapital – echauffiert sich da permanent drüber. Man sollte solchen Leuten nicht zu viel Munition liefern.)
Natürlich gibt es zwei Methoden sich mit ernsten Dingen zu befassen: man kann darüber weinen und darüber lachen. Am Besten scheint mir, man lacht im Weinen (oder man weint im Lachen). Der Kontrapunkt und der ständige Wechsel sind mir da wichtig. Und die beste Ironie ist mir doch die, die der Klassenfeind nicht begreift, nicht die, die dem Klassengenossen unter den Verstand geht.
Don Alphonso macht das nicht so verkehrt, denn er gibt da ein wenig klassische Bildung rein, wo er sich zugleich drüber köstlich amüsiert. Und hin und wieder ist er auch gar nicht so cool wie er sein möchte, das ist im Prinzip eine gute Mischung, was zeigt, dass er engagiert ist. Nicht alle seine Leser scheinen das aber zu beherzigen.
Nun: es gibt auch eine Bildung, die nicht (bürgerlich) klassisch ist, und über die man sich nicht so einfach amüsieren kann, um sie zu verstehen. Aber wir müssen da was verstehen, oder etwa nicht? – Oder heißt die Devise jetzt: lacht kaputt was euch kaputt macht?
„Unsere“ Gegner sind nicht wirklich so witzig!

faz.net/2009/04/27/der-echte-reichtum-meiner-tante

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  • Von Die Politik und ihr Abgesang am 12. Juli 2009 um 21:23 Uhr veröffentlicht

    […] Politik und ihr Abgesang (Ehemalige) Staatsunternehmen/Rüstungsindustrie-Parteispenden-, dazwischen, Geheimdienste, und gelegentlich auch ein paar (kaltgestellte/ermordete) […]

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