Es lebe der Sozialismus!

Es lebe der Sozialismus!
Protektionismus und Patriotismus sind die zwei Seiten einer Medaille. Und genau beide sind aktueller denn je. Ich empfehle die Lektüre eines (ausnahmsweise mal wirklich gut geschriebenen) Artikels in der „Die Zeit“ „Die Vertreibung“ von Alice Bota, Henning Sussebach und Stefan Willeke (Dossier, Nr. 16/2009). Hier bekommen Sie das Bild der Krise aus der Perspektive der „Vertreibung“, der globalen Völkerwanderung des Elends. Sie werden Zeuge wie der Protektionismus sich des Rassismus, des Nationalismus, sprich: des aktuellen Patriotismus bedient, und wie er so zu (s)einer Wirklichkeit wird, fernab aller gutmeinenden Beschlüsse von G20. Die bürgerliche Lösung der Krise ist schon im Anmarsch und diese ist krude konservativ. Jede Art von Literatur, die das schönt, ist keine gute Literatur. Auch hier wieder falsche Hoffnung, statt klare Kritik, und natürlich auch Selbstkritik. Ist nicht auch der sog. Klassenkampf auf den gleichen Hund gekommen? Verteidigen nicht englische Arbeiter vor allem ihre Jobs gegen Fremde, oder was machen französische Arbeiter, die mal ganz radikal ihre Bosse einsperren? – geht es nicht primär um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze? Ist das eine revolutionäre oder konservative Aktion? Und was machten die Deutschen zum Beispiel im Falle Nokia? Diese Krise ist mitnichten die Krise des Kapitals, wie wortradikal selbst der DGB tönt. Sie ist die Krise der Marktwirtschaft, die Krise von Kapital und Arbeit. Aber nur die Arbeit hätte eine proletarische, eine revolutionäre, Antwort, wenn sie es nur wollte.
Die proletarische Antwort – eben nicht einfach nur „Lösung“ – kann daher nur eine internationale sein, eine bedingungslose, eine grundlegende, eine revolutionäre, eine antipatriotische, keine die den eigenen Arbeitsplatz schont und den fremden beseitigt. Nicht Burgfrieden und Vertreibung. Nicht deutsche Arbeitsplätze müssen verteidigt werden, sondern, wenn überhaupt, dann alle. Aber da das für sich genommen und ausschließlich als Tageslosung (miss)verstanden, ein Paradox wäre, da Kapitalismus keinen einzigen Arbeitsplatz wirklich schont, sondern bestenfalls von der Verschleppung der Probleme, von der Konkurrenz, vom Überlebenskampf darum, lebt, heißen die einzig vernünftigen Lösungen und Losungen:
Frieden und Brot für die Völker der Welt! Imperialisten – raus aus Afghanistan und dem Irak, sofort!
Keinen Burgfrieden wegen des Geschachers um Arbeitsplätze! – Keine Vertreibung von Fremden!
Klassensolidarität statt Krisenpläne von 1 bis x!
Enteignung der Enteigner!
Nieder mit Kapital und Marktwirtschaft!
Es lebe der Sozialismus!

Kopfgeburten: Liberaler Selbsthass, konservative Ignoranz und blinder proletarischer Klassenhass
@pjk: „Wenn Liberalismus nurmehr den ungehemmten Einsatz ökonomischer Macht meint, ist es klar, daß das Versprechen der freien Entfaltung des Individuums auf der Strecke bleibt. Das muß dann auch irgendwie gerechtfertigt werden. Kennzeichnend dafür ist der leider auch von emanzipatorisch denkenden Menschen oft unreflektiert gebrauchte Ausdruck „die sozial Schwachen“. Da wird ein gesellschaftlicher Mißstand zu einem individuellen Defizit bestimmter Personen umdefiniert.“ – Sehr gut! Das ist der Punkt bzgl. der bürgerlichen „Doppelmoral“, die in Wahrheit eine Lücke darstellt, eine Differenz im ideologischen Korsett (ein „blinder Fleck“) und wohl auch der Grund für die unverstandene Schnittstelle zwischen Liberalismus und Konservativismus. Was der Liberale deklariert, vollzieht der Konservative, allerdings nicht wirklich, nicht kontingent zur ursprünglich liberalen Idee (nicht zu dessen Selbstverständnis von bürgerlicher Aufgeklärtheit), sondern als Regression, als Rückgriff auf eine antiliberale Matrix und umgekehrt. So wird auch der Liberale zum Vollstrecker eines konservativen Paternalismus (Westerwelle und sein Hauruck-Patriotismus nach der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland), aber auch dies nicht aus derselben ideologischen Borniertheit, sondern aus reiner Zweckmäßigkeit. Und in der Negation beider entwickelt sich dann der Faschismus, er hebt sie beide auf. Dem Liberalen entnimmt er die Zweckmäßigkeit (Stichwort: „Arbeit macht frei“, oder heute aktueller: Arbeit ist obsolet) und dem Konservativen die ideologische Substanz, den Hang zum Mystizismus, die Selbstüberhöhung, den reaktionären Zug, den geradezu antimodernen Charakter. Auch den Hass auf die „sozial Schwachen“, durchaus in dieser individualisierenden Verkürzung, entnimmt er den Liberalen, während er die Sozialromantik, diese zugeschnitten auf einen Sozialpatriotismus, also als „negative“ Sozialdifferenzierung, dem Konservativen entnimmt. Die Leugnung einer Klasse von „Sozialschwachen“ (man beachte den kleinen semantischen Unterschied), findet der Faschismus wiederum vor allem im Liberalen, da diesem doch der „Sozialschwache“, aus dem Kopf entstiegen war, wie einst Athene aus dem Göttervater Zeus und sich nunmehr ihm als ein von sich völlig entfremdetes (und gegenseitiges) Hassobjekt darstellt. – Was kann man auch erwarten von einer Kopfgeburt?
Es sind die Minderwertigkeitskomplexe der sogenannten Mittelklasse, die es doch irgendwie nie so richtig schaffte, zur Aristokratie zu werden, die den Faschismus erst möglich macht(e), begründet auch in der Arroganz der alten Aristokratie (z.B. im deutsch-preußischen Adel), die eine Mittelklasse nie als eine von ihres Gleichen anerkannte. Und es war letztlich die Unreife eines Proletariats, die, ob ihres blinden Klassenhasses, diese Gefahr der Verbrüderung von Liberalismus und Konservativismus im Faschismus nicht zu erkennen vermochte.
Und es ist schon ein Treppenwitz, das nach der Wiedervereinigung in Deutschland solche Muster wieder in Erscheinung treten, als Gegensätze innerhalb der CDU zum Beispiel, zwischen Konservativen und Liberalen, zwischen Katholiken und Protestanten und sich hierzu, quasi als „proletarisches“ Gegenstück eine sozialpatriotische Linke (mit Teilen eben dieses liberal-konservativen Bürgertums) formiert.
Und damit wären wir auch bei dem „Subproletariat“. Das „Proletariat“ ist nach Marx keine wirklich rein ökonomische Kategorie (nur das „Automatische Subjekt“ wäre eine quasi rein ökonomische, aber ideologisch eben falsch reflektierte Kategorie), sondern letztlich eine aufgehobene, nämlich im „Revolutionären Proletariat“. Und damit keineswegs ideologisch falsch reflektiert, denn dies kann es nur sein, wenn es sich die revolutionäre Theorie zu Eigen macht, und hierin wären auch alle „Begriffe von Gesellschaft“ enthalten.

Prekariat vielleicht
@pjk: Die Linke ist im Wesen eine sozialdemokratische Partei, eine solche, die den alten modernen Revisionismus einer SED mit dem klassischen Opportunismus und Reformismus einer SPD vereint. Allerdings auch dies nicht einfach als Zusammenschluss, sondern als doppelte Negation. Dazwischen liegen immerhin Welten – auch zwischen diesen beiden opportunistischen Strömungen -, und eine ganze Epoche des Kapitals. So wie die Sozialdemokratie zu einer modernen bürgerlichen Partei geworden ist, einer solchen, die problemlos alle Strömungen des Bürgertums in sich vereinigen könnte (man beachte den Konjunktiv, denn ich möchte die Basis nicht völlig ignorieren), so ist auch diese Partei Ausdruck eines gewissen Postmodernismus, der natürlich auch alle Strömungen der Bourgeoisie (von links nach rechts und umgekehrt) in sich trägt (nicht alle sind schon „ausgetragen“; sie geht gewissermaßen schwanger mit einigen, wie zum Beispiel mit einem postmodernen Patriotismus, der ja eigentlich ein Paradox ist). So klammert sie krampfhaft am zerfallenden Wohlfahrtsstaat (der eigenen Klientel wegen), wird daher auch nicht scheuen, einen neuen Bonapartismus zu gebären – ein Lafontaine böte sich dafür an. Nur dieser wird nicht die Fortsetzung einer revolutionären Idee verkörpern (die Fortsetzung in der Aufhebung eines jakobinischen Wohlfahrtsausschusses), sondern einer konterrevolutionären, nämlich die der Verhinderung der sozialen Revolution. Der Lohnarbeiter, der, der nunmehr Ausdruck all derer sein wird, die es nicht zur bürgerlichen Aristokratie geschafft haben (auch als deren Handlanger: alle Klassen und Schichten gehen im Proletariat auf – Marx/Engels, Kommunistisches Manifest), soll den zerfallenden bürgerlichen Staat retten, und dabei sich selbst als Arbeiter erhalten. Ein grauenhafter Irrweg, denn, die Lohnarbeit, die zerfällt (und das tut sie definitiv – zerfallen), anstatt sich befreit zu haben, verfällt einem noch schlimmeren Joch: sie verliert ihren Status als Subjekt (Stichwort: als Kreation der Biotechnologie). Und genau das ist die objektive Funktion dieser „linksbürgerlichen“ Linkspartei.
Eine proletarische Partei somit mitnichten, auch unter dem Gesichtspunkt, dass der Begriff des Proletariats einer „Aufhebung“ (keine rein ökonomische Kategorie ist – siehe oben) entstammt. Das Proletariat kann, und dies ganz besonders in der gegenwärtigen Epoche, nur noch ein revolutionäres sein oder eben gar keins. – Prekariat vielleicht.

Lenin verstehen!
@Klier: Ganz sicher macht es keinen Sinn, gegen Leute wie Sie zu polemisieren; die Welten liegen doch weit auseinander. Aber da Sie hier ein „Zitat“ Lenins kolportieren, möchte ich doch darauf zu sprechen kommen. Lenin hatte die Angewohnheit, gewisse sehr komplizierte Dinge u.U. extrem zu vereinfachen; nicht weil er diese Vereinfachung als den Kern der Sache ansah, sondern um einen Aspekt hervorzuheben (Wie: Kommunismus ist Sozialismus plus Elektrifizierung). Man kann darüber streiten, ob das gewissen intellektuellen Ansprüchen genügt, aber in Bezug auf das damalige Russland, und des unbeschreiblichen Rückschritts in diesem Land, kurz nach der Revolution, ist es vielleicht ganz vernünftig gewesen. Natürlich ist Kommunismus erheblich mehr als Sozialismus plus Elektrifizierung, aber der Kern des Gedankens war, dass man an einen Kommunismus in einem Land, das nicht mal durchgehend elektrifiziert ist, gar nicht zu denken braucht. Und so verhält sich auch mit seiner „Deutschen Reichspost“. Für ihn war dieser Staatskonzern (in einem Staatsmonopolistischen Kapitalismus) ökonomisch betrachtet kaum noch weiter zu entwickeln, dies wohlgemerkt auch unter der russischen Perspektive. Man könne sozusagen die Organisation „komplett übernehmen“, so sein Gedanke. Aus ökonomischer Sicht ist das nicht falsch, denn tatsächlich beginnt – ökonomisch betrachtet – jenseits einer solchen Organisation der Sozialismus. (Die jetzige Krise wird uns das noch vor Augen führen!) Nur war Lenin der Letzte, der nicht gewusst hätte, wozu eine proletarische Revolution erforderlich ist, um in dieses „Jenseits“ überhaupt zu gelangen; und selbstredend war der Sozialismus kein (ökonomischer) Selbstzweck, sondern der erste Schritt zur Aufhebung der Klassengesellschaft. Auf dem Weg der Überwindung der Marktwirtschaft (und damit eben auch solcher „vorbildlichen“ Konzerne), des bürgerlichen Rechts (Sozialismus ist im Wesen noch die Vorherrschaft des bürgerlichen Rechts, der bürgerlichen Leistungsgesellschaft), und damit der bürgerlichen Klassen (samt deren Ideologie) innerhalb des Sozialismus, und zwar durch äußerst scharfen Klassenkampf (letzteres gelangte zur vollen Klarheit allerdings erst unter Mao Tse Tung).
Genau genommen ist Kommunismus nicht mehr zu beschreiben innerhalb unseren bürgerlichen -, sprich: Leistungskategorien. Der Kommunismus liegt nicht nur jenseits aller bisherigen Gesellschaften, sondern auch außerhalb jedes Denkens einer Klassengesellschaft. Der Kommunismus ist vielleicht vergleichbar mit einer wirklichen Revolution im unserem physikalischen Denken, einer solchen, die noch vor uns liegt und wo die Quantenphysik heute uns nur eine Ahnung von liefert (sie lässt uns ahnen, dass das noch nicht der Durchbruch ist), denn wirklich verstehen tun wir sie nicht – die Quantenphysik sowenig wie den Kommunismus.

Noch einmal: Lenin verstehen
@Klier u. allen anderen: Einen Gedanken möchte ich zu Lenins „Kommunismus ist Sozialismus plus…“ noch loswerden. Das Geniale an Lenin steckt oft im scheinbar Banalen. Denn im gewissen Sinne formuliert hier Lenin eine Vision, die weit über die aktuelle und womöglich rein russische Realität der damaligen Zeit hinaus ging. Um das zu verdeutlichen, nehme ich noch einmal Bezug zu der von mir hergestellten Beziehung zwischen einem Durchbruch in der Physik (Stichwort: Quantenphysik, ich möchte jetzt nicht auf den Einwurf Einsteins eingehen: „Gott würfelt nicht“, denn natürlich ist es möglich, dass uns die Quantenphysik zum Narren hält, aber auch für diesen Fall, müssen wir sie erst falsifiziert haben, um über sie hinweg zu kommen) und dem Kommunismus. Nicht nur dass beides jenseits unserer heutigen Kategorien in Wirklichkeit und im Denken liegt, so ist auch diese Beziehung nicht nur rein metaphorischer Natur. Sollte der Durchbruch in der Quantenphysik liegen, dann wäre das auf die eine oder andere Art die Herrschaft des Menschen über die Energie – im weitesten Sinne des Wortes – und damit über all die stofflichen Dinge, die den Menschen nicht nur umgeben, sondern denen wir heute so etwas wie einen Wert zusprechen. Wert nicht nur deshalb, weil in ihnen oft abstrakte menschliche Arbeit steckt, sondern weil sie einen Marktwert haben, wegen dieser Arbeit, aber auch, weil sie nicht allgemein zugänglich sind, und somit nur vermittels dieses Marktes einen Wert haben, diesen dann aber nur für ein jeweils beschränktes Publikum (das bestreitet ja wohl niemand, dass nicht mal die Grundbedürfnisse befriedigt sind). Aber genau dies, „verwertet den Wert“, nämlich seine nicht generelle Verfügbarkeit, sein Mangel (was im Übrigen im Widerspruch zum Überfluss der produzierten Güter steht und damit ein Grund für die Entstehung von Krisen darstellt).
Kommunismus hingegen bedeutet, dass dieser Mangel aufgehoben ist (und damit auch seine Überproduktion) – „jeder nach seinen Bedürfnissen“. Denn die Güter stehen per se jederzeit und jedermann zur Verfügung, und doch werden sie nur in einem Maße hergestellt, als sie gesellschaftlich erforderlich sind (Keine Unterkonsumtion-, keine Überproduktionskrise). Die Grundbedingung dafür ist aber die Herrschaft des Menschen über diese Güter (und nicht nur einiger Menschen über den Mangel an diesen), und das wiederum geht einher mit der unbeschränkten Herrschaft des Menschen über die Energie. Kommunismus ist also Sozialismus plus „Elektrifizierung“ des ganzen Planeten. Eine solche Herrschaft impliziert nicht nur eine proletarische, in Form einer sozialen Revolution, sondern auch eine wissenschaftliche Revolution. Denn nur diese untergräbt irreversibel diesen Wahn an „Verwertung des Wertes“. Selbst wenn noch in den Gütern so etwas wie menschliche Arbeit – Leistung – stecken würde, es stünde im Widerspruch zur Marktrealität. Der Wert ließe sich nicht mehr verwerten. Eine solche Gesellschaft würde in sich kollabieren. Wer weiß, vielleicht erleben wir gerade einen Vorgeschmack darauf!?
Da dem natürlich enorme Kräfte entgegen gesetzt werden, wird auch klar, dass der Durchbruch sowohl auf der sozialen Bühne wie auf der wissenschaftlichen nur als Revolution zu verstehen sind. Denn die Herrschaft über die Energie in dieser Form widerspricht dem privaten Eigentum an Produktionsmitteln, wie die Herrschaft über die Produktionsmitteln auf dieser Stufe überhaupt im Widerspruch steht zu dem erreichten Stand in den Produktivkräften, letzteres macht keinen Sinn mehr. Es wird im sprichwörtlichen Sinne obsolet. Und doch begreift das eine herrschende Klasse erst dann, wenn es für sie zu spät ist, wenn überhaupt.

Aus dem Reich der Mythen
@Aloa: Lesen Sie Heisenberg u.a., und Sie werden nicht nur einmal (zitiert auch in Lisa Randall und Brian Greene) zu lesen bekommen, dass man gerade dort die Quantenphysik nicht wirklich versteht. Also von wegen „Mystifizierung“. Und was den Kommunismus angeht, dass dieser entmenschlichter Humanismus sei, da schwimmen Sie lediglich im polemischen Mainstream, und zudem in trüben Gewässern. Ein Argument, schon gar ein wissenschaftliches, kann das keines sein. Denn der Kommunismus hat mit dem Humanismus so viel zu tun wie die Geschichte mit der Vorgeschichte. Auf diese Weise kann der Kommunismus nicht skandalisiert werden. Er kann nur theoretisch (als Weltanschauung und als Wissenschaft) widerlegt werden, denn er existiert nicht, noch nicht, nirgendwo. Sie beziehen sich lediglich auf den (nicht-mehr „real existierenden“) Sozialismus. Ein jener ist historisch gescheitert, ja geradezu obsolet; die Frage ist aber: was ist da gescheitert? – Meine These: Das hat mit dem Kommunismus (ja stellenweise mit dem Marxschen Sozialismus) nichts zu tun, bzw. nur noch recht wenig (zumal auch der Marxismus zur Selbstkritik fähig ist, nicht aber irgendeine Schule der Moderne)! So wie Sie da aber argumentieren, könnten Sie genau so gut versuchen Marx zu schlagen, indem Sie die Sozialdemokratie (von heute) kritisieren. Sie mystifizieren im Übrigen auch den Humanismus, indem Sie ihn – quasi im reziproken Sinne – mit der Kritik am Kommunismus/eigentlich Sozialismus verknüpfen. Der Humanismus ist die Weltanschauung (ja auch die Bourgeoisie hat eine in Theorie gekleidete Weltanschauung) der Moderne, und wir werden gerade Zeuge, wie diese vor unser aller Augen kollabiert (der Sozialismus – mit und ohne Gänsefüßchen – ist im Gegensatz zum Kommunismus mit der Moderne noch verknüpft, aber nur über einen seidenen Faden, vielleicht ist das gar der Grund, für den Niedergang des Sozialismus, nämlich quasi als Niedergang der Moderne, denn der Kapitalismus folgt gerade!?). Recht eigentlich scheint er schon kollabiert, der Humanismus, so er doch nur noch aus dem Reich der Mythen heraus regiert; und wir beschäftigen uns nur mit seinen Abbildern in unserm Hirn.

Oberfaule Kritik
@eyes: Bis zum vorletzten Satz konnte ich Ihnen noch folgen, obwohl mir die Subjektivierung gesellschafts-politischer (und ökonomischer) Prozesse schon auffiel. Dann aber: Kommunismus und Faschismus = Sozialismus!?
Wo haben Sie Mathe studiert? Es zeigt sich wieder mal, dass oberflächliche linke Kritik nicht nur im Kern reaktionär ist, sondern auch oberfaul, will heißen: die „Kritiker“ sind oberfaul (Mathematik dürfte nie ihr Lieblingsfach gewesen sein, dagegen aber regelmäßig Religion/Ethik, wie ich vermuten darf). Ich wiederhole mich ungern, denn ich habe weiter oben genug dazu gesagt („Lenin verstehen“, „Noch mal: Lenin verstehen“, und noch mal Lenin verstehen – Letzteres für „Faule“).

Ungehorsam und egoistisch sind wir tatsachlich, eben deswegen vielleicht!
@aloa5: Wenn Sie gegen den Kommunismus nicht argumentieren wollen, dann sollten Sie solche unsinnigen Aussagen unterlassen. Ich nehme es gerne auf mich, auch wenn ich der erste wäre, den Sie mit Ihren Beispielen nicht einschüchtern. Also nur Mut. Das was Sie bisher zu gesagt haben, auch dieses hier, mit dem „Ungehorsam“ der Menschen (ich bin in meinem Bekanntenkreis auch als sehr ungehorsam verschrien, ja und!), ist doch kein wirkliches Argument, sondern Laienpsychologismus. Und außerdem nicht neu, die ganze konservative Clique argumentiert so, nur um sich selbst an der Macht zu halten. Und Sie brauchen nicht über Neoliberalismus zu jammern, wenn Sie diesen Unsinn übernehmen. Üblicherweise heißt es allerdings nur: wegen des Egoismus der Menschen (auch egoistisch bin ich, behauptet zumindest meine Frau hin und wieder!). Ich bin gespannt, wie viel Ismen es noch gibt, die dem Kommunismus entgegen stehen wollen. Im Übrigen argumentiere ich nicht rein subjektiv, sondern hauptsächlich objektiv, von der Entwicklung des Kapitals selbst ausgehend, dann aber natürlich über das Bewusstsein der Massen, ohne das es tatsächlich nicht geht. Dieses Bewusstsein ist aber nicht das Unterbewusstsein – auf das Sie abzielen -, sondern das politische Bewusstsein, das ganz oben erkennbare, das Gegenstand der Klassenauseinandersetzungen – und des theoretischen Kampfes selbstverständlich – ist; und genau dadurch unterscheidet sich der Marxismus grundlegend von jeder Spielart der bürgerlichen Ideologie. Der Marxismus meidet den Psychologismus so weit wie möglich. Nimmt dieser überhand, wird die Theorie eine bürgerliche und die Massen werden zum Objekt der revolutionären Bewegung und nicht zu ihrem Träger.

faz.net/blogs/chaos/archive/2009/04/09/tatsaechlich-das-ende-des-neokonservativen-zeitalters

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