Die „Corona-Krise“ und der Kampf um die führenden Köpfe im Klassenkampf; oder auch: Gabriels „Leadership“ in der Atlantikbrücke


Und hier noch einmal in Kopie mein Facebookeintrag, falls das Javascript nicht funktioniert:

Unglaublich, dass ich einmal Gabriel in der Sache recht geben muss, abgesehen davon, dass es gut geschrieben ist. Nur, bleibt die Frage: Woran sollen wir ein solches Statement messen? An dessen Wahrheitsgehalt, der auch missbräuchlich gehandhabt sein könnte, oder an dessen ideologischen Prämissen, die gewisse Klasseninteressen verschleiern? Natürlich geht es Gabriel um die Interessen des Kapitals. Aber offenbar nicht des gesamten. Wesentliche Teile des Kapitals, um nicht zu sagen: die mächtigsten vermutlich, müssen die Profiteure dieser Krise sein, sonst wäre sie so nicht denkbar, bzw. anders geführt. Wir beobachten also in dieser Krise auch einen Kampf innerhalb der herrschenden Klasse, sehen, nein: ahnen – „sehen“ tun wir leider nichts – einen Antagonismus, der schlimmer ausgetragen werden könnte als der Klassenantagonismus zwischen Kapital und Arbeit. Doch dieser Antagonismus wird auf dem Rücken der breiten Massen ausgetragen, insbesondere der lohnarbeitenden. Das fordert der revolutionären Klasse eine maximale Anstrengung auf taktischem Gebiet ab, und zugleich äußerste Prinzipienfestigkeit. Die meisterliche Beherrschung der materialistischen Dialektik gepaart mit Klassenbewusstsein, aber auch Klasseninstinkt. Ganz grundsätzlich gilt: Von keiner Fraktion der Herrschenden ist völlige Einsicht oder gar eine revolutionäre Maßnahme zu erwarten. Nicht mal in der äußersten Not. Doch diese äußerste Not lässt Risse zwischen ihnen deutlich werden. Die sind unbedingt zu nutzen. Eine Taktik, die der Klasse die Aktionskraft zurückgibt. Ein schwieriges Unterfangen, zumal diese Kräfte, will heißen: ihre führenden Kräfte, weit und breit nicht zu sehen sind. Doch die Spreu trennt sich vom Weizen, wenn wir so kräftig wie möglich auf den Busch hauen. Dabei ist es nützlich, ja unbedingt erforderlich die klugen Köpfe auch und gerade außerhalb der Klasse zu erkennen und zu nutzen. Ihre Analysefähigkeiten, ja auch ihre Netzwerke zu gebrauchen. Wir dürfen keine Angst vor Ansteckung haben; das lehrt uns auch der Umgang mit dem Virus. Doch müssen wir die Klasseninteressen fest im Fokus haben. Es geht nicht um Kumpanei mit den Klassengegnern – schon gar nicht mit Gestalten der „Atlantikbrücke“ – die sind die Pest -, sondern um die Ausbeutung ihres Wissens und ihrer medialen Verbreitungswege. Doch solche Artikel sind gerade wegen ihres offen provokatorischen um nicht zu sagen: gegen den Mainstream gerichteten Aussagen, nicht wirklich für die breite Masse. Auf dem Markt des Kapitals, geht es nicht nur um Lohn, Preise und Profite (siehe Marxens gleichnamige Schrift), sondern, und das gerade in Krisenzeiten, um die Köpfe der Leute. Auch das ist Klassenkampf. Den Kampf um „Leadership“, nennt das Gabriel, schon voll im Atlantik-Brücke-Jargon. Das Wildern nach klugen Köpfen in den subalternen Klassen. Und das ist legitim, denn auch die revolutionären Klassen kommen ohne fremde „Gene“ nicht aus. Sie brauchen sie – die klugen Köpfe aus den den anderen Klassen. Schließlich wird der Kampf im „wer-wen“ am Ende entschieden, wer die meisten und die besten fremden Klassenkräfte auf seiner Seite hat. Und dabei müssen die eigenen Kräfte aufgebaut werden. Wer Angst vor dem Virus hat, hat auch Angst vor dem Klassengegner – vor der Berührung mit diesen. Solche Kräfte sind nicht zu gebrauchen. Jedenfalls nicht jetzt. Das waren schon immer die Kräfte, die der eigenen Klasse nichts zutrauen, sowenig wie sich selbst. Es sind die professionellen Kleinbürger. Mal beschimpfen sie die „Mutti“, mal schreien die nach ihr. Diese nicht zu verwechseln mit den sozioökonomischen kleinbürgerlichen Schichten. Auch darunter findet das revolutionäre Proletariat tapfere Anhänger, sobald diese den kleinbürgerlichen Klassenstandpunkt abgelegt haben. Bleiben wir optimistisch im revolutionären Sinne. Das ist eh die einzig mögliche Haltung für eine Klasse, die nichts zu verlieren hat, als ihre Ketten.

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