Vernichtende Gleichgültigkeit

Vernichtende Gleichgültigkeit
„Man kann sie ruhig stellen, oder sie zum Umdenken ihrer Passivität bringen.“ Sehr schön, das ist das Beste was ich zu diesem Thema seit langem wieder mal zu lesen bekam. Es stört mich auch, dass man in diesem Netz offenbar schreiben kann, was man will: es juckt keine Sau.

Die „Waffe der Kritik“ wird stumpf, wenn sie nicht zur „Kritik der Waffen“ führt. Wie ein Assad sich über seine eigenen „politischen Reformen“ lustig macht, sprich: die Massen verhöhnt, unterscheidet sich doch nur noch graduell von einem System, das die Massen nicht mal mehr zu verhöhnen braucht, um sie zu verhöhnen.

Die auf diese oder jene Art demonstrierte Gleichgültigkeit ist die aktuell brutalste Herrschaftsform. Lassen wir uns lieber zu Tausenden ans Kreuz schlagen, als durch Verachtung vernichten. Das sollte die Losung sein!

Der Instinkt der Massen und die revolutionäre Option
So richtig interessant finde ich eigentlich diese beiden Absätze. „Gewohnheitsrechte“ für Arme sind immer ein unschlagbarer Beleg dafür, dass wir in einer Klassengesellschaft leben. Und genau darin begründet sich auch die Option (der „In Instinkt der Massen“) sie revolutionär zu nutzen. Vielleicht sollten wir die ganze Debatte, wie sie sich gegenwärtig um das Thema ACTA kapriziert, dementsprechend begreifen:
„Man wird finden, daß die Gewohnheiten, welche Gewohnheiten der ganzen armen Klasse sind, mit sicherm Instinkt das Eigentum an seiner unentschiedenen Seite zu fassen wissen, man wird nicht nur finden, daß diese Klasse den Trieb fühlt, ein natürliches Bedürfnis, sondern ebensosehr, daß sie das Bedürfnis fühlt, einen rechtlichen Trieb zu befriedigen. Das Raffholz dient uns als Beispiel. Es steht so wenig in einem organischen Zusammenhang mit dem lebendigen Baum, als die abgestreifte Haut mit der Schlange. Die Natur selbst stellt in den dürren, vom organischen Leben getrennten, geknickten Reisern und Zweigen im Gegensatz zu den festwurzelnden, vollsaftigen, organisch Luft, Licht, Wasser und Erde zu eigener Gestalt und individuellem Leben sich assimilierenden Bäumen und Stämmen gleichsam den Gegensatz der Armut und des Reichtums dar. Es ist eine physische Vorstellung von Armut und Reichtum. Die menschliche Armut fühlt diese Verwandtschaft und leitet aus diesem Verwandtschaftsgefühl ihr Eigentumsrecht ab, und wenn sie daher den physisch-organischen Reichtum dem prämeditierenden Eigentümer, so vindiziert sie die physische Armut dem Bedürfnis und seinem Zufall. Sie empfindet in diesem Treiben der elementarischen Mächte eine befreundete Macht, die humaner ist als die menschliche. An die Stelle der zufälligen Willkür der Privilegierten ist der Zufall der Elemente getreten, die von dem Privateigentum abreißen, was es nicht mehr von sich abläßt. So wenig den Reichen Almosen, die auf die Straße geworfen werden, gebühren, so wenig diese Almosen der Natur. Aber auch in ihrer Tätigkeit findet die Armut schon ihr Recht. Im Sammeln stellt sich die elementarische Klasse der menschlichen Gesellschaft ordnend den Produkten der elementarischen Naturmacht gegenüber. Ähnlich verhält es sich mit Produkten, die in wildem Wachstum ein ganz zufälliges Akzidens des Besitzes und schon wegen ihrer Unbedeutendheit keinen Gegenstand für die Tätigkeit des eigentlichen Eigentümers bilden; ähnlich verhält es sich mit dem Nachlesen, Nachernten und dergleichen Gewohnheitsrechten.
Es lebt also in diesen Gewohnheiten der armen Klasse ein instinktmäßiger Rechtssinn, ihre Wurzel ist positiv und legitim, und die Form des Gewohnheitsrechts ist hier um so naturgemäßer, als das Dasein der armen Klasse selbst bisher eine bloße Gewohnheit der bürgerlichen Gesellschaft ist, die in dem Kreis der bewußten Staatsgliederung noch keine angemessene Stelle gefunden hat.“ (Karl Marx, Debatten über das Holzdiebstahlsgesetz, S. oben, S. 119)

faz.net/blogs/deus/archive/2012/03/15/wie-man-sich-eine-politische-jugend-erarbeitet

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