Wo der Bürger sich sorgt

Wo der Bürger sich sorgt
Also man kann nicht sagen, dass die Münsteraner nur bodenständig sind, und sie sind auch keine „Bauern“. Landwirte, glaube ich, würden sie sich nennen. Manche von ihnen. Dennoch, was ich an Münster so faszinierend finde, liegt so lange zurück, dass es schon einer gewissen Verklärung anheim gefallen ist. – Das gebe ich vorab zu.

Es war eine Jugendfreundin (oder doch besser: Kinderfreundin?). Ich war damals 15, glaube ich. Und das Mädel, das war 14, vielleicht. Kennen gelernt haben wir uns in Alsfeld, in einer Disco. Sie war damals auf Besuch dort. Und sie ist mir aufgefallen. Ihr blondes Puppengesichtchen wollte nicht so richtig zu ihrem sportlichen Outfit passen. Ein Mädchen mit 14 war damals noch sehr jung. Doch ihr Verstand ging eher in Richtung 17 oder 18. Irgendwie war sie an mir interessiert. Ich war mehr als interessiert. Meine Hormone, gewissermaßen. Sie muss ihren Eltern erzählt haben, dass sie da in dem fernen Alsfeld ihr ganz persönliches „Popidol“ kennengelernt hat. Ich hatte lange schwarze Locken und war gut gebaut. Überhaupt der Typ, auf den die jungen Mädels damals standen. Was machten die Eltern? Ach ja, sie lebten in Münster, vergaß ich zu sagen!

Anstatt der ganz sicherlich wohl behüteten Tochter dann diesen Kontakt zu verbieten, luden sie ihn ein. Zu sich nach Hause. Ferien auf dem Lande. Mal ganz anders. Für ganz Andere. Aber es waren keine „Bauern“. Es waren Städter. Wahre Bürger.

Gutbürgerlich. Ein geräumiges Haus. Jeder hatte sein Zimmer. Ich kam ins Gästezimmer. Nicht weit von der Angebeteten. Doch da gab es noch eine Schwester. Eine Ältere, auch so schlaksig wie blond – und klug. Sie übernahm die Aufgabe, auf die Kleine aufzupassen. Besser gesagt, auf die Zwei.

Es war eine tolle Zeit. Obwohl nichts passierte. Wir unternahmen viel. Nur das Eine nicht. Und auch die Stadt war ein schönes Erlebnis. Schon damals (es ist mehr als 40 Jahre her) fuhr man in Münster erheblich mehr Fahrrad als im Rest der Republik. Ich glaube damals schon gab es überall Fahrradwege. Die Stadt war gemütlich, aber nicht bieder. Auch die jungen Leute hatten ihren Platz. Eine Disco war mitten in der Stadt. Das Geschehen war integriert, nicht ausgelagert. Die Bürger kümmerten sich um ihre Kinder. Sie überließen sie nicht ihrem Schicksal. Ich glaube, das war es, was mich beeindruckte. Ich lebte damals schon mit halbem Fuß (und ganzem Kopf) in Frankfurt. Und da spielte mir das Schicksal längst eine andere Melodie zu.

Und bei dieser Gelegenheit fällt mir ein, dass es wohl kein Zufall sein wird, dass der (rings um Frankfurt) bekanntermaßen legendäre „Bischof von Limburg“ (Exbischof, denn jetzt im Ruhestand) ursprünglich aus Münster stammt.
Auch er war (ist) so ein Bürger, der sich sorgt.

Realität und Wahrnehmung
@HansMeier555:
Welche „73er-Elite“? Bei der „abstrakten Kunst“ würde ich zunächst mal unterschieden haben zwischen „abstrakt-abstrahierend“ und „abstrakt-gegenstandslos“. Mag sein, dass dann im Nachkriegsdeutschland – und nicht nur dort – gewisse Nie-Gesehen-Haben-Wollende hinter der Maske des Gegenstandslosen agierten. Doch so viel des Niveaus mag ich dort gar nicht erkennen. Wo doch das eigentlich Skandalöse daran war (ist), dass deren fehlende Einsicht so groß war (ist), dass sie sich hinter ihrer eigenen Masse verstecken konnten (können) – und das auch taten (tun). Mal ganz abgesehen davon, dass diese Kunstrichtung schon 1910 geboren ward, und das definitiv nicht in Deutschland. Franzosen, Russen, Engländer, das war die Avantgarde.

Nein, die abstrakte Kunst ist schon eine besondere Perspektive auf die Gegenständlichkeit der äußeren Natur. Allerdings ist sie darin eher ein Zugeständnis an als die Leugnung von einer besonderen semantischen Beziehung eines geistigen Wesens zu eben dieser äußeren Natur. Den uralten Universalienstreit neu auflegend. Welches Bild machen wir uns eigentlich von dieser „Natur“? Haben wir die richtige Semantik von dieser? Unterscheiden wir wirklich zur Genüge zwischen „Realität“ und „Wahrnehmung“? Und so wie die Theorie in Bezug auf die Realität eine Abstraktion von eben derselbigen ist, so darf und muss auch die Kunst (als Nichttheorie) von ihrem Objekt abstrahieren. Erst so wird das Subjekt in Bewegung gesetzt, gewissermaßen synchron dann (und mit eigener Semantik) mit der Bewegung des Objektiven. Nur so kann Bewusstsein auch als falsches Bewusstsein erkannt und dem Gegenstand der (notwendig falschen) Betrachtung gegen gehalten werden. Die ganze hegelsche und auch marxsche Dialektik kann überhaupt nur so verstanden werden.

faz.net/blogs/skurril/archive/2012/02/13/wie-der-bauer-zur-kunst-kam

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